Traditioneller Rundgang der Kanzlerin

Der Magenta-Blazer ist zum x-ten Mal zurechtgeruckelt, die Hose längst fusselfrei. Selbst jene Telekom-Kollegen, die sonst so souverän die Welt der Bits, Bytes und Algorithmen erklären, sind an diesem Morgen auf der CeBIT nervös. Der Grund: der Rundgang der Kanzlerin. In wenigen Minuten werden Angela Merkel und ihre Entourage den Telekom-Stand auf der CeBIT erreichen. Die promovierte Physikerin hat ein großes Faible für Forschung und Technik. Der Rundgang über die Messe ist daher vermutlich weniger Pflicht als willkommene Abwechslung – gerade in Wahlkampfzeiten. Wird sie doch an den Unternehmensständen bisweilen wie ein Popstar begrüßt.

Telekom-Chef Timotheus Höttges kann das gut nachempfinden. „Ihr Besuch ist für uns extrem wichtig“, sagt er. Selbstverständlich freue er sich über die „moralische Unterstützung“ seiner Mannschaft. Wenn die Kanzlerin vorbeischaut, „dann ist das, was wir tun, wichtig.“

Telekom-Stand CeBIT 2017 Der diesjährige Stand der Deutschen Telekom steht unter dem Motto Digitalisierung. Einfach. Machen (© 2017 Christian Wyrwa) - Christian Wyrwa

Herzlich willkommen in der digitalen Welt

Beim Gang über die CeBIT – dieses Mal in Begleitung des japanischen Premierministers Shinzō Abe – schüttelt Angela Merkel nicht nur Hände. Sie hört zu, probiert das eine oder andere aus, riskiert einen kleinen Scherz. Sie stellt die richtigen Fragen, bestätigen viele Unternehmensvertreter, schlüpft gerne in die Rolle der kritischen Kundin: „Was kostet das? Was bringt das?“

Das Interesse ist echt. Die Kanzlerin misst der Digitalisierung enorme Bedeutung bei. „Sie beeinflusst unsere Wirtschaft so stark wie kaum etwas anderes“, betonte sie im Grußwort zur CeBIT 2017. Merkel sieht in der Digitalisierung eine Tür in eine andere Welt des Wirtschaftens, Arbeitens und Konsumierens. Anders als von ihr noch vor ein paar Jahren formuliert, ist Digitalien längst kein Neuland mehr – weder für die Politik noch für die Unternehmen.

Schub für das Internet der Dinge: NarrowBand IoT

Im letzten Jahr präsentierte Telekom-Chef Höttges der Kanzlerin die Open Telekom Cloud auf der CeBIT und damit auch das neue Fort Knox für Server, das Rechenzentrum in Biere. Das Thema Datensicherheit stand damals im Mittelpunkt des Kurzbesuchs – ein Lieblingsthema Merkels. In diesem Jahr im Rampenlicht: die Biene. Die, so meint der Telekom-Chef, passe sehr gut zur Kanzlerin. Die Gemeinsamkeiten: „extrem fleißig und extrem ausdauernd“. Höttges ist natürlich kein Naturkundler, er will am Beispiel der Biene zeigen, was mit der Digitalisierung möglich ist. Alles kann verknüpft werden. Oder im Merkelschen Duktus. „Jedes Ding kann mit einem anderen Ding vernetzt werden.

Merkel auf dem Telekom Stand Telekom-Chef Timotheus Höttges erklärt, wie die neue Technik auch Imkern bei der Pflege ihrer Bienenkörbe helfen können. (© 2017 Christian Wyrwa)

In diesem besonderen Fall wird der Bienenkorb mit dem Internet der Dinge verbunden: Ein Sensor, so erklärte Höttges, messe das Gewicht der Bienen, die Feuchtigkeit, die Temperatur. Am „Sound“ der Bienen, der ebenso ermittelt wird, erkenne der Imker zum Beispiel, ob es seinen Völkern gut gehe oder ob er etwas gegen den Milbenbefall unternehmen müsse. Im Schnitt betreue ein Imker 200 bis 500 Bienenstöcke, da sei es hilfreich, wenn die Telekom ihn jetzt gemeinsam mit dem Startup „BeeAndMe“ unterstütze.

Wie funktioniert NarrowBand IoT

Wie das Ganze technisch funktioniert? Das neue Schmalband-Mobilfunknetz NarrowBand IoT. „Was heißt das?“, hakt die Kanzlerin nach. Höttges erklärt ihr, dass man mit diesem Funksignal sogar tief in Gebäude eindringen könne. Das Besondere daran: Der Sensor funktioniert mit einer Knopfzelle als Energiespender, weil das Funk-Format extrem stromsparend ist. In acht europäischen Ländern hat die Telekom NarrowBand IoT bereits ausgerollt. Die Reaktion Merkels auf den Schnellkurs in Sachen Digitalisierung? „Naja, okay. Das habe ich fast verstanden.“ Ein Lächeln. Aber die Sache mit den Bienen findet sie „auf jeden Fall interessant“.

Die Biene als Synonym taugt übrigens nicht nur zur Charakterisierung Merkels. „Sie besuchen uns auf der CeBIT nun schon zum zwölften. Mal“, freut sich Höttges, und in dieser Zeit habe sein Unternehmen 50 Milliarden Euro für Infrastruktur ausgegeben. Man sieht: „Wir sind auch ein fleißiges Bienenvolk.“