Fragen fürs Vorstellungsgespräch: Wie Arbeitgeber richtig planen

Lebenslauf, Zeugnisse und Anschreiben geben einen ersten Eindruck vom Bewerber. Doch erst die richtigen Fragen im Vorstellungsgespräch zeigen, wie der Kandidat im Alltag später voraussichtlich urteilen und handeln wird.

Hunderte von unterschiedlichen Fragen sind denkbar. Es ist jedoch nicht notwendig, alle auswendig zu kennen, um den talentiertesten Anwärter zu finden. Arbeitgeber sollten Gesprächsthemen wählen, die zu ihrem Unternehmen und dem individuellen Projekt passen. Das heißt: Ein Vorstellungsgespräch muss vorbereitet werden. Der Chef:

  • kennt den Lebenslauf des Interessenten
  • hat die Dauer des Interviews festgelegt
  • ist auf Fachfragen vorbereitet
  • kann auf Gegenfragen reagieren

Effektive Fragen haben einen Mehrwert:

  • Die Motivation des Kandidaten wird klar.
  • Gewählte Themen rufen eine Reaktion hervor, die einen Teil der Persönlichkeit des Bewerbers sichtbar macht.
  • Eine durchdachte Struktur zeigt die Professionalität des Arbeitgebers und stärkt das Employer Branding.
  • Und vor allem stellt sich im Idealfall heraus, ob der Aspirant zum Unternehmen passt.

Vom Small Talk zum Kennenlernen: Den Einstieg finden

Fragen fürs Vorstellungsgespräch beginnen mit einfachem Small Talk. Eine Einleitung ist etwa: „Sind Sie gut hergekommen?“. In erster Linie nimmt das etwas Druck vom Bewerber. Gleichzeitig weiß der Kandidat, dass er oder sie willkommen ist. Schon beim ersten Austausch zeigt sich die Stimmung für den weiteren Gesprächsverlauf. Die Tonalität gibt der Arbeitgeber vor.

Die darauffolgenden Fragen führen langsam auf die Sachebene: Es geht darum, den Kandidaten besser kennenzulernen. Beliebt – und durchaus effektiv – ist zum Beispiel: „Können Sie sich kurz vorstellen?“. Chefs erfahren, ob sich der Interessent auf eine kurze Präsentation vorbereitet hat:

  • Welche Fähigkeiten und Erfahrungen betont er oder sie?
  • Nimmt er oder sie bereits Bezug auf die Anforderungen aus der Stellenausschreibung?

Wie der Bewerber tickt: Die Motivation untersuchen

Nach dem Kennenlernen steht die Motivation des Aspiranten im Fokus. Eine der geeigneten Fragen im Vorstellungsgespräch ist: „Was wissen Sie über unser Unternehmen?“. So stellt sich heraus, wie gut der Interessent informiert ist. Hat der Bewerber seine Hausaufgaben gemacht, zeigt das Interesse und womöglich, wie wichtig der Job für ihn oder sie ist.

Wie ein Kandidat denkt und handelt, erfahren Arbeitgeber, indem sie nach Stärken und Schwächen fragen. Eine Möglichkeit: „Welche drei positiven/negativen Begriffe beschreiben Sie am besten?“. Chefs ergründen dadurch:

  • Wie schätzt sich die Person ein?
  • Wie reflektiert er oder sie?
  • Ist der Interessent selbstkritisch?
  • Kann er oder sie aus Fehlern lernen?
  • Wie geht der Kandidat mit Kritik um?
Viele Bewerber – und einer passt am besten: Mit den passenden Fragen fühlen Chefs Interessenten auf den Zahn. (© 2017 Shutterstock / Wisanu_nuu)

Detailfragen: Das Wissen checken

Die Fragen fürs Vorstellungsgespräch gehen schließlich ins Detail. Steht beispielsweise eine potenzielle Führungspersönlichkeit auf dem Prüfstand, entwickeln sich die Themen des Interviews in diese Richtung. Eine Möglichkeit: „Möchten Sie als Chef lieber gefürchtet oder geschätzt werden?“.

Bei der Antwort wird deutlich, wie kritisch sich der Bewerber mit Führungsaufgaben auseinandergesetzt hat. Unterscheidet er oder sie dabei zwischen schlechtem und gutem Stil? Wie gleicht er eigene Schwächen aus? Welche Grundsätze und Strategien sind bekannt?

Detailfragen werden individuell auf die Anforderungen des Unternehmens zugeschnitten. So wird das Fachwissen auf die Probe gestellt. Experten aus den jeweiligen Projekten helfen, die passenden Themen zu finden. Auch wenn die Kollegen nicht bei dem Gespräch dabei sind, können Manager die Kenntnisse des Bewerbers so sondieren.

Unzulässige Fragen: Das ist tabu

Eine ganze Reihe von Fragen dürfen in Vorstellungsgesprächen nicht gestellt werden. Untersagt sind beispielsweise die Themen:

  • Person oder Familie
  • Religion
  • Parteizugehörigkeit
  • Sexuelle Neigungen
  • Familienplanung oder Schwangerschaft

Sofern die Antwort für die künftige Tätigkeit von Belang ist, sind einige Fragen aber ausnahmsweise erlaubt. Geht die Stelle etwa mit schwerer körperlicher Arbeit einher, dürfen Chefs sich nach einer Schwangerschaft erkundigen. Mehr dazu in unserem Ratgeber Vorbereitung aufs Vorstellungsgespräch: Unzulässige Fragen.

Checkliste: Das Bewerbungsgespräch für Arbeitgeber

  • Bereiten Sie sich akribisch vor.
  • Steuern Sie die Tonalität des Gesprächs von Anfang an.
  • Entwickeln Sie individuelle Fragen passend zur jeweiligen Stelle.
  • Führungskräfte prüfen Sie mit speziellen Themen.
  • Beachten Sie, welche Fragen erlaubt sind.

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