Ausnahme 1: Auszubildende nach dem Berufsbildungsgesetz

Der gesetzliche Mindestlohn gilt für alle Arbeitnehmer ab 18 Jahren. Demnach fallen Minderjährige nicht unter das Mindestlohngesetz. Das betrifft auch Azubis. Ihre Vergütung wird über das Berufsbildungsgesetz geregelt, da sie in erster Linie arbeiten, um einen Beruf zu erlernen und nicht um Geld zu verdienen. Anders sieht es bei Jugendlichen aus, die bereits über eine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen: Sie sind als vollwertige Arbeitnehmer anzusehen und haben Anspruch auf Mindestlohn.

Ausnahme 2: Praktikanten

Auch bei einem Praktikum steht die Ausbildung im Vordergrund. Hier differenziert der Gesetzgeber jedoch zwischen Art und Dauer dieser Ausbildungsform: Ist sie verpflichtend im Rahmen von Studium, Ausbildung oder Schule, dann besteht kein Anspruch auf Mindestlohn. Genauso sieht es aus für freiwillige (Orientierungs-)Hospitanzen, die bis zu drei Monate dauern sowie solche im Zuge einer Einstiegsqualifizierung nach dem SGB III.

Ausnahme: Sobald ein Praktikum länger als drei Monate dauert, ist es gemäß Mindestlohngesetz ab dem ersten Arbeitstag wenigstens mit 8,50 Euro zu vergüten.

Ausnahme 3: Zeitungszusteller

Die Regelungen für Zeitungsboten sind etwas spezieller. Für sie soll ebenfalls die Lohnuntergrenze gelten, allerdings wird diese derzeit stufenweise eingeführt. Zusteller erhalten in diesem Jahr 75 Prozent vom Mindestlohn (6,38 Euro) und 2016 85 Prozent (7,23 Euro). Ab dem 1. Januar 2017 sind Zeitungsverleger dazu verpflichtet, den vollen Mindestlohn zu bezahlen.

Ausnahme 4: Saisonarbeiter und Erntehelfer

Saisonarbeiter und Erntehelfer sind grundsätzlich vor Ausnahmen vom Mindestlohn gefeit. Jedoch dürfen Arbeitgeber die Kosten für Essen und Unterkunft der Beschäftigten vom Minimallohn abziehen. Darüber hinaus können Saisonarbeitskräfte statt zuvor 50 Tage nun 70 Tage sozialabgabefrei beschäftigt werden. Diese Regelung gilt bis Ende 2018. Danach ist wieder die Begrenzung auf 50 Tage geplant.

Weitere Ausnahmen vom Mindestlohn: Ehrenamtlich Tätige und Langzeitarbeitslose

Ausnahmen vom Mindestlohn betreffen außerdem ehrenamtlich Tätige sowie Langzeitarbeitslose. Das freiwillige Ehrenamt stellt keine Arbeit im Sinne des Gesetzes dar. Außerdem gibt es dafür ohnehin keine Entlohnung im üblichen Sinn. Für Langzeitarbeitslose gelten gesonderte Regelungen. Um Ihnen den Wiedereinstieg ins Berufsleben zu erleichtern, können Arbeitgeber in den ersten sechs Monaten vom Mindestlohn abweichen. Beschäftigte, für die ein Tarifvertrag gilt, werden nach dessen Bestimmungen bezahlt.

Übergangsregelungen für verschiedene Branchen

Grundsätzlich herrscht die Lohnuntergrenze in allen Branchen. Um jedoch einzelnen Berufszweigen den Übergang zu erleichtern, dürfen sie vom Mindestlohn abweichen. Voraussetzung: Es muss ein bundesweit repräsentativer Tarifvertrag auf Branchenebene vereinbart sein. Die Grundlage für derartige tarifgestützte Mindestlöhne bildet das Arbeitnehmer-Entsendegesetz (AentG). Die Übergangszeit gilt bis zum 31. Dezember 2017. Danach müssen auch die Abweichler den gesetzlichen Mindestlohn zahlen.

Diese Schonfristen betreffen derzeit Friseure, die Fleischbranche, Leiharbeiter und Wäschedienstleister für Großkunden, den Gartenbau, die Land- und Forstwirtschaft sowie die Textilbranche.

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