Wirtschaftsexperte Hermann Simon, Chairman von Simon-Kucher & Partners und Autor von „Hidden Champions – Aufbruch nach Globalia“, über die Stärken des Mittelstands.

Aus Regional mach Global
Früher konnte die Internationalisierung nur von größeren Unternehmen betrieben werden. Doch dank Internet und der Fortschritte in der Informationstechnik ist der Weltmarkt selbst für einen Fünf-Mann-Betrieb heute zugänglich. Parallel dazu hat sich die Logistik entwickelt. Die Welt ist durch das Internet und die neue Logistik ein einziger Markt geworden.


Hermann Simon

Hermann Simon Hermann Simon (© 2015 )

Professor Simon lehrte Marketing unter anderem an der Universität Mainz, der Harvard Business School und der Stanford Universität. Er ist Chairman der Bonner Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners und macht sich zudem als Autor mehrerer Bücher einen Namen.

Wissen, was man tut
Kein Unternehmen wird Weltmarktführer, wenn es in etwas hineinstolpert, sondern nur mit einem Ziel. Ambition ist die Sprungfeder des Erfolgs. Aber: Weltklasse lässt sich erreichen, indem man etwas besser macht als die Konkurrenz. Das wiederum geschieht durch Fokussierung.

Technisch vorne dabei sein
Mittelständische Unternehmen sind ziemlich up to date. Das müssen sie schon deswegen sein, weil die Systeme zunehmend komplexer werden. Wenn sie Tochtergesellschaften haben, brauchen sie auch vernetzte Systeme, die alle Informationen in Echtzeit liefern. Diese Firmen sind also schon technisch sehr professionell.

Vorsprung durch Innovation
65 Prozent der kleinen Weltmarktführer gelingt es, Technik und Kundenbedürfnis gleichgewichtig in ihre Innovationstätigkeit zu integrieren. Bei den großen Unternehmen sind das nur 19 Prozent. Großunternehmen werfen große Budgets auf Probleme, die Kleinen setzen kleine, dedizierte Teams daran. Sie pflegen eine viel engere Zusammenarbeit mit ihren Kunden und haben auch kürzere Entwicklungszeiten. Bei ihnen werden 80 Prozent der Patente tatsächlich in Produkte umgesetzt. Bei Großunternehmen sind es weniger als 20 Prozent.

Weltklasse erreicht man nur, wenn man etwas besser macht als die Konkurrenz, das erreicht man nur durch Fokussierung.

Hermann SimonUnternehmensberater und Wirtschaftsprofessor

Keine Scheu vor der Fremde
Weltweit gibt es gerade einmal 2.734 Hidden Champions, fast die Hälfte davon in Deutschland. Eine Ursache: unsere historische Dezentralisierung. Deutschland erwuchs aus 23 Monarchien und drei Republiken. Das heißt, Unternehmen die wachsen wollten, mussten sich sehr früh international engagieren, etwa von Bayern nach Sachsen. Das macht die DNA der deutschen Unternehmer bis heute aus.

Stärken der Regionen
Viele Regionen haben traditionelle Kompetenzen, etwa Bleistifte in Nürnberg. Andere haben sich weiterentwickelt: Im Schwarzwald gab es seit Jahrhunderten die Uhrmacherei. Heute ist sie fast verschwunden, daraus ist aber eine Medizintechnikindustrie mit 450 Firmen entstanden. Die Herstellung chirurgischer Instrumente ist nichts anderes als die Anwendung feinmechanischer Kompetenzen in einer neuen Wachstumsbranche.

Hidden Champions vermeiden Entlassungen, sie nutzen in Krisen alle anderen Modelle für ihre Mitarbeiter.

Hermann SimonUnternehmensberater und Wirtschaftsprofessor

Aufbruch nach Globalia

Aufbruch nach Globalia Aufbruch nach Globalia (© 2015 )

Hidden Champions. Aufbruch nach Globalia: Die Erfolgsstrategien unbekannter Weltmarktführer. Campus Verlag 2012, 42 Euro

Chef heißt, andere zu begeistern
Ihre Amtszeit ist mit durchschnittlich 20 Jahren recht lang. Was Chefs und Gründer aber auszeichnet, ist die Identität von Person und Mission. Ihre fokussierte Zielstrebigkeit mit einer fast nie endenden Energie sowie die Fähigkeit, andere zu begeistern. Ein Weltmarktführer braucht eine Mannschaft, die er begeistern kann. Das ist keine Frage von Intro- oder Extrovertiertheit: Es liegt im Kern der Persönlichkeit begründet, was sich nicht in Worten, sondern in Taten erklären lässt.