Social Media fürs Handwerk

Malermeister Matthias Schultze hat früh die sozialen Medien für sich entdeckt: In seinem Blog gewährt der Chef des Malerfachbetriebs Heyse in Isernhagen bei Hannover seinen Kunden einen Blick hinter die Kulissen seines Betriebs. Das kostet viel Zeit, doch für ihn ist das eine Investition in die Zukunft seines Unternehmens – und sichert so die Arbeitsplätze seiner Mitarbeiter. „Die Generation der 20- bis 25-Jährigen bezieht fast 100 Prozent ihrer Infos über Smartphones via Facebook und Twitter“, sagt er. „Social Media gehört heute unbedingt zur Unternehmenskommunikation. Wer diesen Zug verpasst, wird in spätestens fünf Jahren große Probleme haben, am Marktgeschehen teilzunehmen.“

Das verspricht sich das Handwerk durch die Digitalisierung:
47%: Wettbewerbsfähigkeit stärken
41%: Kostenstruktur optimieren

Zur Studie Der „Digitalisierungsindex Mittelstand“ ist eine repräsentative Studie von der Telekom und dem Analystenhaus techconsult. Ende 2016 wurden 1016 kleine und mittelständische Unternehmen verschiedener Branchen über die eigenen Digitalisierungsbestrebungen befragt. Daraus entstand ein Index, der erstmals eine zuverlässige Messgröße für die Digitalisierung im Mittelstand bietet.

Neue Kunden per durchdachter Digitalisierungsstrategie gewinnen

Inzwischen hat Schultze sogar einen „Social-Media-Leitfaden für das Handwerk“ geschrieben und ein Partnernetzwerk gegründet, auf dem andere Malerfachbetriebe ihre Leistungen anbieten können. Das ist genau der richtige Weg, lobt Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Digitalverbands Bitkom: „Die digitale Kommunikation im Netz ist für Betriebe eine große Chance, neue Kunden zu gewinnen und auch überregional ihre Leistungen anzubieten.“ Nicht nur bei der Kundenbindung gibt es Potenzial.

Die Digitalisierung bietet ganz neue Möglichkeiten, wie die Bäckereikette Lohner’s mit ihrer „digitalen Backstube“ zeigt: Mithilfe der Telekom stellte sie ihr Netzwerk auf das zukünftige Internetprotokoll um. Ergebnis: Das Auslesen der vernetzten Kassen in allen 135 Filialen in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Hessen erledigt die Zentrale in weniger als einer Stunde. Statt Kreidetafeln nutzt Lohner’s jetzt digitale Bildschirme, auf denen sich die Preise und Angebote im Nu über alle Geschäfte hinweg ändern lassen. Sogar die Backöfen vor Ort sind digital mit der Zentrale verbunden. Hier sehen die Mitarbeiter, welche Programme laufen und ob eine Tür offen steht. Probleme können die Techniker dank Digitalisierung aus der Ferne beheben.

Mehr als 79 Prozent aller Handwerksbetriebe setzen bereits Digitalprojekte um.

Der Digitalisierung wird große Bedeutung beigemessen

Jedes sechste Unternehmen hierzulande ist ein Handwerksbetrieb. Und sie sind sich der Chancen durch die Digitalisierung bewusst: Nach dem „Digitalisierungsindex Mittelstand“ messen 80 Prozent der Befragten der Digitalisierung große bis sehr große Bedeutung bei, vor allem, um neue Kunden und Märkte zu gewinnen (58 Prozent) und ihre Kundenbeziehungen zu verbessern (56 Prozent). Rund die Hälfte (55 Prozent) wollen ihre Innovationskraft und Produktivität steigern. Mehr als drei Viertel arbeiten bereits daran, einzelne Digitalprojekte oder sogar schon eine übergreifende Strategie im Unternehmen umzusetzen.

55 von maximal 100 Punkten erreichen Handwerksbetriebe laut Index im Durchschnitt.

Die größten Hindernisse sehen Handwerksbetriebe in den hohen Investitionskosten (36 Prozent) und in Gewährleistung der IT-Sicherheit (33 Prozent). Gerade der sichere Zugriff auf Daten und Anwendungen sowie die sichere Datenspeicherung und -übertragung wird häufig nicht angemessen berücksichtigt. Der Index für IT-, Informationssicherheit und Datenschutz liegt mit 61 von 100 Punkten damit auch leicht unter dem Gesamtdurchschnitt von 63 Index- Punkten.

Fazit

Das Handwerk steckt 
mitten in der Digitalisierung. Dennoch zeigt das Gesamtniveau von 55 von 100 Punkten im Index deutlich, dass hier noch viel Potenzial schlummert. Nachholbedarf besteht bei den Themen IT­, Informationssicherheit und Datenschutz. Ohne Absicherung setzen Handwerks­ betriebe ihre bisherigen Digitalisierungserfolge in den Bereichen Kundenbeziehungen, Produktivität und Geschäftsmodelle unnötig aufs Spiel.

Digitalisierungsindex Handwerk Durchschnittlicher Digitalisierungsgrad des Handwerks laut Digitalisierungsindex Mittelstand, max. 100 Punkte erreichbar. (© 2017 Telekom Deutschland, techconsult)

 
 

Zu den weiteren Teilen der Serie "Digi-Index" geht's über diese Links

Digi-Index Teil 1: Industrieunternehmen

Digi-Index Teil 2: Handelsunternehmen

Digi-Index Teil 3: Transportbranche

Digitalisierungsindex Mittelstand: Wie digital sind wir?