Internationale Unternehmen, kreative Plattformen, eine innovative Gründer-Szene: Für viele ist Berlin die Digital-Hauptstadt Deutschlands. Dass das nicht uneingeschränkt stimmt, beweist die Telekom Deutschland mit ihrer DIGITAL X-Veranstaltungsreihe. Auf insgesamt sechs regionalen Netzwerkevents mit dem Schwerpunkt Digitalisierung bietet der Bonner Konzern lokalen Unternehmen eine Plattform – zum Austausch und zur Inspiration. Am 20. März fand der Auftakt in Köln statt: In zahlreichen Talks und Experten-Panels beleuchteten die Teilnehmer intensiv den Stand der Digitalisierung im Rheinland.

„Hier ist das digitale Zentrum Nordrhein-Westfalens“: Mit diesen Worten eröffnete Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden Telekom Deutschland, die Veranstaltung DIGITALWEST. „Köln beheimatet fast 2.000 Unternehmen der digitalen Wirtschaft und 15 Gründer-, Innovations- und Technologiezentren in der Region stellen sicher, dass der digitale Motor weiter auf Touren kommt.“ Das Wichtigste? Ein Brückenschlag aller Akteure. Denn nur wenn Startups, Mittelständler und die Betreiber der vielen Digitalisierungsinitiativen ihre Stärken kombinieren, kann sich Köln als digitaler Standort behaupten.

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Start-up-Schmiede NRW

Vorbilder, die zeigen wie das funktionieren kann, waren bei der DIGITALWEST zahlreich zu finden. Etwa bei der Expertenrunde „Startups meet Mittelstand – Brückenbau im Rheinland“. Miriam Mertens, Vice President Startup-Kooperationen bei der Telekom Deutschland, Benjamin Dammertz, Gründer und CEO von Foxbase, André Panné, Geschäftsführer des Digital Hub Cologne und Monja Weber, Gründerin und CEO von Kolorat diskutierten, wie innovativ das Rheinland wirklich ist und warum junge Gründer hier gute Chancen haben. „Hier bewegt sich was“, sagte Dammertz. „Berlin ist stark im Business-to-Consumer-Bereich. Aber das Rheinland hat eine enorme Wirtschaftskraft, das ist ein großer Vorteil für Business-to-Business-Startups.“

Dass Startups in Sachen Digitalisierung eine Vorreiterstellung einnehmen, hat auch der Mittelstand in der Region längst erkannt und setzt auf die Zusammenarbeit. Miriam Mertens: „Die Frage lautet nicht mehr, warum ein Unternehmen sich digitalisieren sollte, sondern wie es effizient mit digitalen Vorreitern kooperieren kann.“ Die Antwort liefert der Digital Hub Cologne. Das Ziel: dem hiesigen Mittelstand die Türen zur Digitalisierung zu öffnen. Der Schlüssel dafür: die Startups, von denen es hunderte im Rheinland gibt. „Ich will es schaffen, dass Startups und Mittelstand sich auf Augenhöhe begegnen, um die Digitalisierung schneller voranzutreiben“, sagte Panné. „Immerhin war hier vor vielen Jahren das Herz der deutschen Industrie. Genau da setzen wir an.“

„Einfach mal machen“

Panné möchte jungen Gründern mit seiner Initiative unter die Arme greifen. Denn noch sei Deutschland zu konservativ, wenn es darum geht, Geld für innovative Technologien auszugeben. Auch die Bürokratie hindert Startups oft am Durchbruch. „Es wäre schön, wenn Startups sich einfach mal ausprobieren könnten“, sagte Monja Weber, „und nicht zu viele Behördengänge machen müssten, die einem im Weg stehen. Einfach mal machen.“ Das sagen auch die anderen Startups der VeranstaltungScedule, Particulate und boot.AI. Für sie ist das Rheinland nicht nur aufgrund der ansässigen Unternehmen ein idealer Standort. Auch die Dichte an Universitäten ist ein Argument, um junge Talente ins Boot zu holen.

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Kölner Unternehmen: weiter digitalisieren

Weitere Termine im Überblick
  • DIGITALSOUTHWEST, Stuttgart: 03. Mai
  • DIGITALSOUTH,
    München: 16. Mai
  • DIGITALNORTH,
    Hamburg: 29. Mai
  • DIGITALEAST,
    Berlin: 05. Juni
  • DIGITALMIDWEST, Frankfurt am Main: 12. Juni

Hier geht es zur Übersicht und Anmeldung zu allen Veranstaltungen und zur Bewerbung für den regionalen Digital Champions Award.

Einen ganz genauen Blick auf das digitale Potenzial der Region warf auch das Experten-Panel „Digitalisierung im Rheinland“. Joachim Vranken, Web.de Cologne e.V., Roland Berger, Stadt Köln, André Panné und Michael Müller-Berg, Telekom Deutschland, diskutierten über den digitalen Status Quo in Köln und Umgebung: „Wir haben hier gute Voraussetzungen, Köln ist ein toller Standort“, sagte Vranken. „Jedoch müssen wir uns dem globalen Wettbewerb stellen.“ Um dagegen zu bestehen, seien gute Mitarbeiter sowie eine enge Verbindung zwischen Wirtschaft und Wissenschaft gefragt. „Wir brauchen Brücken, keine Inseln. Wir müssen interdisziplinärer und internationaler denken“, sagte der Vorstandssprecher der Unternehmensinitiative.

Alle Panel-Teilnehmer waren sich einig, dass etwas getan werden müsse. „Eigentlich sind wir hier auf keinem Strategie- sondern einem Krisenworkshop“, sagte Michael Müller-Berg. „Wir alle müssen uns fragen: Wie muss ich mein Geschäftsmodell verändern, damit es auch morgen noch erfolgreich ist?“

So sah es auch Roland Berger. Der Leiter der Stabsstelle für Medien- und Internetwirtschaft konnte bei seinem Besuch der Digital-Konferenz „South by Southwest“ (SXSW) in Texas Anfang März feststellen, dass Deutschland den USA bei der Digitalisierung hinterher läuft. Um das zu ändern, sei besonders die richtige Infrastruktur entscheidend. „Köln ist hier im Moment gut aufgestellt. Für die Zukunft muss jedoch etwas geschehen“, sagte Berger.

Vielfalt als Innovationsmotor

Dabei appellierte Vranken an die Wichtigkeit des Wagnis und der Veränderungen: „Wir brauchen mehr Innovationsgeist“. Er plädierte für mehr Innovationskultur und Geschwindigkeit. Genau wie das Silicon Valley setze auch das „Rheinland Valley“ auf Vielfalt. „Wie man hier bei uns sagt: Jede Jeck es anders“, sagte Vranken. „Diese Diversity ist ein großer Innovationsmotor.“ Zudem sei der Austausch die Basis allen Erfolgs: „Das Silicon Valley zeichnet sich dadurch aus, dass alle intensiv miteinander sprechen“, sagte der Geschäftsführer der Digital-Plattform, André Panné. „Hier in Deutschland sind wir oft nur offen innerhalb bestimmter Kreise oder Branchen. Wir innovieren gerne innerhalb eines Systems“. Schließlich sei der deutsche Mittelstand für seine Perfektion berühmt. In der Digitalisierung sei es jedoch wichtiger, neugierig auf Anderes zu sein. Und sich auf Augenhöhe zu begegnen – egal ob Konzern, Mittelständler oder Startup.