Richtige Pausen: Digital Detox für Gestresste

Einfach mal alle Fünfe gerade sein lassen, weg mit dem Smartphone, adieu E-Mails. Das klingt einfach, trotzdem ist es besonders für Führungskräfte im Mittelstand ausgesprochen schwierig, loszulassen und die ständige Erreichbarkeit einzudämmen.

Wenn Sie erst einmal im Hamsterrad der Hyper-Vernetzung gefangen sind, wird der Ausstieg schwierig. Der ständige Stress macht obendrein unproduktiv und führt im schlimmsten Fall geradewegs in den Burn-out. Manchmal bleibt daher nichts anderes als: Digital Detox.

Auf Deutsch bedeutet Digital Detox soviel wie digitale Entgiftung oder Entzug. Betroffene ...

  • verzichten gezielt auf ihre Smartphones oder Black Berrys,
  • auf soziale Medien, aber auch auf das
  • Fernsehen und
  • Telefonieren.

Eine entsprechende Kur ist für den Betroffenen und das Unternehmen heilsam, denn ...

  • indem der Stress-Level sinkt,
  • ist der Betroffene motivierter und
  • kann viel produktiver arbeiten.

Ab aufs Land: Entziehungskur mit frischer Luft

Vorreiter in Sachen Digital Detox ist wie so oft das Silicon Valley. Ausgerechnet Software-Giganten wie Microsoft, Facebook oder Google kämpfen gegen die ständige Erreichbarkeit und schicken ihre Mitarbeiter in ein Ferienlager für Erwachsene, das sogenannte Camp Grounded.

  • Der Wahlspruch lautet: "Wo Erwachsene den Stecker ziehen, ausbrechen und wieder Kinder sein dürfen".
  • Für ein paar Tage müssen die Teilnehmer auf alle digitalen Helferlein verzichten und die ständige Erreichbarkeit aufgeben.
  • In Workshops und auf Ausflügen in die Natur werden fernab der digitalen Vernetzungen die Batterien der Teilnehmer geladen.

Im Silicon Valley fußt das Digital Detox bereits, das bedeutet aber nicht, dass Sie erst über den Atlantik fliegen müssen, um zu entgiften. Selbstverständlich gibt es auch in Deutschland Möglichkeiten, gegen die ständige Erreichbarkeit anzugehen: Beispielsweise als Teilnehmer des Digital Detox Camps im rheinland-pfälzischen Schweighofen.

Diese kurzen Ausbrüche aus dem Alltag sind zwar heilsam, das Camp will aber mehr leisten. Es geht darum, die Teilnehmer zu sensibilisieren, damit die ständige Erreichbarkeit nicht erneut die Oberhand gewinnt ...

Gegen die ständige Erreichbarkeit: So brechen Sie aus dem digitalen Hamsterrad aus

Dazu gibt es viele einfache Maßnahmen, die dem Stress entgegenwirken. Lassen Sie das Digital Detox einfach in die regulären Abläufe in Ihrem Unternehmen einfließen ...

  • Sie können den Zugriff auf arbeitsrelevante E-Mails nach Feierabend sperren, indem Sie zum Beispiel den Zugang zu den E-Mail-Servern nachts abstellen.
  • Machen Sie das Digital Detox zur Chefsache, um ein Zeichen zu setzen.
  • Führen Sie Kontrollmechanismen ein und verbieten Sie im Urlaub, am Wochenende oder an Feiertagen den E-Mail-Verkehr.

Sie sollten mit gutem Beispiel vorangehen. Ziehen Sie Ihren Digital Detox im eigenen Urlaub durch, egal wie hart der Verzicht auf die ständige Erreichbarkeit wird. Ihre Erholung sollten Sie sich nicht von einem ständig vibrierenden Smartphone unterbrechen lassen.

Und ja, es ist schwer, am Wochenende oder im Urlaub E-Mails und Nachrichten nicht zu lesen. Sie stehen damit nicht alleine da, die "Welt" hat 509 Berufstätige befragt, wie es in den Sommerferien mit der Erreichbarkeit steht …

  • 76 Prozent der Befragten gaben an, erreichbar zu sein,
  • 61 Prozent davon per Telefon und
  • 54 Prozent per E-Mail.

Ausschalten und Abschalten: Wie die Profis richtige Pausen einlegen

Ein Beispiel für eine gekonnte Strategie gegen Digital Detox gefällig? Bei der Thomas Krenn AG auf dem bayrischen Freyun läuft die Entgiftung eiskalt: Von 19 Uhr bis sechs Uhr morgens können die Mitarbeiter des Technologie-Unternehmens nicht auf Ihre E-Mails zugreifen, berichtet die "Welt" ...

  • Am wohlverdienten Wochenende oder während eines Feiertages ist der Zugang zu arbeitsrelevanten Nachrichten ebenfalls gesperrt.
  • Zusätzlich kann niemand während seines Urlaubes auf die arbeitsinternen E-Mails zugreifen.

Weiterführende Links:

  • Schlaff, müde und völlig ausgebrannt: Mehr Informationen zum Burn-out Syndrom finden Sie beim Gesundheitsmagazin "Apotheken Umschau".
  • Ständige Erreichbarkeit hat auch die Politik als Problem ausgemacht. Arbeitsministerin Andrea Nahles will zum Beispiel das Arbeitsrecht um eine Anti-Stress-Verordnung erweitern, berichtet die "Zeit".
  • Das Smartphone ist  ein richtiger Produktivitätskiller, wie unser Ratgeber Meeting-Wahn: Wie Führungskräfte ihre Zeit vergeuden anschaulich zeigt. Vielleicht sollten Sie das Gerät ab und zu zur Seite legen?