Was unterscheidet digitale Führung von herkömmlichen Führungsstilen?

Die digitale Transformation sorgt dafür, dass sich die Arbeitswelt rasant verändert. Innovative Technologien eröffnen neue Aufgabenfelder. Und auch die Art, wie wir arbeiten, bleibt von der Digitalisierung nicht unberührt. All dies spiegelt sich in digitaler Führung wider. Digital Leader begleiten und organisieren diesen Transformationsprozess in Unternehmen und sorgen dafür, dass ein Bewusstsein für den Wandel entsteht.

Wie bei allen Führungsaufgaben dreht es sich auch bei der digitalen Führung darum, Dinge voranzutreiben und Entscheidungen zu treffen – alles mit Fokus auf den digitalen Wandel. Dennoch unterscheidet sich Digital Leadership in einigen Aspekten maßgeblich von herkömmlicher Führung. Klassische Hierarchiestrukturen verlieren dabei an Bedeutung. Digitale Führung ist in erster Linie partizipierend. Statt auf Wissensmonopole von Führungskräften setzt digitale Führung auf kollektives Know-how. Moderne Führungskräfte sind viel stärker mit ihren Mitarbeitern vernetzt. Ausgeprägte Soft Skills sind deshalb elementar, um ein Unternehmen erfolgreich in das digitale Zeitalter zu führen.

Bei Digital Leadership sind Führungskräfte enger mit dem Team vernetzt. (© 2017 Pressmaster/Shutterstock)

Was macht digitale Führung aus?

Entscheidend für zeitgemäßes Leadership ist einerseits, dass Führungskräfte den digitalen Wandel selbst leben. Innovationsgeist, Begeisterung für neue Technologien und Aufgeschlossenheit für neue Tools sind unerlässlich. Auf der anderen Seite stehen auch bei Digital Leadership klassische Führungstugenden: Haltung zeigen, Verantwortung für das eigene Handeln übernehmen, Vorbildfunktion und Empathie. Diese Merkmale und Kompetenzen zeichnen digitale Führung aus:

  • Offenheit für digitalen Wandel: Führungskräfte müssen der Transformation selbst aufgeschlossen gegenüberstehen, um den Wandel des Unternehmens aktiv gestalten zu können.
  • Flexibilität: Die digitale Transformation sorgt für tiefgreifende Umbrüche, nicht selten in rasantem Tempo. Dementsprechend flexibel muss die Führung sein, um sich schnell auf veränderte Situationen einzustellen.
  • Aktives Teambuilding statt starrer Strukturen: Um den sich ständig wandelnden Anforderungen gerecht zu werden, benötigen Sie Experten. Die gilt es auszumachen und ins Team zu holen. Digitale Führungskräfte müssen nicht alles wissen, aber Sie müssen dafür sorgen, dass das nötige Know-how verfügbar ist.
  • Kollektives Wissen statt Wissensmonopole: Eng damit verbunden ist die Vermittlung von Wissen – nicht nur des eigenen, sondern auch das Ihrer Experten an das gesamte Team.
  • Diversity: Zeitgemäße Führung bedeutet auch, unterschiedliche Werte und Arbeitsweisen zuzulassen. Das fördert Innovation. Selbst wenn Sie keine multinationale Belegschaft haben, müssen Sie in den meisten Fällen Interessen von mehreren Generationen unter einen Hut bringen. Dies muss koordiniert werden, damit der Wandel nicht im Chaos mündet.

Digitale Führungskräfte identifizieren

Da bei Digital Leadership hierarchische Strukturen aufgebrochen werden und vor allem Soft Skills gefragt sind, sind etablierte Führungskräfte nicht zwingend auch gute Digital Leader. Vielen fällt es schwer, aus gewohnten hierarchischen Denkmustern auszubrechen, Kontrolle abzugeben und weniger Einfluss auf die einzelnen Hierarchieebenen nehmen zu können. In der Praxis hat sich gezeigt, dass Unternehmen, die die Position eines Chief Digital Officers (CDO) eingeführt haben, den digitalen Wandel am erfolgreichsten meistern.

Digitale Führungskräfte sollten das Bewusstsein für die Transformationen fördern und dabei Vorreiter im Unternehmen identifizieren. Diese Vorreiter können zu Vorbildern für das gesamte Team werden, indem sie beispielsweise neue Tools erfolgreich einsetzen.

Erste Schritte zu digitaler Führung in der Praxis

Soweit die Theorie – doch wie soll das in der Praxis aussehen? Mit diesen sechs Schritten kommen Sie auf Kurs in Sachen Digital Leadership:

  • Bewusstsein für Digitalisierung schaffen: Ihre Führungskräfte müssen sich mit dem Thema Digitalisierung vertraut machen – im Allgemeinen und vor allem auch im Unternehmenskontext.
  • Strategie und Ziele bestimmen: Auch digitale Führung kommt nicht ohne klare Ziele und eine Strategie aus. Hier sollten Sie auch Ihre Mitarbeiter einbeziehen – Stichwort: Vorreiter.
  • Rahmenbedingungen festlegen: Um den Wandel voranzutreiben, müssen der digitalen Führung bestimmte Befugnisse und Entscheidungskompetenzen eingeräumt werden.
  • Wissen ausbauen und weitergeben: Digitale Führungskräfte können den Wandel nicht allein stemmen. Wichtig ist, dass sie operativ mitarbeiten und dabei ihr Wissen weitergeben und ein Bewusstsein für den digitalen Wandel schaffen. Workshops zu relevanten Themen und Tools helfen, eine digitale Unternehmenskultur zu schaffen.
  • Vorbilder schaffen: Zeigen Sie Ihren Mitarbeitern, dass Sie die Transformation leben, damit sie mitziehen. Diese Aufgabe muss nicht ausschließlich auf den Schultern von Führungskräften lasten. Hier kommen wieder die Vorreiter ins Spiel
  • Pioniergeist verbreiten: Vor einschneidenden Veränderungen standen häufig Fehler. Das ist beim digitalen Wandel nicht anders. Etablieren Sie eine Unternehmenskultur, in der Neues ausprobiert werden kann und Fehler zugelassen werden, um daraus zu lernen.
Pioniergeist gehört zur Grundausstattung beim Digital Leadership. (© 2017 Uber Images/Shutterstock)

Checkliste: So gelingt Digital Leadership

  • Digitalen Wandel aktiv vorleben
  • Klare Ziele und Strategie definieren
  • Etablierte Strukturen aufbrechen
  • Vorbilder für den Wandel etablieren
  • Wissen kollektiv verfügbar machen
  • Mitarbeiter einbeziehen und den Kontakt zur Basis nicht verlieren
  • Diversity pflegen
  • Fehler zulassen, um daraus zu lernen