Herr von Borcke, wie weit sind ihrer Erfahrung nach kleine und mittelständische Unternehmen bereit, das Internet für ihr Geschäftsmodell zu nutzen?

Von Borcke: Aus Befragungen wissen wir, dass etwa drei Viertel aller Mittelständler sich der Bedeutung der Digitalisierung durchaus bewusst sind. Bei der Hälfte von ihnen ist sie bereits mehr oder weniger Teil ihrer Strategie. Wirklich aktiv sind aber nur knapp 30 Prozent. Alle anderen warten eher ab, was der Wettbewerb macht. Das Thema Digitalisierung ist im Mittelstand präsent, aber bei der Umsetzung hakt es noch!

Was passiert mit den Firmen, die zögern oder den Wandel nicht meistern?

Hoffmeister: Ohne den digitalen Wandel halten sich traditionelle Unternehmen mit ihren Geschäftsmodellen noch genau so lange, wie es traditionelle Kunden gibt. Man denke nur an die Umbrüche in der Medienbranche!

Was raten Sie: Wie sollten Unternehmen am besten vorgehen?

Hoffmeister: Jetzt gilt es, nicht in Panik zu verfallen. Angst ist kein guter Berater. Vielmehr brauchen Unternehmen einen langen Atem, um sich wirklich zu wandeln. Vorreiter wie die Automobilbranche öffnen sich dem Thema Digitalisierung, weil sie sich in ihrem Kerngeschäft nicht bedroht fühlen. Es gibt übrigens keine Standardlösung, die für alle gilt. Aber insgesamt kann man sehr wohl feststellen: Die Fähigkeit und Potenziale jedes einzelnen Mittelständlers lassen sich durch die Digitalisierung deutlich besser nutzen.

Von Borcke: Ja, und was viele nicht wissen: Durch die Digitalisierung wird schon der Zugang zu neuen Geschäftsmodellen einfacher. Unternehmen können sich durch die Kooperation weltweit Kompetenzpartner über Plattformen suchen und über die Zeit ganz neue Geschäftsfelder erschließen.

Digitalprediger: In ihrem Buch „Think new! 22 Erfolgsstrategien im digitalen Business“ beschreiben Yorck von Borcke (l.) und Christian Hoffmeister (r.), wie Apple, Google und Facebook erfolgreich geworden sind. Digitalprediger: In ihrem Buch „Think new! 22 Erfolgsstrategien im digitalen Business“ beschreiben Yorck von Borcke (l.) und Christian Hoffmeister (r.), wie Apple, Google und Facebook erfolgreich geworden sind. (© 2015 Eva Haeberle)

Wo stehen Unternehmen in Deutschland im internationalen Vergleich?

Von Borcke: Deutschland und Europa hinken beim digitalen Wandel hinterher. US-Unternehmen wie Apple oder Google sind viel weiter, weil sie strategisch längerfristig denken. Google investiert in ein Weltraumprogramm! Apple tüftelt an einem selbst fahrenden Auto.

Hoffmeister: Hier spielen auch Finanzierungsmöglichkeiten eine große Rolle. Wichtig ist aber auch der Zugang zum Kapital und die Mentalität, Dinge schneller auszuprobieren. Das ist in den USA einfach anders.

Was müssen Mittelständler beachten?

Von Borcke: Sie müssen vor allem einen langen Atem haben. Eine erfolgreiche Strategie braucht zehn bis 20 Jahre. Und bei ihrer „Zielgruppe“ nicht mehr in erster Linie an Menschen denken, sondern zuerst an die Anwendungen. Das können zum Beispiel so etwas wie Sensoren im Kühlschrank sein!

Hoffmeister: Und wichtig gerade für Unternehmen in Deutschland: Scheitern gehört dazu! Unternehmen sollten sich aber immer in einem gewissen Zielkorridor bewegen und nicht heute dies und morgen das angehen! Das funktioniert nicht.

Christian Hoffmeister ist geschäftsführender Gesellschafter der DCI Institute GmbH, Schwerpunkt seiner Tätigkeit ist die Beratung und Unterstützung von Unternehmen, die von Geschäftsmodell- und Technologie-Disruptionen betroffen sind. Christian Hoffmeister ist geschäftsführender Gesellschafter der DCI Institute GmbH, Schwerpunkt seiner Tätigkeit ist die Beratung und Unterstützung von Unternehmen, die von Geschäftsmodell- und Technologie-Disruptionen betroffen sind. (© 2015 Eva Haeberle)
Yorck von Borcke ist Professor für Medienmanagement und leitet den Bachelor Studiengang Medienmanagement sowie das Masterprogramm Medienmanagement & Entrepreneurship an der Hochschule Fresenius in Hamburg. Yorck von Borcke ist Professor für Medienmanagement und leitet den Bachelor Studiengang Medienmanagement sowie das Masterprogramm Medienmanagement & Entrepreneurship an der Hochschule Fresenius in Hamburg. (© 2015 Eva Haeberle)

 

 

 

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