Kapitel 2: Wechsle Deine Perspektive!
Nur wer das Bekannte 
mit neuen Augen sieht, ist in der Lage, es zu verbessern.

Wer seine Perspektive ändert, sieht die Dinge in einem ganz anderen Licht. Vorausschauende und erfolgreiche Unternehmer hinterfragen damit ihre eigenen Geschäftsmodelle, Prozesse und Produkte selbst, bevor andere es tun und in ihr Geschäftsfeld eindringen. Durch den Perspektivenwechsel erkennen sie Schwachstellen, aber auch neue Möglichkeiten und Chancen, und sind in der Lage, Verbesserungen vorzunehmen oder neue Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln. „Heute sind die meisten Märkte verteilt, oft sogar gesättigt“, erklärt Digotalisierungsexperte Frank Deburba, Geschäftsführer der Infront Consulting in Hamburg. „Ein strukturierter Perspektivenwechsel kann das Spielfeld in Richtung neuer Geschäftsmodelle mit neuen Erlösquellen erweitern und somit ganz neue Möglichkeiten eröffnen“, sagt er.

Hilfreich ist, die Sicht der Kunden einzunehmen und deren Bedürfnisse und Wünsche in den Mittelpunkt zu stellen. Oder aber, wie es Torsten Oestergaard, Chef des Columbus Verlag Paul Oestergaard GmbH in Krauchenwies, seit Jahren erfolgreich praktiziert, die Kundenbedürfnisse und -wünsche zu antizipieren. Mit seinem Blick weit über den Tellerrand hinaus gelang es ihm, sein analoges Produkt, den Globus, mit der digitalen Welt zu verknüpfen. Mit seinen Innovationen behauptet er immer wieder seine Marktführerschaft und überrascht die Kunden im Zeitalter von Google Maps mit innovativen Ideen.

Andere Unternehmen verlagern ihr Geschäft ins Internet, weil sich dort die Kunden tummeln. Sie verbinden ihr Ladengeschäft mit dem Webshop oder erweitern ihren Webshop mit einem echten Ladengeschäft vor Ort. Das funktioniert, wenn Kunden das finden, was sie brauchen.

Torsten Oestergaard Torsten Oestergaard (© 2016 Jan Gruene) - jan Greune

"Meine Aufgabe als Unternehmer sehe ich darin, die Kunden für Entwicklungen zu begeistern, die sie noch gar nicht kennen."

Wenn meine Mitarbeiter über meine Ideen lachen, weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Ich denke gern weit voraus und mache dabei einen Perspektivenwechsel, das heißt, ich versetze mich in die Rolle des Kunden. Mit dieser Denkweise bin ich zum Marktführer geworden – und so werde ich es auch in Zukunft halten.

Umfrageergebnisse, was die Kunden heute wollen, sind für mich aber eher ein Blick in den Rückspiegel. Meine Aufgabe als Unternehmer sehe ich darin, die Kunden für Entwicklungen zu begeistern, die sie noch gar nicht kennen. Denn nur, wenn wir uns immer wieder neu erfinden, sichern wir unsere Marktführerschaft.

Dazu brauche ich in meinem Familienunternehmen natürlich den Rückhalt meiner Frau und meines Sohnes. Mein Sohn ist inzwischen meine rechte Hand: Er ist jetzt 21 Jahre alt und hat unser Tochterunternehmen Columbus Digital unter seinen Fittichen. Er kümmert sich um die technischen Entwicklungen und Umsetzungen.

Aus Kundensicht denken

Ich schaue mir unser Produkt immer aus Kundensicht an: Welche Bedeutung hat der Globus heute, wo es doch Google Maps mit Satellitenfotos gibt? Der Vorteil: Der Globus bietet einen blitzschnellen Zwei-Sekunden-Überblick über die Welt im richtigen Größenverhältnis. Das kann keine elektronische Landkarte leisten.

Dann überlege ich mir, wie ich den Spagat von unserem analogen Produkt in die digitale Welt schaffen kann und welchen Mehrwert die Kunden in Zukunft wünschen könnten. Auf diese Weise sind schon der „sprechende Globus“ mit dem Audio-stift entstanden und unsere 4-D-App. Damit kann man Wetterdaten und andere Infos der Metropolen weltweit in einer – wie wir es nennen – vierten Dimension wie auf dem Holodeck vom Raumschiff Enterprise oberhalb der Globuskugel schweben lassen. Da geraten unsere Kunden regelrecht aus dem Häuschen, wenn sie das sehen.

In der App ist ein Länderlexikon eingebunden, das spannende Informationen zu allen Ländern präsentiert. Dazu kooperiere ich mit den Fremdenverkehrsämtern, und wir verlinken deren Filme auf YouTube. Wer ein eigenes YouTube-Konto hat, kann seine Urlaubsfilme einbinden. Die Kunden erhalten so ihren individuellen Globus.

Zum Perspektivenwechsel gehört für mich auch, bestehende Vertriebswege infrage zu stellen und neue zu erschließen. Ich bin dabei, Kooperationen mit dem gehobenen Möbelhandel abzuschließen. Dort wollen wir den Globus als Teil des hochwertigen Interieurs platzieren.

Über die Columbus Verlag Paul Oestergaard GmbH

  • Gründung & Sitz
: 1909, Krauchenwies
  • Geschäftsführer: 
Torsten Oestergaard
  • Mitarbeiter
: rund 60

Weiterführende Links zum Thema

Sei Mutig: Wie Unternehmerin Nina Hugendubel den digitalen Wandel vorantreibt

Geh du voran: Frank Göring, Chef von Villeroy und Boch, über die Rolle der Manager beim Wandel

Webseite Columbus Verlag Paul Oestergaard GmbH

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