In keinem Bundesland sitzen so viele Weltmarktführer wie in Baden-Württemberg. Gut 1.300 hat der Unternehmensberater Hermann Simon erfasst; 45 Prozent davon auf dem Land. Besonders fruchtbar für überzeugende Innovationen ist der Boden in Stuttgart und um Stuttgart herum: Mehr als ein Viertel der baden-württembergischen Unternehmen hat sich hier angesiedelt. Die Region ist ein Hochtechnologiestandort und nicht nur eines der Zentren für den Automobilbau und seiner Zulieferer. Auch die Luftfahrtindustrie, Maschinenbauer, Automatisierungsspezialisten und Versicherungsexperten fühlen sich hier heimisch. Seit Jahren hält Stuttgart einen Spitzenplatz in der Patentindustrie.

Gemeinsames Engagement für den Glasfaserausbau: Dirk Wössner, Vorstand der Deutschen Telekom, Walter Rogg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart, Katrin Schütz, Staatssekretärin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg, und Roland Bernhard, Landrat Landkreis Böblingen (v.l.). (© 2018 Telekom)

Mit Partnerschaft schneller zur Glasfaser

Damit das so bleibt, forciert die Region gemeinsam mit der Telekom jetzt den Breitbandausbau: Bis 2025 sollen alle Industrie- Dienstleistungsunternehmen und das Gewerbe sowie die Hälfte aller Haushalte Glasfaser bis ins Büro und Werkshalle oder in die Wohnung erhalten. 2030, so erklärten die Vertreter der Region und des Telekommunikationskonzerns bei der Unterzeichnung der Absichtserklärung in Stuttgart, können neun von zehn Haushalte auf das schnelle Glasfasernetz zugreifen. Neben der Landeshauptstadt profitieren vom Partnerschaftsmodell die fünf umliegenden Landkreise Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr – und damit 179 Städte und Gemeinden mit knapp 1,4 Millionen Haushalten und 140.000 Unternehmen.

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Digitaler Vorsprung mit Hochgeschwindigkeitsnetz

„Das schnelle Internet ist die Lebensader der Digitalisierung“, erklärte der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl. Deshalb habe man den Breitbandausbau zu einem der Schwerpunkte der Regierungsarbeit gemacht. Sein Land wolle sich zur digitalen Leitregion entwickeln und nehme für die Gigabit-Offensive ordentlich Geld in die Hand. Das zahlt sich aus: Bereits jetzt hat die baden-württembergische gewerbliche Wirtschaft im bundesdeutschen Vergleich einen leichten Vorsprung in Sachen digitaler Transformation, hat der Wirtschaftsindex DIGITAL 2017 herausgefunden. Gut ein Viertel der gewerblichen Unternehmen im Südwesten sind bereits hoch digitalisiert.

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Gemeinsamen Draht gefunden: Walter Rogg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart, und Dirk Wössner, Vorstand der Deutschen Telekom (v.l.). Gemeinsamen Draht gefunden: Walter Rogg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart, und Dirk Wössner, Vorstand der Deutschen Telekom (v.l.). (© 2018 Telekom)

Region mit digitaler Strahlkraft

Glasfaserinitiative „Vollgas für Vollglas“

Bis 2022 will die Telekom 3.000 Gewerbegebiete in ganz Deutschland an ihr Hochgeschwindigkeitsnetz anschließen und gibt „Vollgas für Vollglas“.

Was die Unternehmen erwartet:

  • Schnelles Netz mit bis zu 1 GBit/s im Up- und Download
  • Durchgehende Glasfaserinfrastruktur bis ins Unternehmen
  • Bandbreiten nach Wahl – verschiedene Startangebote inklusive kompletter Verkabelung
  • Interne Verkabelung auf Ethernet-/IP-Basis

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Dirk Wössner, Vorstand Deutsche Telekom und zuständig für das Deutschlandgeschäft, versprach, dass sich sein Unternehmen ins Zeug legen wolle, „um die Region zu einem digitalen Leuchtturm zu machen.“ Sein Konzern sehe sich als „Digitalisierungspartner der Republik“ in der Pflicht. In der Region Stuttgart plane, baue und betreibe die Telekom das Glasfasernetz „für knapp drei Millionen Menschen, die in der Metropolregion arbeiten und leben. Es geht um diese Menschen. Deshalb werden wir unser Glasfasernetz für Dritte zu fairen und marktwirtschaftlichen Preisen öffnen.“ Die Telekom investiert in und um Stuttgart bis zu 1,1 Milliarden Euro in den Festnetzbereich, die Region Stuttgart stellt für den privatwirtschaftlichen Glasfaserausbau Leistungen im Wert von rund 500 Millionen Euro zur Verfügung. Zusätzlich will die Telekom auch die Mobilfunkversorgung deutlich verbessern und so die LTE-Abdeckung auf 98 Prozent erhöhen. Dafür baut der Konzern auch neue Mobilfunkstandorte auf. Der Raum Stuttgart soll zudem zu den ersten deutschen Regionen zählen, die ein 5G-Netz erhalten. Der neue Kommunikationsstandard ist zum Beispiel die Basis für viele Smart-City-Anwendungen.

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Der Bandbreitenhunger wächst

„Mit unserer Zusammenarbeit schaffen wir die strukturellen Voraussetzungen für die digitalen Services der Zukunft“, sagte Dr. Walter Rogg, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart. Man habe sich für die Telekom entschieden, weil sie in hohem Maße auf bereits vorhandene Glasfaser zurückgreifen könne, was den Ausbau beschleunige und die Kosten senke. Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn freute sich bei der Pressekonferenz, „dass wir nun im Verbund mit den Landkreisen, der Region und der Privatwirtschaft diese Digitalisierungsoffensive starten können.“ Großunternehmen, Kreativwirtschaft und der Mittelstand, aber auch die Schulen benötigten hohe Internetbandbreiten. „Die Anforderungen werden künftig ganz sicher weiter steigen.“ Gut, dass man sich nun gemeinsam wappne. Die Vertragsunterzeichnung findet Ende des Jahres statt. Je nach Witterung sollen im Frühjahr 2019 die Ausbauarbeiten beginnen.

Die Telekom engagiert sich in Sachen Glasfaser aber nicht nur im Südwesten: Noch in diesem Jahr knackt sie mit dem Glasfasernetz die 500.000 Kilometer-Marke. Bis Ende 2019 kann sie 80 Prozent der Haushalte mindestens 50 MBit/s anbieten.