Dokumente übersetzen: Gut Ding will Weile haben

Wollen Sie geschäftliche Dokumente übersetzen, so gilt es gründlich vorzugehen – schließlich könnten sogar kleine Fehler in Verträgen zu einem handfesten Rechtsstreit führen. Deshalb sollten Sie genügend Zeit für eine Übersetzung einplanen. Während die bei gängigen Fremdsprachen wie Englisch, Französisch oder Spanisch relativ zügig geht, kann es bei Japanisch, Russisch oder Swaheli schon länger dauern. Kalkulieren Sie daher mindestens zwei Wochen Zeit für das Übersetzen eines Dokuments ein – natürlich abhängig von Umfang und Komplexität des Inhalts.

Dafür gibt’s doch eine App: Online übersetzen lassen

Ganz klar: Am schnellsten und einfachsten funktioniert eine  Übersetzung per Software. Aber leider nicht immer am besten. Seien Sie also vorsichtig beim Einsatz von kostenlosen Übersetzer-Apps, denn die arbeiten nicht immer fehlerfrei. Gleichwohl sind solche Tool durchaus für eine erste, grobe Übersetzung von fremdsprachigen Dokumenten ins Deutsche geeignet. Doch es gibt bessere Möglichkeiten: Professionelle Übersetzungssoftware, wie Systran, SDL Trados oder Promt, kommt in großen Unternehmen zum Einsatz und kostet zirka 400 bis 500 Euro.

Mensch gewinnt gegen Maschine

Doch wenn etwas Anspruchsvolles, wie zum Beispiel ein Vertrag, vorliegt, muss noch immer der menschliche Profi ran. Möchten Sie also wichtige Dokumente übersetzen, so sollten Sie auf einen erfahrenen Übersetzer oder ein Übersetzungsbüro setzen. Vorsicht: Auch der Praktikant, der Französisch in der Schule hatte, genügt da nicht und könnte für Peinlichkeiten gegenüber Ihrem Geschäftspartner sorgen.

Make or Buy-Entscheidung treffen: Interner Übersetzer oder externer Übersetzer?

Es stellt sich damit die Frage: Machen wir es intern oder extern? Die Vor- und Nachteile der Varianten sind im Grunde die gleichen wie bei jeder anderen Make or Buy-Entscheidung: Ein interner Übersetzer – oder gar ein eigenes Übersetzungsbüro – ist zu jeder Zeit verfügbar und langfristig oft auch kostengünstiger. Andererseits ist der Aufbau von einem Übersetzungsbüro mit Kosten und Aufwand verbunden. Ein externer Übersetzer ist hingegen bereits etabliert – von diesem Know-How profitieren Sie. Doch machen Sie sich auch von ihm abhängig. Denn soll er zum Beispiel vertrauliche Dokumente übersetzen, so erhält er praktisch nebenbei sensible Informationen über Ihr Geschäft.

Kann der was? Referenzen einholen

Egal ob internes oder professionelles Übersetzungsbüro: Geht es um knifflige Themen, die Fachwissen erfordern, helfen Fremdsprachenkenntnisse allein nicht weiter. Suchen Sie sich deshalb für inhaltlich anspruchsvolle Dinge, wie einen Vertrag oder technische Unterlagen, Kräfte mit entsprechendem Fachgebiet, das mit Referenzen belegt werden kann.

Sonderfälle: Berufszusatz für Beglaubigungen, Gerichte und Konferenzen prüfen

Möchten Sie Dokumente übersetzen, die über einen Vertrag oder ein Formular hinausgehen, dann gilt es noch mehr zu beachten. Soll beispielsweise eine Urkunde beglaubigt übersetzt werden oder geht es um gerichtliche Aspekte, so muss der Dolmetscher beeidigt sein. Brauchen Sie fremdsprachliche Unterstüzung für Ihre Tagung, so halten Sie nach einem Konferenzdolmetscher Ausschau, der seine Arbeit auch simultan erledigt.

Wer suchet, der findet: Externe Übersetzer engagieren

Doch wo finden Sie nun einen beeidigten Übersetzer für Estnisch mit dem Fachgebiet Pharmazie? Erste Anlaufstelle ist stets der Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ).  Dort finden Sie in der Online-Suche den externen Übersetzer, der zu Ihnen passt. Auch das Hessische Ministerium der Justiz bietet eine bundesweite Doltmetschersuche an. Und mit Lingoking und Co. gibt es auch private Anbieter.

Wie übersetzen? Sprache wählen und Linguistic correctness wahren

„Das Formular 4-03 ins Englische übersetzen.“ – das ist keine ausreichende Arbeitsanweisung für Ihren Übersetzer. So kann sich britisches Englisch vom amerikanischen unterscheiden. Erst recht ist das bei Sprachen wie Indisch oder Chinesisch der Fall, von denen es verschiedenste Dialekte gibt. Deshalb: Definieren Sie das Zielland Ihrer Übersetzung. So vermeiden Sie auch Fettnäpfchen. Stellen Sie sich vor, Sie haben einen griffigen Marketing-Slogan, der wortwörtlich übersetzt im Zielmarkt eine Beleidigung darstellt – das darf nicht passieren.

Planen Sie Ihr Budget

Eine Tarifordnung für die Berufsgruppe der Übersetzer gibt es nicht. Mit einer Ausnahme: der Justizbereich. Dort kostet eine Zeile (55 Anschläge inklusive Leerzeichen) etwa 1,20 Euro bis 1,80 Euro – somit müssten Sie mit einem Seitenpreis von mindestens 50 Euro rechnen. Ausländische Übersetzer rechnen meist nicht nach Zeilen, sondern nach Wörtern ab. Zusätzliche Dienste wie Korrekturen und Formatierungen werden in derb Regel nach Stundensätzen  angeboten. Behalten Sie auch Extrakosten für Anfahrten, Vorbereitungszeiten und Zuschläge (zum Beispiel für besonders eilige Übersetzungen) im Auge.

Eye of the Tiger: Vier-Augen-Prinzip gewährleisten

So wie jeder andere wichtige Text – Vertrag, Formular oder Pressemitteilung  –  sollte auch ein übersetztes Dokument mindestens doppelt lektoriert werden. Deshalb muss neben dem ersten Übersetzer ein weiterer das Dokument prüfen. Übersetzungsbüros bieten dies meist schon im Paketpreis an, bei einer internen Lösung müssen Sie das Vier-Augen-Prinzip selbst sicherstellen. Je nachdem wie Ihre Beziehung zum ausländischen Geschäftspartner ist, können Sie dessen Erst- als Ihren Zweitübersetzer wählen.

Weiterführende Links