Dresscode: Weisungs- contra Persönlichkeitsrecht

Helme sind auf einer Baustelle Pflicht. Und auch Köchen ist in aller Regel eine Kopfbedeckung vorgeschrieben. Grund für den Dresscode in den beiden genannten Branchen: Sicherheits- beziehungsweise Hygienevorschriften, die bereits im Gesetz verankert sind.

Doch auch jenseits von Bau, Küche und strikten gesetzlichen Vorgaben haben Sie als Arbeitgeber grundsätzlich das Recht, Einfluss auf das Erscheinungsbild und die Arbeitskleidung Ihrer Angestellten zu nehmen. Dabei ist die Frage, inwieweit Sie Ihren Mitarbeitern diesbezüglich Vorschriften machen können, ein Balanceakt zwischen ...

  • Ihrer Weisungsbefugnis und
  • den Persönlichkeitsrechten Ihrer Belegschaft.

So können Sie beispielsweise im Rahmen Ihrer Weisungsbefugnis von Ihrem Team auch modisch ein seriöses Auftreten verlangen – gerade wenn regelmäßig Kundenkontakt besteht. Bunte Krawatten mit Comic-Motiven sind da eher unangemessen.

"Dem Chef geht es meist um ein seriöses Auftreten gegenüber der Kundschaft. Der Mitarbeiter soll das Unternehmen angemessen repräsentieren",  fasst Rechtsanwalt Martin Pröpper die Motivation vieler Vorgesetzter für einen Dresscode im Gespräch mit "Focus Online" zusammen.

Auf der anderen Seite sollten Sie dabei aber auch nicht die Persönlichkeitsrechte Ihrer Belegschaft aus den Augen verlieren. Das heißt konkret: Unterdrücken Sie den individuellen Geschmack Ihrer Mitarbeiter nicht komplett zugunsten einer fest vorgeschriebenen Kleiderordnung.

Arbeitskleidung: Der Einzelfall entscheidet

So weit, so schwammig. Bedauerlicherweise gibt es aber nur für wenige Berufsstände klar vorgegebene Regeln und Richtlinien. Die sind nämlich nur da vorhanden, wo Uniformen getragen werden – wie zum Beispiel bei der Feuerwehr, der Polizei oder in der Luftfahrt. In den meisten anderen Fällen ist dagegen gesunder Menschenverstand und Fingerspitzengefühl gefragt.

Letzteres ließ vor einiger Zeit die Schweizer Großbank UBS vermissen: Mit einem 44-seitigen Stilcode schoss das Unternehmen weit über das Ziel hinaus und lieferte ein Paradebeispiel dafür ab, wie das mit dem Dresscode nicht funktioniert. Darin forderte das Unternehmen von seinen Mitarbeitern nämlich unter anderem, dass ...

  • ... Frauen nur hautfarbene Unterwäsche und Seidenstrümpfe und Männer schwarze, musterfreie Socken und schwarze Schnürschuhe mit Ledersohle tragen.
  • ... Parfüm nur morgens direkt nach einer heißen Dusche aufgetragen wird, "solange die Hautporen noch offen sind".
  • ... die Haarpracht mindestens alle vier Wochen vom Friseur gebändigt wird.
  • ... auf das Färben grundsätzlich verzichtet wird, da alles andere als die natürliche Haarfarbe "wenig überzeugend" auf Kunden wirke.

Dadurch sahen sich die Mitarbeiter in ihrem Persönlichkeitsrecht beschnitten und gingen vor Gericht, wo ihrem Einspruch stattgegeben wurde. Die UBS reagierte dementsprechend und kürzte die Vorschriften für die Arbeitskleidung aufs Wesentliche. Seitdem sind in den Filialen der Schweizer Bank ...

  • ein dunkler Anzug, ein weißes Hemd und eine rote Krawatte für die Herren,
  • eine weiße Bluse und ein rotes Tuch für die Damen sowie
  • schwarze Schuhe für alle UBS-Mitarbeiter vorgeschrieben.

Dabei ist ein Dresscode für die Unterwäsche auf der anderen Seite nicht unbedingt ungewöhnlich. Das gilt vor allem dann, wenn helle Arbeitskleidung getragen wird oder Sie als Arbeitgeber Dienstkleidung ausgeben. In diesen Fällen wäre beispielsweise das Durchscheinen farbiger Dessous unangemessen.

Sie sehen also: Im Hinblick auf einen Dresscode ist der Einzelfall entscheidend.

Praktische Tipps für Dresscode & Arbeitskleidung

Auch wenn also kein klares Regelwerk besteht, was den Dresscode bei der Arbeit betrifft, gibt es durchaus Orientierungspunkte. So gilt im Hinblick auf ...

  • Unterwäsche: Anstößige Reizwäsche, die herausschaut, oder sich deutlich abzeichnende Strapse sind grundsätzlich Tabu – außer wenn in der Branche aufreizende Berufskleidung zum Standard gehört.
  • Schmuck: Alles ist erlaubt, was Ihre Mitarbeiter nicht behindert oder gefährdet und für die ausgeübte Tätigkeit angemessen ist.
  • Piercings:  Sind in einem angemessenen Rahmen durchaus erlaubt. Aber auch hier ist Fingerspitzengefühl angesagt – auf Seiten Ihrer Mitarbeiter.
  • Hemden und Blusen: Grundsätzlich können Ihre Mitarbeiter selbst entscheiden, womit Sie Ihren Oberkörper bedecken. Dabei gilt aber auch hier der gesunde Menschenverstand als Maßgabe. Ein bunter Farbmix und wilde Muster sind für Angestellte mit Kundenkontakt eher weniger geeignet und können untersagt werden.
  • Anzüge und Kostüme: Auch hier gilt das gleiche wie bei Hemden und Blusen. Allerdings endet die Entscheidungsfreiheit Ihrer Mitarbeiter, wenn offizielle Dienstkleidung vorgeschrieben ist.

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