Nicht so einfach: Entschlossenheit im Beruf

"Manager haben Angst vor Entscheidungen" – das titelte unlängst das Handelsblatt und machte damit auf ein besonderes Paradox aufmerksam: In Zeiten des Internets rufen Führungskräfte immer mehr Informationen ab, leichter fällt ihnen die Entscheidungsfindung dadurch allerdings nicht. Im Gegenteil. Viele sind von der schieren Datenmenge und der Unübersichtlichkeit der globalisierten Wirtschaftswelt überfordert. Das bestätigt auch eine Studie des Personaldienstleisters Hays. Demnach betrachtet jeder zweite Manager den Umgang mit steigender Komplexität im Führungsbereich als seine größte Herausforderung.

Zum Glück gibt es Methoden, die die Entscheidungsfindung unterstützen. Einige stellen wir hier vor.

Die Entscheidungsmatrix

Sie haben mehrere Optionen zur Auswahl und wissen nicht, welche die richtige ist? Die Entscheidungsmatrix hilft weiter! Sie zeigt Ihnen, welche Möglichkeit Ihrem Nutzen am meisten dient. Nehmen wir an, Sie wollen drei Geschäftsmodelle miteinander vergleichen ...

  • Legen Sie zuerst die Kriterien fest, die für die Entscheidungsfindung ausschlaggebend sind. Formulieren Sie diese nach dem Je-mehr-desto-besser-Prinzip. Simples Beispiel: Je mehr Gewinn, desto besser. Mögliche wichtige Faktoren können neben Gewinn auch Investitionssicherheit oder Wachstumsraten sein.
  • Anschließend bewerten Sie die einzelnen Aspekte mit Punkten von 1 bis 10. Ein Punkt bedeutet, dass das Geschäftsmodell dieses Kriterium gar nicht erfüllt. Zehn Punkte vergeben Sie im anderen Extremfall.
  • Am Ende summieren Sie alle Punkte. Das Geschäftsmodell mit der höchsten Summe ist die beste Alternative.

Was, wenn nicht jedes Kriterium gleich wichtig ist? Dann sollten Sie die einzelnen Punkte prozentual unterschiedlich gewichten. Wie das genau funktioniert, erklärt das Portal 4Managers.

Der große Vorteil der Entscheidungsmatrix: Sie lässt sich für viele Felder anwenden. Zum Beispiel, wenn Sie Unternehmensstandorte miteinander vergleichen. Oder, wenn Recruiter den optimalen Jobkandidaten auswählen.

Entscheidungsfindung leicht gemacht mit der Szenario-Analyse

Diese Methode will Zukunftsszenarien verlässlich vorhersagen. Das ist für die Analyse künftiger Geschäftsfelder relevant. Nehmen wir an, Sie möchten die Lebensmittelbranche in 20 Jahren skizzieren.  Dann ...

  • ... analysieren Sie zunächst den Ist-Zustand. Wer sind die Player auf dem Markt? Welche Produkte erzielen am meisten Umsatz und Gewinn?
  • ... führen Sie anschließend eine Umfeldanalyse zu gesellschaftlichen, ökonomischen und technologischen Entwicklungen durch. Werden die Konsumenten gentechnisch veränderte Lebensmittel künftig ablehnen oder akzeptieren? Wie wird sich die Kaufkraft entwickeln? Gibt es neue Technologien, die Lebensmittel noch länger haltbar machen?
  • ... leiten Sie daraus mehrere Szenarien ab. Zum Beispiel eine gen-technisch oder regional-biologische dominierte Lebensmittelbranche.
  • ... prüfen Sie, ob Ihr Unternehmen für das wahrscheinlichste Szenario gerüstet ist. Passen Sie – falls notwendig – ihr Produktportfolio an oder bereiten Sie Ihre Mitarbeiter mit Schulungen auf die Zukunft vor.

Nicht vernachlässigen: Das gute alte Bauchgefühl

"Niemand kann vorhersagen, ob eine Entscheidung tatsächlich hundertprozentig richtig ist – aber das Bauchgefühl kann helfen, die Trefferquote zu erhöhen", erklärt Managementtrainer Jürgen Wunderlich im Gespräch mit Jobware. Hinzu kommt: Im Geschäftsalltag bleibt nicht immer genügend Zeit, um alle Einflussfaktoren detailliert abzuwägen. Entscheidungen müssen oft schnell getroffen werden. Gut, wer in solchen Situationen auf sein Bauchgefühl vertraut.

Warum das hilft? Weil Sie als Chef schon einige Herausforderungen erfolgreich gestemmt haben. Ihr Unterbewusstsein hat all die Erfahrungen und Eindrücke aus der Vergangenheit abgespeichert und führt Sie wie ein unsichtbarer Leitwolf. Daher können Sie viele Entscheidungen getrost intuitiv treffen. Das gilt besonders für Situationen mit vielen unbekannten Variablen.

Entscheidungsfindung: Rat einholen

Kein Chef büßt an Glaubwürdigkeit oder Autorität ein, wenn er Kollegen oder Mitarbeiter um Rat bittet. Im Gegenteil: Wenn Sie eine zweite Meinung einholen, werden Sie mit neuen Gedanken und Ansätzen versorgt. Gut so! Es ist ratsam, ...

  • ... fachlich kompetente Mitarbeiter zu befragen.
  • ... Gesprächspartner früh genug zu informieren, damit die sich rechtzeitig Gedanken über das Thema machen.
  • ... keine Suggestivfragen zu stellen. So erhalten Sie eine neutrale und ehrliche Einschätzung Ihrer Kollegen.

Entscheidungen richtig kommunizieren

Sind die Würfel gefallen, sollten Sie die Entscheidung auch selbstbewusst vertreten. Rechnen Sie damit, dass Ihr Entschluss in der Belegschaft oder bei Geschäftspartnern auf Gegenwind stößt. Kontern Sie die Einwände mit sachlichen Gegenargumenten und nicht mit emotionalen oder unangebrachten Chefsprüchen. Denn mit Fakten lassen sich Skeptiker am besten überzeugen.

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