IW-Studie: Ingenieursbereich von Fachkräftemangel bedroht

Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) schlägt Alarm: Laut dem Szenariomodell Ingenieurarbeitsmarkt, das für den Verein Deutscher Ingenieure erstellt wurde, gehören Ingenieure in deutschen Betrieben bis 2029  zu einer bedrohten Gattung. In seiner Prognose unterscheidet das Institut zwischen drei verschiedenen Szenarien:

  • Entwickelt sich der Bedarf in der Wirtschaft normal, während das Verhältnis von Studienanfängern und -abbrechern in den Ingenieurswissenschaften gleich bleibt, geht das IW davon aus, dass voraussichtlich 248.000 Ingenieure fehlen werden.
  • Steigt der Bedarf in der Wirtschaft dramatisch, während sich die Zahl der Studienanfänger in den Ingenieurswissenschaften rückläufig entwickelt, geht das IW davon aus, dass voraussichtlich 389.000 Ingenieure fehlen werden.
  • Sinkt der Bedarf in der Wirtschaft aufgrund nachlassender Konjunktur, während mehr Studenten ihr Ingenieursstudium erfolgreich abschließen, geht das IW davon aus, dass voraussichtlich 84.000 Ingenieure fehlen werden.

Doch ganz unabhängig davon, welches der genannten Szenarien wir betrachten: Glauben wir den Prognosen des IW, wird sich der Fachkräftemangel in Deutschland im Ingenieursbereich signifikant verschärfen ...

Zu wenig Fachkräfte: Wieviel hält die deutsche Wirtschaft aus?

Ein Grund den Untergang der deutschen Wirtschaft heraufzubeschwören? Mitnichten. Denn in der Vergangenheit hat sich schon öfter gezeigt, dass die Zukunft betreffende Prognosen zur Entwicklung des Arbeitsmarkts mit Vorsicht zu genießen sind. Das trifft auch und vor allem auf solche zu, die einen möglichen Fachkräftemangel in Deutschland thematisieren.

Ein gutes Beispiel dafür lieferte etwa 2009 das Institut der Deutschen Wirtschaft selbst. Die schwarz-malerische Kernaussage der Prognose zum Fachkräftemangel in MINT-Berufen - also Berufen im Bereich von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - damals: Bis 2015 werden rund 254.000 Fachkräfte fehlen.

Betrachten wir diese Prognose aus heutiger Sicht zeigt sich, dass das IW zwar nicht komplett falsch lag, sich aber ziemlich verschätzt hat. Denn nach Angaben von "Spiegel Online" fehlten 2014 nur 80.000 Fachkräfte in den genannten Gebieten. Gründe für die starken Abweichungen liefert das Nachrichtenmagazin gleich mit:

  • Zum einen unterschätzte das IW den Trend zur akademischen Ausbildung: Laut einer Studie des Stifterverbands vervielfachte sich nämlich die Zahl der Ingenieursabschlüsse in der Zeit zwischen 2008 und 2013 um beinahe 50 Prozent auf 62.000 im Jahr.
  • Zum anderen unterschätzte das IW den Einfluss qualifizierter Fachkräfte aus dem Ausland: Mit einer erhöhten Zuwanderung in den letzten Jahren, kamen auch mehr ausgebildete Fachkräfte aus dem Ausland nach Deutschland. Eine Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt, dass bereits 2012 beinahe die Hälfte der ausländischen Zuwanderer über einen Hochschulabschluss verfügten - einige von ihnen in Disziplinen mit technischem oder naturwissenschaftlichem Bezug.

Fachkräftemangel in Deutschland: Dennoch sorgenfrei in die Zukunft?

Das Beispiel der Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft veranschaulicht, wie schwierig sich genaue Schätzungen im Hinblick auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes gestalten. Wer den Fachkräftemangel in Deutschland deshalb aber als Mythos abtut, ist auf der falschen Fährte.

Kleine und mittelständische Unternehmen auf der Suche nach qualifiziertem Nachwuchs werden ein Lied davon singen können. Denn unabhängig von langfristigen Prognosen zur Entwicklung des deutschen Arbeitsmarkts, ist der Fachkräftemangel in Deutschland längst Teil der Realität, wie etwa die Studie Fachkräftemangel 2014 des Anbieters für HR-Lösungen, ManpowerGroup, zeigt.

Die Befragung von 1.000 deutschen Arbeitgebern zum Fachkräftemangel in Deutschland ergab, dass die Krise noch nicht vorbei ist, sondern ...

  • 40 Prozent der Unternehmen in Deutschland Schwierigkeiten haben, offene Stellen zu besetzen und
  • sich vor allem die Suche nach Facharbeitern, Ingenieuren, Führungskräften und IT-Fachkräften als außerordentlich schwierig erweist.

Möglichkeiten, Fachkräfte für das eigene Unternehmen zu gewinnen

So besteht aufgrund der neuen IW-Studie für Sie als Unternehmer zwar noch lange kein Grund in Panik zu verfallen – sich entspannt zurückzulehnen und die Entwicklung abzuwarten, ist aber auch keine adäquate Reaktion.

Denn gerade für kleine und mittelständische Unternehmen gestaltet es sich oftmals schwierig, gegen die große Konkurrenz zu bestehen und Fachkräfte für das eigene Unternehmen zu gewinnen. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, der Konkurrenz im Kampf um qualifizierte Arbeitskräfte einen Schritt voraus zu sein ...

Hilfreich sind zum Beispiel kluge Personalmarketing-Kampagnen: Durch den Aufbau einer Arbeitgebermarke, die Sie im besten Fall sogar über die sozialen Netzwerke verbreiten, heben Sie sich von anderen Unternehmen ab und haben im Kampf um geeignete Fachkräfte die Nase vorn. Wie das Employer Branding funktioniert, lesen Sie in unserem dazu passenden Ratgeber.

Eine weitere Chance stellt die Rekrutierung von weiblichen Fachkräften dar. Denn eine Studie des Instituts für Mittelstandsführung, in der die Daten von 6.575 kleinen und mittelständischen Unternehmen verschiedener Branchen ausgewertet wurden, ergab: Nur vier Prozent der befragten Unternehmen zielen auf die Rekrutierung von Frauen als neue Mitarbeiter ab.

Dementsprechend lauert hier großes Potenzial, das auch für Ihr Unternehmen von Interesse sein kann. Was weibliche Arbeitnehmer von Ihrem Unternehmen erwarten und wie es aktuell um die Frauenquote im Mittelstand bestellt ist, lesen Sie ebenfalls in einem unserer Ratgeber.

Nicht zuletzt können Sie natürlich auch selbst den qualifizierten Nachwuchs sichern und in Ihrem Unternehmen ausbilden. Welche Voraussetzungen Sie erfüllen müssen, um Ausbildungsbetrieb zu werden, und warum es sich lohnt, ausländische Azubis zu gewinnen, verraten wir ebenfalls in unseren Ratgebern.

Weiterführende Links:

  •  Eine aktuelle Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigt, wie es um den Fachkräftemangel in Deutschland bestellt ist.
  • Über den Mangel an Fachkräften in MINT-Berufen berichtet auch "Die Welt".