Halten Sie den Look flach!

Flat Design ist eine Designrichtung, die mit minimalen gestalterischen Mitteln funktionieren soll. Sie verzichtet prinzipiell auf die visuellen Spielereien, die in der Vergangenheit  weit verbreitet waren wie Schatten, Farbverläufe oder 3D-Effekte. Da ohne diese der Effekt einer Tiefenwahrnehmung ad acta gelegt wird, spricht man vom flachen, also „flat“, Design. Als Mittel zur Abgrenzung und Gewichtung einzelner Elemente dienen stattdessen Schriftgestaltung, Flächenverhältnis, Platzierung, Größe, Farbe und Weißraum. Während sich für einige Onlineshops durch den Anspruch des Minimalismus, des generellen „Weniger ist mehr“, Chancen eröffnen, können daraus für andere Probleme entstehen. Um zu verstehen, an welchen Stellen man sich vom Flat Design lösen sollte, ist es hilfreich sich noch einmal die Bestandteile eines erfolgreichen Onlineshops vor Augen zu führen:

  • Wesentliches soll ins Auge springen. Daher sind grafische oder farbliche Hervorhebungen wie Farbgebung, Grafiken oder Fotos unerlässlich.
  • Das gilt erst recht für effektive Calls to action, die Nutzer gleich wahrnehmen. Sind sie nicht auffällig genug, verfehlen sie ihre Wirkung.
  • Im Onlineshop ist Wiedererkennbarkeit wesentlich für ein erfolgreiches Marketing. Das Design spielt dabei eine entscheidende Rolle. Mit einer einzigartigen visuellen Gestaltung grenzen sich Webanbieter von ihrer Konkurrenz ab.  Die Abgrenzung ist durch ein Flat Design deutlich schwerer herzustellen und stellt gleichzeitig höhere Anforderungen an den Designer.
  • Online Shops, die viele Produkte aus zahlreichen Kategorien anbieten, müssen durch die visuelle Gestaltung ihr vielfältiges Angebot zugänglich machen und die Inhalte für den Nutzer strukturieren.

Einfachheit als Inspiration

Die Grundidee des Flat Designs, Dinge einfach und übersichtlich zu halten, entspricht dem, was gutes Webdesign im Sinne der Usabilty ohnehin leisten sollte:  Klar strukturieren, den Nutzer führen und nicht verwirren, seine Aufmerksamkeit halten und zum Klicken verführen.

Wie durch Flat Design mehr Übersichtlichkeit geschaffen wird? Zum Beispiel durch die Positionierung von Elementen, deren Größe und Farbe. Ein Vorteil der minimalistischen Darstellung sind zudem kürzere Ladezeiten. Außerdem erzwingt Flat Design eine inhaltliche Reduzierung  auf das Wesentliche. Das ist wichtig, denn wer nur die Effekte und nicht die Menge an Contentelementen pro Seite reduziert, verwirrt, langweilt und vergrault den User im schlimmsten Fall. Überlegen Sie, ob Sie mit weniger Elementen auskommen oder weniger Relevantes in Untermenüs auslagern können. Wer exklusive Produkte anbietet, etwa Luxusmode, kann vom Minimalismus des Flat Designs profitieren, und durch Zurücknahme des Designs sein Produkt in den Vordergrund stellen. Wenige große Bilder und viel Weißraum können im Flat Design eine Exklusivität vermitteln, die man etwa aus edlen Boutiquen kennt.

Design als Instrument nicht als Dogma

Auch minimalistisches oder Flat Design muss im Sinne des Onlineshops funktionieren und beim Verkauf unterstützen. Dazu gehört es, Unterscheidungen optisch umzusetzen. Das wird umso schwieriger, je mehr man auf der Seite unterbringen will. Auch Störer oder Calls-to-Action verkommen ohne Effekte schnell zum visuellen Mauerblümchen. Shops mit einer breiten Produktpalette sollten sich vom Minimalismus um jeden Preis verabschieden.

Auch Flat Design muss nutzerfreundlich sein und an die Nutzergewohnheiten anknüpfen. Wer diese nicht respektiert und zum Beispiel auf das bekannte Einkaufswagensymbol verzichtet, riskiert einen Rückgang der Konversionsraten und der Umsätze. Zu dieser, dem User oft unterbewussten, Erwartungshaltung zählen auch andere Navigationselemente. Nehmen Sie dem Kunden nicht den Warenkorb oder das einfache Drei-Balken-Menü auf der mobilen Webseite.

Weiterhin gilt: Verlieren Sie beim Design nicht Ihre Zielgruppen aus dem Blick. Bei preisfokussierten Schnäppchenkäufern zum Beispiel wird man mit hervorgehobenen Preisschildern besser fahren, als beim Designerfan, der vor allem die Details eines besonderen Artikels bewundern will. Ein weißer Hintergrund rückt das einzigartige Produkt am besten in den Vordergrund.

Weiterführende Links:

  • Registrierung, Download, Kauf – auf Webseiten gibt es viel zu tun. Ob der potenzielle Kunde aber auch wirklich klickt, sollte man nicht dem Zufall überlassen. Mit einem gelungenen Call-to-Action lässt sich nachsteuern.
  • Usability, oder eben Benutzerfreundlichkeit, im Web klingt nach einer banalen Tugend. Denn schließlich ist nichts einfacher, als ein übersichtliches Interface zu gestalten, oder? In Wirklichkeit ist der Weg zu einem guten Design oftmals steinig – er lohnt sich aber immer.