Fördertöpfe: Es ist für jeden etwas dabei

Das Gefördertwerden ist alerdings kein Selbstläufer: Einen langen Atem muss man haben (im Schnitt ein Jahr von Antrag bis Förderung), Akribie gehört dazu (100 Seiten dicke Anträge). Und man muss genau wissen, was man will: Sollen Betriebsmittel bezahlt, Eigenkapital erhöht, eine Investition oder Expansion finanziert, ein finanzieller Engpass überwunden oder fehlende Sicherheiten überbrückt werden?

Viel wichtiger als die womöglich selbst gesteckte Zielvorgabe: „Ich will was (von diesem Kuchen)!“ ist die eigene Standortbestimmung: „Was will ich (mit einem Stück vom Kuchen)?“ Jeder muss für sich klären, wo konkret der Schuh drückt und wofür und wann zusätzliches Geld wertsteigernd eingesetzt werden kann:

  • Existenzgründung: Hier geht es meist um zinsgünstige Darlehen langer Laufzeit oder Zuschüsse (mit rückzahlungsfreier Zeit oder ohne Rückzahlung)
  • Unternehmenswachstum: Neben zinsgünstigen Darlehen steht hier steuerliche Entlastung im Vordergrund
  • Beratung: Gründer, aber auch eingesessene Unternehmen, erhalten Unterstützung bei Beratungsprojekten (auch finanziert durch Zuschüsse)
  • Messeberatung: Vor allem der Bund unterstützt Messe-Vorhaben und Ausstellungen, gerade im Ausland
  • Forschung: Technologie- und Innovations-Förderung  steht hier im Mittelpunkt. Der Bund hilft mit Zuschüssen, Beteiligungskapital und Kontakten
  • Energie: Wer in erneuerbaren Energien/Umweltschutzmaßnahmen investieren will, setzt auf Unterstützung durch Zuschüsse oder Darlehen
  • Export: Wer international expandieren will, dem helfen Exportkreditgarantien oder Darlehen zur Finanzierung von Ausfuhrgeschäften
  • Mitarbeiter: Auch wenn Sie Arbeitsplätze schaffen oder erhalten wollen, gibt es z.B. Einstellungs- oder Eingliederungszuschüsse

Hilfreich bei der Einstiegsrecherche ist die Förderdatenbank des BMWi: Die Suchmaske (Homepage) bietet einen Überblick über Möglichkeiten und Strukturen.

ZIM: Vorfahrt für kleine und mittlere Unternehmen

ZIM – oder auch „Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand“ – ist das nationale Förderprogramm für kleinere und mittlere Unternehmen, Handwerksbetriebe und Freiberufler. Ziel ist, deren Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Zielgruppe sind Firmen mit weniger als 250 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von maximal 50 Millionen Euro (Jahresbilanzsumme von maximal 43 Millionen Euro), die ihren Geschäftsbetrieb in Deutschland haben.

Im letzten Jahr hat das ZIM 28.000 Projekte unterstützt – dafür wurden 3,8 Milliarden Euro locker gemacht. Gefördert werden einzelbetriebliche Forschungs- und Entwicklungs-Projekte zur Verbesserung der Innovationskompetenz. Die Guidelines für 2015 werden im Bundesanzeiger veröffentlicht – voraussichtlich ab April können wieder Projektanträge eingereicht werden.

Fördertöpfe: Sie sind über ganz Europa verteilt

In allen EU-Staaten zusammen genommen gibt es 500 Träger-Organisationen mit 4.000 Experten. Das Enterprise Europe Network ist das größte Unterstützungsnetzwerk in Europa für Unternehmen. Es vermittelt grenzüberschreitend Geschäftspartner und berät zu EU-Förderprogrammen. Erste Ansprechpartner für Fragen zu europäischen Fördermitteln sind die deutschen Mitglieder des EEN. 2013 lag die EU-Förderung bei 8 Milliarden Euro.

Gefördert wird vor allem Forschung und Entwicklung in den Bereichen: Gesundheit, Lebensmittel, Landwirtschaft, Biotechnologie, IKT oder Energie. Um die Erfolgschance zu erhöhten, sollten sie sich von regionalen Projekten unterscheiden, indem sie eine europäische oder internationale Dimension aufweisen. Heißt: Partnerunternehmen aus mehreren EU-Staaten sollten sich auf ein Gemeinschaftsprojekt verständigt haben.

Auf allen drei Ebenen – Land, Bund, EU – ist das Spektrum an Förder-Organisationen breit gefächert:

  • Bürgschaftsbanken der einzelnen Bundesländer springen bei Ausfallbürgschaften für Kredite ein. Es sind Selbsthilfe-Einrichtungen, an denen die zuständigen Kammern beteiligt sind.
  • Beteiligungsgesellschaften beteiligen sich meist vorübergehend und meist an rasant wachsenden Unternehmen (Venture-Capital-Gesellschaften).
  • Förderbanken bieten Finanzierungs- und Krisenberatungen an (eine der wichtigsten Förderbanken für den Mittelstand ist die KfW Mittelstandsbank).
  • Behörden wie das Bundesamt für Wirtschafts- und Ausfuhrkontrolle halten spezielle Förderprogramme vor. Die Projektträger sind Ministerien angegliedert, beraten bei Förderanträgen (VDI-Technologiezentrum, Projektträger Neue Medien, TBI Technologie-Beratungs-Institut et al.

Internationalisierung: Am Anfang stehen kleine Schritte

Ziel ist natürlich, dass am Ende des Tages das Geschäft brummt und gerade auch kleinere Betriebe es schaffen, sich international einen Namen zu machen und zu expandieren. Dass also etwa die Bronze-Straßenleuchten an der Strandpromenade von Kuweit aus der bayrischen Schmiede-Manufaktur von „Bergmeister Leuchten“ kommen. Oder dass ein Blockhaus, eine Almspeicherhütte aus dem Jahr 1810 auf 1800 Metern Höhe im Himalaya-Gebirge, eben mit Handwerkskunst aus Deutschland restauriert wird – nämlich von dem Holzbauunternehmen Artifex (spezialisiert auf handgefertigte Naturstammhäuser).

Diese Restauration der Blockhütte in Indien ist zwar ein Höhepunkt in der Unternehmensgeschichte, aber natürlich nicht der Ausgangspunkt für die Internationalisierung. Die entwickelte sich step by step: Los ging´s mit Aufträgen in der Schweiz und in Österreich, für die Artifex sich an die Landespartner von Enterprise Europe Network (Bayern Handwerk International und Handwerkskammer Bayern) wandte und Beratung zu Abwicklungsfragen (Zoll-Angelegenheiten usw.) beim Export Ihrer Produkte und Dienstleistungen bekam.

‚Mal eben schnell einen Antrag abschicken’ funktioniert übrigens nicht – dafür ist der Förderungsdschungel zu komplex. Was nicht zuletzt Mittelständler dazu bewogen hat, sich dem Thema full-time zu widmen – wie etwa das mittelständische Unternehmen Precitic Optronik aus Hessen (Laserschneiden, Laserschweißen, optische Messsysteme). In der Folge konnte das Unternehmen eine beachtliche Wandlungsquote von Anträgen in genehmigte Förderungen vorweisen: Von zehn Anträgen mündeten drei in einer Förderung.

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