Frauen in Führungspositionen: Status Quo im Mittelstand

Ein Blick auf den Status quo in deutschen Führungsetagen zeigt, dass die Einführung einer staatlich geregelten Frauenquote zu den besseren Ideen des Gesetzgebers zählt. Denn die Suche nach Frauen in Führungspositionen gestaltet sich in deutschen Unternehmen zuweilen beinahe so schwer, wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen.

Dieser Eindruck wird unter anderem durch eine Untersuchung des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn bestätigt. Unter dem Titel Frauen in der Unternehmensführung – Gelangen Frauen in Familienunternehmen häufiger in Top-Positionen? wurden die Daten von insgesamt 6.575 kleinen und mittelständischen Unternehmen aus verschiedenen Branchen ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass im deutschen Mittelstand Nachbesserungsbedarf besteht, wenn es um Frauen in Führungspositionen geht. Denn ...

  • während bei von Managern geführten Unternehmen der Frauenanteil in Führungspositionen 4,9 Prozent beträgt,
  • sind auch in großen Familienunternehmen nur 7,5 Prozent der Chefsessel mit Frauen besetzt.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt auch die Studie HR-Trends Mittelstand 2014, die vom Institut für Online-Markenführung (IFOM) durchgeführt und im Auftrag der QRC Group Personalberatung entstanden ist. Die Befragung von etwa 1.000 deutschen Unternehmen aus dem Mittelstand ergab, dass in mittelständischen Unternehmen...

  • nur 14 Prozent der Führungspositionen und
  • nur zehn Prozent der Fachpositionen mit Frauen besetzt sind.

Frauen in Führungspositionen werden nicht als Zielgruppe wahrgenommen

Warum ist es im Mittelstand so schlecht um Frauen in Führungspositionen bestellt? Die IFOM-Studie liefert die Antwort gleich mit. Demnach ...

  • legt knapp die Hälfte der befragten kleinen und mittelständischen Unternehmen den Fokus auf die Rekrutierung junger Mitarbeiter, die frisch aus Schule oder Universität angeworben werden,
  • sind Frauen nur bei vier Prozent der Befragten Unternehmen Ziel von Maßnahmen zur Gewinnung neuer Mitarbeiter und
  • bieten nur elf Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen eine Förderung an, die speziell auf Frauen zugeschnitten ist.

Frauen in Führungspositionen als adäquates Mittel gegen den Fachkräftemangel

Treten wir einen Schritt zurück und betrachten die aktuelle Situation in der Wirtschaft, lassen uns diese Ergebnisse einigermaßen ratlos zurück. Denn der durch den demografischen Wandel bedingte Mangel an Fachkräften scheint allgegenwärtig. Davon können sich auch die befragten Unternehmen aus dem Mittelstand nicht freisprechen: 57 Prozent geben an, den Fachkräftemangel stark zu spüren.

Qualifizierte Mitarbeiter zu finden, nimmt dabei offensichtlich viel Zeit in Anspruch, wie weiter aus der Studie hervorgeht:

  • So brauchen 50 Prozent der befragten Unternehmen in Ballungszentren bis zu sechs Monate, um offene Stellen zu besetzen,
  • während 15 Prozent aller befragten Unternehmen sogar mehr Zeit einkalkulieren müssen.

Dabei könnten sich sowohl die großen Unternehmen als auch Unternehmen aus dem Mittelstand das Leben wesentlich einfacher machen. Denn natürlich schlummert im Kreis der Frauen ein großes Potenzial hoch qualifizierter Arbeitskräfte, das zu großen Teilen ungenutzt bleibt.

Außerordentlich fahrlässig, denn Frauen haben ihre männliche Konkurrenz im Hinblick auf die Qualifikation mittlerweile zum Teil überholt und abgehängt.

Das geht zum Beispiel aus der Studie Frauen und Männer auf dem Arbeitsmarkt des Statistischen Bundesamts (Destatis) hervor. Demnach konnten bereits 2011 35 Prozent der 30- bis 34-jährigen Frauen einen hohen Bildungsabschluss vorweisen, während dies nur auf 31 Prozent der gleichaltrigen Männer zutraf ...

Frauenquote? Was Frauen im Mittelstand suchen

Frauen können für Ihr jeweiliges Unternehmen eine echte Bereicherung sein - zumal in Führungspositionen. Allerdings sind sie bei der Auswahl der Arbeitgeber durchaus wählerisch.

Nach Angaben der IFOM-Studie spielen dabei die Soft Skills Ihres Unternehmens eine größere Rolle als die Höhe des monatlichen Gehaltschecks. Ganz oben auf der Liste der Anforderungen, die Frauen in Führungspositionen an ihre Arbeitgeber stellen, steht eine ausgewogene Work-Life-Balance:

  • 76 Prozent der Befragten erwarten von Ihnen die Möglichkeit, in Teilzeit arbeiten zu können,
  • flexible Arbeitszeitmodelle wie zum Beispiel Gleitzeit sind für 49 Prozent von Bedeutung,
  • 63 Prozent legen Wert darauf, Beruf, Freizeit und Familie unter einen Hut zu bekommen,
  • während 52 Prozent sich wünschen, den Nachwuchs während der Arbeitszeit durch ein entsprechendes Kinderbetreuungsprogramm gut untergebracht zu wissen.

Richten Sie die Personalpolitik Ihres kleinen und mittelständischen Unternehmens auf diese Ansprüche aus, sollten Sie weniger Probleme haben, qualifizierte Frauen in Führungspositionen für Ihr Unternehmen im Mittelstand zu gewinnen.

Weiterführende Links:

  • Mit Andrea Och berichtet eine Frau in Führungsposition bei "Spiegel Online"  über ihre Erfahrungen.
  • Weitere Informationen zur Frauenquote erhalten Sie bei "tagesschau.de".