Von heute auf morgen nicht mehr zur Arbeit erscheinen: Auch Arbeitnehmer haben das Recht eine fristlose Kündigung einzureichen. Das Prinzip ist ähnlich wie bei der arbeitgeberseitigen Variante, dennoch gibt es beachtenswerte Unterschiede.

Warum nur? Gründe für die fristlose Kündigung des Arbeitnehmers

Natürlich können Arbeitnehmer nicht einfach der Arbeit fernbleiben. Denn für eine fristlose Kündigung muss ein wichtiger Grund vorliegen. So besagt es §626 Abs. 1 des BGB. Setzt ein Arbeitgeber dieses ultimative Mittel ein, so ist der Grund meist betriebs-, personen- oder verhaltensbedingt. Mögliche wichtige Gründe für die fristlose Kündigung von Seiten des Arbeitnehmers sind zum Beispiel:

  • Die Weiterarbeit gefährdet seine Gesundheit.
  • Der Arbeitgeber verlangt strafbare Handlungen vom Arbeitnehmer.
  • Mobbing, grobe Beleidigungen, Tätlichkeiten oder gar sexuelle Belästigung.
  • Grobe Verstöße gegen den Arbeitsschutz.
  • Nötigung oder Erpressung.
  • Nichtabführen von Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen (länger als ein Jahr)
  • Ausstehende Gehaltszahlungen.

Der letzte Punkt ist nicht nur pikant – sondern auch an Bedingungen geknüpft: So muss die fehlende Zahlung vorher durch den Mitarbeiter abgemahnt werden und es muss sich um mindestens zwei ausstehende Monatsgehälter handeln (BAG-Urteil zu Az. 2 AZR 494/00). Doch es gibt eine Ausnahme: Befindet sich Ihr Unternehmen im Insolvenzverfahren, so ist dieser Grund nichtig. Das urteilte 2006 das LAG Hamm (Az. 2 Sa 1571/05).

Gar nicht mal so fristlos, die fristlose Kündigung

Auch wenn es der Name anders suggeriert: Auch bei der fristlosen Kündigung sind Fristen einzuhalten. So muss der Arbeitnehmer seine freiwillige Demission innerhalb von zwei Wochen nach bekannt werden des Kündigungsgrundes einreichen. Diese Ausschlussfrist ist in §626 Abs. 2 BGB geregelt.

Fristlos, aber nicht formlos: Das muss die fristlose Kündigung enthalten

Einfach „Ich kündige!“ durch das Großraumbüro zu schreien, funktioniert bei der fristlosen Kündigung natürlich nicht. Sie muss ebenso wie die Ordentliche in Schriftform vorliegen, inklusive Name und Adresse von Arbeitnehmer und -geber, sowie des Kündigungstermins. Der Kündigungsgrund muss nicht genannt sein, jedoch müssen Sie ihn innerhalb von zwei Wochen erfragen können. Ebenso optional ist das weitere Verfahren mit Überstunden und Resturlaub. Natürlich muss auch die fristlose Kündigung durch den Arbeitnehmer unterzeichnet sein und Ihnen persönlich zugestellt werden. Zudem gilt sie nach wie vor als Ultima Ratio – eine vorherige Abmahnung ist zwingend erforderlich, sagt §314 Abs. 2 BGB.

Das hat Konsequenzen! Aber welche?

Wird eine fristlose Kündigung vom Arbeitnehmer ausgesprochen, so gilt es, diese zunächst zu prüfen. Ist der Rücktritt nämlich nicht rechtens, so kann die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses angeordnet werden. Sollte die fristlose Kündigung des Arbeitnehmers jedoch legitim sein, dann endet die Beschäftigung mit sofortiger Wirkung. Die Möglichkeit einen Auslauftermin anzusetzen, gibt es nicht. Außerdem: Spricht ein Arbeitnehmer eine fristlose Kündigung aus, so wird er zwölf Wochen für die Leistungen der Arbeitsagentur gesperrt. Somit sollte klar sein: Kündigt er fristlos, sieht er es als letzten Ausweg.

Vorsicht ist besser als Nachsicht – auch bei der fristlosen Kündigung

Doch wie können Sie einer fristlosen Kündigung durch den Arbeitnehmer vorbeugen? So kann es klappen:

  • Eine derart kompromisslose Selbstentlassung kommt nicht aus heiterem Himmel: Schon bei der Abmahnung sollten Sie das Problem präsentiert bekommen und es aus der Welt schaffen.
  • Die innere Kündigung kommt vor der schriftlichen. Sie sollten also immer aufmerksam sein und regelmäßig die Stimmungslage in einzelnen Abteilungen prüfen.
  • Ein besonders heikes Thema und nicht seltenes Motiv ist Mobbing. So können Sie als Chef eingreifen und es unterbinden.
  • Manchmal existiert der echte Kündigungsgrund auch in Persona: Eine schlechte Führungskraft kann früher oder später der Auslöser für eine fristlose Kündigung sein. Infrage kommende Vorgesetzte sollten Sie daher besonders gut im Auge behalten.

Weiterführende Links:

  • Mehr zum Thema fristlose Kündigung – egal ob durch Arbeitnehmer oder Arbeitgeber – erfahren Sie bei Finanztip.
  • Ist die Kündigung unausweichlich, so ersuchen Sie zumindest um ein Kündigungsgespräch und holen Sie Feedback vom kündigenden Arbeitnehmer ein, um andere zu halten.