Was erwartet Sie?

Führungsverantwortung fällt Ihnen in den meisten Fällen nicht einfach in den Schoß. Ganz im Gegenteil, Sie müssen viel Arbeit investieren, bis Sie auf dem Chefsessel landen. Das sollte Ihnen ausreichend Zeit geben, sich eine der wichtigsten Fragen zu beantworten: Wollen Sie überhaupt in eine leitende Position?

Denn es wartet nicht nur Gutes auf Sie, es gibt durchaus unschöne Seiten als Superior – der "Harvard Business Manager" schreibt beispielsweise, Führungskraft zu sein, wird immer unbequemer.
Das ist keine Schwarzmalerei, sondern harter Realismus:

  • Wie am Schnürchen läuft es nur in den seltensten Fällen.
  • Sie müssen unter Umständen jemanden entlassen, negative Kritik einstecken und drakonisch durchgreifen.
  • Bei Ihrer neuen Aufgabe stehen Sie unter ständiger Beobachtung von Ihrem Chef und den Mitarbeitern.

Sie lassen sich davon trotzdem nicht einschüchtern? Dann sind Sie die richtige Wahl als Vorgesetzter.

Wie wichtig ist das Menscheln?

Um Ihrer neu erworbenen Führungsverantwortung gerecht zu werden, brauchen Sie eine hoch spezialisierte Palette von Kenntnissen und Fähigkeiten. Die vermeintlichen Soft Skills, also die sozialen Kompetenzen, sind in diesem Zusammenhang überhaupt nicht 'schwach' oder zu vernachlässigen.

Ein erfolgreicher Chef ist nicht die grimmige und unnahbare Einmannarmee, wie manchmal in Funk und Fernsehen dargestellt:

  • In der Teamarbeit steckt immer Konfliktpotenzial, die ein Vorgesetzter mit Feingefühl entschärfen muss.
  • Gleichzeitig motiviert eine Führungskraft das Team.
  • Er oder sie fördert durch die Politik der offenen Tür die interne Kommunikation.
  • Wer Kritik austeilt, muss auch welche einstecken können – Mitarbeiter sollten sogar dazu ermutigt werden, konstruktive Kritik nach oben zu geben.

Insgesamt eine Gratwanderung: Eine leitende Persönlichkeit ist offenherzig und muss im richtigen Moment trotzdem Autorität ausstrahlen.

Welche Erfahrungen haben Profis gemacht?

Respekt und Offenheit gegenüber anderen sollten echt sein, meint auch Professor Miriam Landes vom Institut für Unternehmenssteuerung und Veränderungsmanagement (UVM) in München laut "Human Resources Manager":

"Neben zahlreichen Fähigkeiten und Kompetenzen zeichnet eine gute Führungskraft ein ehrliches Interesse an Menschen und ein Vertrauen in deren Fähigkeiten aus."

Lernen sei zudem eine besonders wichtige Eigenschaft von Chefs. Solche Prozesse können allerdings nur durch Offenheit gefördert werden.

Auch Ulrich Jordan, Eigentümer des Beratungsunternehmens Jordan Consulting, plädiert für Soft Skills:

"Gute Führungskräfte […] geben ihren Mitarbeitern wertschätzendes und zeitnahes Feedback, um sie bei der Lösung ihrer Aufgaben zu unterstützen."

Führungsverantwortung heiße außerdem, aktiv auf Mitarbeiter zugehen, anstatt auf deren Input zu warten, so Jordan.

Welche Kompetenzen sind wichtig?

Chefs müssen noch mehr leisten: In der Studie Führungskultur im Wandel haben die Initiative Neue Qualität der Arbeit und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) die wichtigsten Punkte zu "guter Führung" festgehalten:

  • Flexibilität. Arbeitszeiten, Teams und Aufgabe sind längst nicht mehr statisch. Darauf sollten sich Chefs einstellen.
  • Prozesskompetenzen. Solange Abläufe und Vorgänge gut geplant sind, verlieren selbst unsichere Märkte ihren Schrecken. Führungskräfte sollten daher das Wissen ihrer Mitarbeiter aktiv fördern und solide Grundlagen schaffen.
  • Netzwerkstrukturen. Im Schwarm arbeitet der Mensch intelligenter, effektiver und effizienter. Das heißt aber auch, Aufgaben müssen an Experten abgegeben beziehungsweise ausgelagert werden.
  • Abbau von Hierarchien. Statt des veralteten Top-Down-Modells, in dem Aufgaben von oben nach unten durchgereicht werden, arbeiten Macher in flachen Hierarchien stärker mit Anderen zusammen.
  • Coaching. Auch Chefs lernen niemals aus –   die Weiterbildung von Führungskräften wird in Zukunft immer wichtiger.

Wer Führungsverantwortung bekommt, erledigt viele Dinge synchron. Kennen Sie deshalb Ihre Grenzen ganz genau: Dort wo die eigenen Fähigkeiten enden und wenn keine Zeit mehr ist, müssen Sie Arbeiten delegieren.

Was ist noch wichtig beim Thema Führungsverantwortung?

Dirk Baecker, Professor für Kulturtheorie und Kulturanalyse, hat im "Human Resources Manager" noch einen konkreten Tipp für die Zukunft:

"Schlechte Führung besteht darin, die Fähigkeit der Mitarbeiter, sich selbst zu führen, zu unterschätzen. Gute Führung besteht darin, den Mitarbeitern genau die Orientierung zu geben, die sie benötigen, um sich selbst zu führen."

Weiterführende Links: