Radio am Arbeitsplatz hören: Was das Recht vorschreibt

Ein Radio, aus dem Musik und Torjubel dröhnen, kann ziemlich ablenken, finden viele Chefs und dürfen das am Arbeitsplatz deshalb verbieten. Denn Arbeitgeber haben das sogenannte Weisungsrecht. Für ein Verbot braucht das Firmenoberhaupt aber die Zustimmung des Betriebsrats – sofern vorhanden.

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Wie Unternehmen mit dem möglichen Verbot umgehen oder ob sie Radiogeräte doch zulassen, sollten sie am besten von der jeweiligen Abteilung abhängig machen. Wenn der Arbeitnehmer beim Radiohören seiner Tätigkeit fehlerfrei nachgehen kann und weder Kollegen noch Kunden stört, könnte der Chef es aus Kulanz zu den Mitarbeitern erlauben.

Regeln zum Fußballschauen im Fernsehen und Internet

Visuelle Reize halten noch deutlich mehr von der Arbeit ab als das Radio, deshalb verbieten viele Arbeitgeber ihrer Belegschaft, Fußballspiele im Fernsehen, via Live-Stream oder gar auf ihrem Smartphone anzuschauen. Und das ist ihr gutes Recht, denn die Arbeitszeit soll als solche dienen.

Fußball-WM-Tipps im Überblick Erlaubt der Chef mehr als sonst, punktet er damit bei den Mitarbeitern. Erreichen kann er das zum Beispiel durch:

  • Radio nur dort verbieten, wo es extrem beim Arbeiten stört
  • Live-Ticker als Alternative zu Radio oder TV erlauben
  • Eventuell im Pausenraum einen TV-Platz einrichten
  • Arbeitszeiten so verlegen, dass die Belegschaft zu wichtigen Spielen frei hat

Erbringt die Belegschaft ihre Arbeitsleistungen nicht, weil alle 90 Minuten lang wie gebannt auf den Fernseher starren, darf darauf sogar eine Abmahnung folgen. Eine Alternative, die das Unternehmen eventuell zulassen kann, sind Live-Ticker zur Fußball-WM. Sie beeinträchtigen den Betriebsablauf viel weniger.

In jedem Fall sollte der Chef vor der WM klare Ansagen machen, was erlaubt oder verboten ist, um Missverständnisse und unnötige Ärgernisse zu vermeiden. Überflüssige Verbote trüben dabei das Arbeitsklima, weshalb der Arbeitgeber sich aufgeschlossen zeigen sollte, beispielsweise mit dem Genehmigen eines Fernsehers im Aufenthaltsraum. Die Mitarbeiter werden es sicherlich danken.

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Früher Feierabend wegen der Fußball-WM?

Grundsätzlich gelten die im Arbeitsvertrag festgelegten Arbeitszeiten. Natürlich kann der Arbeitgeber Ausnahmen zulassen, wenn sich beispielsweise Arbeitsleistungen auch an anderen Tagen nachholen lassen. Dann sind auch spontane Urlaubsanträge denkbar. Ein allgemeines Recht auf Urlaub während der Fußball-WM haben Arbeitnehmer allerdings nicht.

Fußball WM Arbeitgeber können davon profitieren, zur WM Kompromisse mit der Belegschaft einzugehen. (© 2018 Shutterstock / Daniel M Ernst)

Mitarbeiter, die ohne Erlaubnis fehlen, kann das Unternehmen abmahnen. Bei einer vorliegenden Krankschreibung kann der Chef in der Regel allerdings nicht viel ausrichten. Anders ist die Sachlage, wenn ein Mitarbeiter die Krankmeldung vorher androht, nach dem Motto: „Bekomme ich keinen Urlaub, dann bin ich eben krank.“

Darauf kann die Firma gemäß einem Entscheid des Bundesarbeitsgerichts (BAG 12.03.2009 – 2 AZR 251/07) mit einer fristlosen Kündigung reagieren. In diesem Fall hatte ein Mitarbeiter kurzfristigen Urlaub nicht genehmigt bekommen und ließ sich daraufhin mit Ansage krankschreiben. Es folgte die sofortige Entlassung. Der Angestellte widersprach zwar, wurde jedoch vom Gericht abgewiesen. Dieses Recht zur fristlosen Kündigung gilt übrigens auch, wenn sich der Angestellte genesungsschädlich verhält und etwa trotz schwerer Erkältung am Public Viewing teilnimmt.