Gehaltsvergleich: Einfluss der Unternehmensgröße

Egal, ob Großkonzern, Kleinunternehmen oder Mittelstand – es gilt immer dieselbe Faustregel: Je größer das Unternehmen, desto höher die Managerbezüge. Aus Sicht von Julia Zmítko von der Managementberatung Kienbaum sind "komplexere Aufgabenstellungen, höhere Anforderungen an Fähigkeiten und Engagement der Führungskräfte und mehr Personalverantwortung" hierfür die entscheidenden Einflussgrößen.

Entsprechend belief sich die Vergütung von Führungskräften in Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern Ende 2014 auf durchschnittlich 95.000 Euro im Jahr. Für Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern ergab der Gehaltsvergleich auf Managementebene dagegen im Schnitt 164.000 Euro im Jahr. Soweit die Ergebnisse der Studie, für die Studienleiterin Zmitko und ihr Team die Daten von 6.255 Einzelpositionen aus 805 Unternehmen verglichen.

Weitere Einflussgrößen auf die Höhe des Gehalts sind laut den Forschern:

  • Branche: Am besten verdienen Manager in der chemischen Industrie, gefolgt von der Versicherungsbranche. Zu den Schlusslichtern zählen Krankenhaus-Manager, deren Jahresbrutto das der Führungskräfte in der chemischen Industrie um fast die Hälfte unterschreitet.
  • Firmensitz: In Ballungszentren wie München, Stuttgart und Berlin ist Arbeit teurer als auf dem Land.
  • Geschlecht: Weibliche Führungskräfte verdienen im Schnitt (leider noch immer) 20 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen.

Gehaltsvergleich: Was Mittelstands-Manager tun können

Soweit die Zahlen. Trotzdem müssen Mittelstandsmanager nicht schlechter dastehen als Kollegen aus den größeren Unternehmen, wenn es um die Entwicklung ihres Gehalts geht.

Während bei den Big Playern in wirtschaftlich ausgewogenen Zeiten regelmäßige Gehaltsrunden mit einem gewissen Automatismus stattfinden, ist das im Mittelstand zwar nicht der Fall. Das heißt aber nicht, dass eine kontinuierliche Aufwärtsbewegung des Gehalts nicht genauso möglich wäre. Vorausgesetzt, die Führungskräfte kennen ihre Spielräume und wissen sie zu nutzen.

Die nötige Diskussionsgrundlage sollte bereits bei der Vertragsgestaltung geschaffen werden, rät Ina Claßen, Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Brands for Talents. Die Juristin verfügt über 20 Jahre Erfahrung in verschiedenen Leitungsfunktionen im Personalmanagement in Großkonzernen, im Mittelstand und in kleinen Unternehmen und weiß, wovon sie spricht: "Gerade im Mittelstand bietet es sich an, eine Klausel im Vertragswerk zu verankern, in der sich beide Parteien über ein jährliches Gespräch bezüglich der Anpassung des Gehalts einigen."

Gehaltsgespräch vertraglich verankern

Das Gehaltsgespräch sollten Manager nicht auf die leichte Schulter nehmen, rät die Juristin. Nicht selten seien bei einer GmbH Geschäftsführer-Verträge auf drei bis fünf Jahre befristet. "Fehlt hier der entsprechende Zusatz, tut sich innerhalb der Vertragslaufzeit möglicherweise nichts mehr."

Mehr als ein Aufhänger zu erneuten Gehaltsverhandlungen kann diese Absichtserklärung allerdings nicht sein.

Für das Gespräch selbst sollte ein guter Zeitpunkt gewählt werden. Die überdurchschnittlich guten Quartalszahlen sind soeben herausgekommen und der Verhandlungswillige hat einen nachweisbaren Anteil daran? Das wäre so ein Moment – vorausgesetzt, das Unternehmen ist wirtschaftlich stabil.

Zur Vorbereitung auf das Gehaltsgespräch sollte sich der Manager folgende Fragen stellen:

  • Was habe ich wirtschaftlich erreicht?
  • Wo liegt mein Anteil?
  • Mit welchen Zahlen, Daten und Fakten ist er nachweisbar?
  • Welchen Mehrwert habe ich überdies zu bestimmten Projekten beigetragen?

Die Antworten darauf liefern die wesentlichen Argumente für die bevorstehende Verhandlung. Wer dennoch unsicher ist, ist mitunter gut beraten, vorab mit einem Coach das Gespräch zu trainieren. Das kann sich durchaus lohnen.

Gehaltsvergleich: Verhandeln mit dem Eigentümer

Insbesondere Manager in mittelständischen Unternehmen haben eine spezielle Hürde zu nehmen: Meist sind die Firmen eigentümergeführt, mitunter mit persönlicher Haftung des Chefs. Jede zusätzliche Ausgabe erhöht somit dessen geschäftliches Risiko.

Umso wichtiger ist es, überzeugend aufzutreten. Bei einem besonders harten Verhandlungspartner kann es sich deshalb lohnen, mit alternativen Vorschlägen zu einer Gehaltserhöhung aufzuwarten.

"Gehaltserhöhungen sind erfreulich, bergen aber auch Anlass zur Frustration - für Mitarbeiter und den Arbeitgeber", sagt der Steuerexperte Martin Kinkel. Schließlich fallen hierfür die üblichen Steuer- und Sozialversicherungsbeiträge an. Und für den Arbeitgeber die unvermeidlichen Arbeitgeberanteile. Rein rechnerisch kommt nur der kleinste Teil des ausgezahlten Geldes beim Arbeitnehmer an.

Geldwerte Vorteile: Mehr Netto vom Brutto

Es gibt Leistungen, die Firmen ihren Mitarbeitern steuerbegünstigt oder gar steuerfrei zukommen lassen können: die geldwerten Vorteile. Auf diese Weise lässt sich ein Gehaltspaket schnüren, von dem alle profitieren, denn die Ausgaben lassen sich arbeitgeberseitig abschreiben.

Insbesondere für kleinere Mittelständler ist dies ein durchaus eine Überlegung wert:

  • Sie bleiben so für ihre Mitarbeiter attraktiv und binden sie ans Unternehmen.
  • Sie gewinnen qualifizierte Bewerber für sich.
  • Die zusätzlichen Gehaltsbausteine schmälern die Steuerlast des Betriebs.

Die Vielfalt solcher Leistungen ist groß und reicht von vermögenswirksamen Leistungen über betriebliche Altersversorgung bis hin zur Mitarbeiterbeteiligung. In Ballungsräumen können Jobtickets oder Fahrtkostenzuschüsse eine attraktive Zugabe für Manager sein. Der Klassiker für Manager ist aber der Firmenwagen: Für viele Angestellte ist der ein Statussymbol und eine Art besondere Belohnung. Gleichzeitig spart der Arbeitgeber dabei Geld:

  • Der Kauf von Firmenfahrzeugen ist steuerlich günstig: der Arbeitgeber erhält beim Neuwagenkauf die Umsatzsteuer zurück und kann Anschaffung und Unterhalt als Betriebsausgaben abschreiben.
  • Das Bruttogehalt des Arbeitnehmers und damit auch die gezahlten Lohnnebenkosten reduzieren sich für den Arbeitgeber um den errechneten geldwerten Vorteil des Dienstwagens.

Für die Ermittlung des geldwerten Vorteils wird in der Regel die Pauschalmethode oder Ein-Prozent-Regel angewandt, bei der pro Monat ein Prozent des Neupreises nach der Preisliste angesetzt wird. Kostet der Wagen in der Liste 50.000 Euro, reduziert sich das für den Arbeitnehmer zu versteuernde Bruttogehalt um monatlich einen Prozent der Summe, das sind 500 Euro.

Managergehalt: Geldwerte Vorteile müssen versteuert werden

Darf der Manager den Firmenwagen auch privat nutzen, muss der wiederum den errechneten geldwerten Vorteil wie ein zusätzlich gezahltes Einkommen versteuern, wobei für die einfache Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsstätte pro Entfernungskilometer weitere 0,03 Prozent hinzugerechnet werden.

Im konkreten Beispiel müssten bei einem Steuersatz von 40 Prozent rund 2.400 Euro Steuern für den Dienstwagen im Jahr abgeführt werden. Dafür entfallen jedoch Anschaffungs- und Nutzungskosten für ein Privatfahrzeug. Die Vorteile liegen also für beide Seiten klar auf der Hand.

Beim Aushandeln geldwerter Vorteile ist es ebenso wie bei einer Gehaltsverhandlung ratsam, sich vorab mit dem gängigen Gehaltsniveau in der Branche auseinanderzusetzen und mit realistischen Vorstellungen aufzuwarten:

  • Informationen bieten Statistikportale, die Gehaltstabellen für so ziemlich jede Branche, Region und Unternehmensgröße vorhalten. Diese können für den Gehaltsvergleich herangezogen werden. Diese sind mitunter kostenpflichtig, können aber steuerlich geltend gemacht werden.
  • Auch der Anruf bei Wirtschaftsverbänden für den Mittelstand kann durchaus Ergebnisse zutage fördern.
  • Überdies ist auch das eigene Netzwerk ein durchaus guter Ratgeber, hier sollte der gesamte Bereich ausgeschöpfter werden: der familiäre Bereich und Berufsnetzwerke.