In allen Bereichen bringt der digitale Fortschritt ungeahnte Produkte und verblüffende Dienstleistungen hervor – mit zum Teil gewaltigem Marktpotenzial. Bestes Beispiel ist der 3D-Druck. Die digitale Revolution betrifft B2B und B2C: Der vernetzte, längst digitale Kunde (geschätzte 1 Milliarde Smartphones gehen 2015 über den Ladentisch) akzeptiert keine Ladenschlusszeiten mehr und wird 24/7 endlich zum„König Kunde“, der er immer sein wollte.

Start-ups schießen wie Pilze aus dem Boden. Die junge Firma FoodLoop beispielsweise erschließt mit ihrer Geschäftsidee eine win-win-win-Situation: Gewinner sind FoodLoop selbst, der Kunde und die Gesellschaft. Kleine App, große Wirkung!

Top Geschäftsidee: App gegen Lebensmittelverschwendung

20 bis 30 Prozent der produzierten Lebensmittel schaffen es gar nicht bis in die Küchen der Verbraucher. Sie fallen bereits auf dem Feld Schädlingen zum Opfer oder überleben im Laden das Verfallsdatum nicht. In Deutschland werden pro Jahr Lebensmittel im Wert von ca. 1,5 Milliarden Euro (550.000 Tonnen) "entsorgt".

Um diese Verschwendung zu stoppen, haben die Gründer der Kölner Firma FoodLoop eine App entwickelt, die dem Kunden hilft, dagegen zu halten: Sie meldet dem Nutzer, in welchem Geschäft in der näheren Umgebung das Mindesthaltbarkeitsdatum von Lebensmitteln heranrückt – und wie in der Folge auch der Preis dafür runter geht.

Das Display vom Smartphone zeigt Stadtplan und Lage des Geschäfts an, meldet beispielsweise, dass in vier Tagen die Mindesthaltbarkeit bei einem Steakprodukt abläuft und deswegen der Preis schon jetzt um 30 Prozent runterpurzelt. Der Kunde bekommt sein Steak 30 Prozent billiger, der Ladenbesitzer muss es nicht wegschmeißen.

Gründer Christoph Müller-Dechent hat die App ausgetüftelt:

Ich saß gerade in der Uni, in einem Seminar zu Medienmanagement. Ich habe mir den Kopf zerbrochen über ‚Last-Minute-Apps’. Dann schoss mir ein Gedanke durch den Kopf: Es gibt ja noch gar keine App, die sich mit dem Verfallsdatum von Lebensmitteln befasst. Daraufhin habe ich recherchiert und herausgefunden: Die neuen Lebensmittel-Barcodes halten solche Informationen ja längst vor. Da war die Idee geboren: Die Bedürfnisse von Händlern und Verbrauchern einfach zusammen bringen. Also: Bei mir war dieser Prozess, eine Marktlücke zu finden, eine Mischung aus strukturiertem Suchen, längerem Kombinieren und einem plötzlichen Lösung-Einfall.

Übrigens: Support für die Geschäftsidee kommt von niemand Geringerem als SAP: FoodLoop ist im Start-Up-Prgramm des Software-Riesen. Das Projekt ist aktuell im Testbetrieb der Pilotphase mit ausgewählten Bio-Geschäften.

Gründungs-Experte: So finde ich Nischen?

Die Gretchenfrage zu solchen Geschäftsideen ist: Wie entdeckt man die goldene Nische? Zwei Fragen an Gründungs-Experte und Leiter Unternehmensförderung Mathias Härchen von der IHK Köln.

Gibt es eine Anleitung oder ein Rezeptzur Identifizierung lukrativer Nischen?

Unternehmertum gründet sich schon immer auf Kreativität und Vorstellungskraft – jetzt eben in einer sich digitalisierenden Welt. Es gibt kein Rezept, eher verschiedene Herangehensweisen: Kopieren, Adaptieren, Erfinden. Bestes Vorbild hierfür ist das Handy: Einer hat's erfunden, der nächste die Idee kopiert, wieder andere haben bahnbrechende neue Features entwickelt. Ein Resultat dieses Prozesses – das Smartphone – hat heute jeder von uns in der Tasche.

An wen kann ich mich in so einem kreativen Prozess wenden?

Zuerst einmal an sich selbst! Wenn es ein Geheimnis gibt, dann ist es wohl der Wissensvorsprung. Die große Chance liegt in der schier unerschöpflichen Fülle der zu ertüftelnden Kombinationen: Wer sich dabei selbst in einen besonderen, heuristischen Entwicklungsmodus versetzt, hat die besseren Chancen. Der Deutsche neigt im Kreativprozess dazu, sich zu fragen: "Darf ich das überhaupt? Wo stößt meine Entwicklung an rechtliche Grenzen?." Diese Grundeinstellung hemmt natürlich den Ideenfluss. Der Amerikaner dagegen startet den Prozess nach dem Prinzip: "Ich greife jetzt erstmal nach den Sternen – und schaue, was daraus wird."

Geschäftsidee: Ernte-Vorhersage

Apropos Sterne: Die Junge Firma greenspin wertet satellitengestützt Echtzeit-Wetterdaten aus, verbindet sie mit regionalen landwirtschaftlichen Informationen und prognostiziert daraus Pflanzenwachstum und Ernteerträge einer laufenden Saison. Das hilft den Produzenten und verarbeitenden Betrieben, ihre Logistikkette zu optimieren, um Nahrungsmittelengpässe zu vermeiden. Green spin kann auch die Beschaffenheit des Bodens bis auf 15 Meter genau analysieren und Bauern in puncto Produktivitätssteigerung unterstützen.

Geschäftsidee: Die App, die WLan ersetzt

Klick, Foto – eine schnelle Foto-Nachricht an die Liebsten. Schön bei WLan, blöd ohne WLan – dann geht's nämlich auf das mobile Datenvolumen der Smartphones von Sender und Empfänger. Mit einer App vernetzt shoutr Endgeräte unabhängig vom Internet. Das kann Bluetooth zwar auch, braucht aber dafür einen Router und ist langsam. Die Shoutr Box versetzt zum Beispiel Museen in die Lage, Audioguides auf die Handys der Besucher zu laden.

Finanzierung: Crowd-Funding, Venture Capital oder Banken.

Die nächsten Start-ups sind bereits in der Entstehung: Ein veganes Bio-Burger-Restaurant sammelt via Crowdfunding derzeit Geld ein (schon 64 Prozent zusammen), und nuapua will ein Trinksystem auf den Markt bringen, mit dem man Wasser zu 100 Prozent natürlich mit Geschmack versehen kann – hier sind schon über 46.000 Euro zusammen gekommen. Das Projekt ist damit zu 232 Prozent finanziert.

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