Wer hier lebt und arbeitet, spricht zwar alles, außer Hochdeutsch, produziert dafür aber Produkte von Weltruf: Aus dem „Ländle“, wie die Einheimischen sagen, kommen Armaturen von Hansgrohe, die überall in Badezimmern blitzen, Schrauben von Würth, die die Welt gewissermaßen zusammenhalten, oder Sitze von Recaro, die zu Lande, zu Wasser und in der Luft unterwegs sind. Die Rede ist von Baden-Württemberg, wo der Mittelstand so stark ist wie sonst nirgends in Deutschland. Wie stark, zeigte sich jetzt wieder in Schwäbisch Hall, wo seit 2011 jährlich der Gipfel der Weltmarktführer stattfindet.

Hidden Champions unter sich

Geschäftsführer trifft auf Vorstandsvorsitzenden, Bundesminister auf EU-Kommissar – das vom Handelsblatt organisierte Event zieht jedes Jahr rund 500 Teilnehmer an, wie auch jetzt vom 30. Januar bis zum 1. Februar. Hier soll sich der Firmenlenker vernetzen und von den Besten seiner Branche lernen – den Hidden Champions. Wie? Zum Beispiel mit Vorträgen und Podiumsdiskussionen von Referenten wie Beat Balzli, Chefredakteur der Wirtschaftswoche, dem Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann oder Dr. Till Reuter, Vorstandsvorsitzender der KUKA AG.

Transformation zahlt sich aus

Der Digitalisierungsindex Mittelstand zeigt: Der Mittelstand transformiert sich konsequent. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Index um zwei Punkte auf 54 von 100 gestiegen. 42 Prozent der Unternehmen haben das Thema Digitalisierung inzwischen fest in der Geschäftsstrategie verankert – 2016 waren es erst 27. Ob Absatz, Umsatz oder Neukundengewinnung: von der Veränderung versprechen sich die Unternehmen einen konkreten Mehrwert. Sie wissen, dass der umso höher ausfällt, je konsequenter sie den Wandel vorantreiben. So sind auch die Digital Leader der jeweiligen Branchen mit ihren Kennzahlen deutlich zufriedener als der Rest aller Befragten.

Treffen sich Weltmarktführer im Schwabenland, steht das Thema Digitalisierung ganz oben auf der Agenda. Zu Recht, wie Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden bei der Telekom, auf der Bühne herausstellte. Im Zentrum seiner Rede: die Digitale Dividende. „Es ist der Zugewinn, den jeder Einzelne, jedes Unternehmen oder jede Gesellschaft der Digitalisierung verdankt. Dieser Mehrwert kann quantitativ messbar oder aber qualitativer Natur sein“, sagte Rickmann. Das zeigen auch die Ergebnisse des Digitalisierungsindex Mittelstand: Rund 2.000 kleine und mittlere Unternehmen hatte die IT-Marktforschung techconsult für die Telekom befragt. Laut Studie verankern inzwischen 42 Prozent der Unternehmen das Thema Digitalisierung fest in der Geschäftsstrategie. 2016 waren es erst 27 Prozent. „Der Anstieg beweist: Die Digitalisierung ist in der Breite der Unternehmen angekommen. Kleine wie große Firmen aller Branchen halten die digitale Transformation für notwendig und unumgänglich“, sagte der Telekom Manager.

„Behind the curtain!“ Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden Telekom Deutschland, bei seiner Keynote. „Behind the Curtain!“ Hagen Rickmann, Geschäftsführer Geschäftskunden Telekom Deutschland, bei seiner Keynote (© 2018 Sebastian Muth) - @sebastianmuth

Digitaler Nährboden für digitales Geschäft

Was die Unternehmen konkret digitalisieren? Das beantwortete Björn Weidenmüller in seiner Masterclass. Am Beispiel der Hidden Champions zeigte der Leiter Vertrieb Großkunden bei der Telekom auf, warum die Unternehmen nicht nur Meister ihrer Nische, sondern auch Meister der Digitalisierung sind. Und wie sie auf dem Weg des digitalen Wandels erfolgreich weiter vorankommen. „Digitalisierung geschieht nicht über Nacht, wichtig ist, überhaupt anzufangen“, sagte Weidenmüller.

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Erst testen, dann digitalisieren

Der Digitalisierungsindex bildet nicht nur den aktuellen digitalen Status quo des Mittelstands ab. Interessierte Unternehmen können mit dem Self-Check ermitteln, wie es um den eigenen Digitalisierungsgrad bestellt ist und wie sie sich derzeit im Unternehmens- und Branchenvergleich positionieren.

Ein Zusammenhang, den auch der Digitalisierungsindex Mittelstand bestätigt. So sind die Digital Leader, also jene zehn Prozent aller befragten Unternehmen, die bereits überdurchschnittlich digitalisiert sind, deutlich zufriedener mit ihren Kennzahlen: Die gemessenen Werte liegen um rund 20 bis 25 Prozentpunkte über dem Durchschnitt. „Unternehmen digitalisieren zuerst ihre internen Prozesse und dann Kundeninteraktionen“, sagte Weidenmüller. „So entsteht der Nährboden, auf dem auch digitale Geschäftsmodelle sprießen.“