Wir gehen beim Glasfaserausbau neue Wege. Damit wir die privaten Haushalte und die Unternehmen in der Region Stuttgart bald mit Glasfaser bis in die Wohnung, ins Büro oder in die Werkshalle versorgen können, setzen wir mit Stuttgart und fünf umliegenden Landkreisen auf ein bislang einzigartiges partnerschaftliches Modell. Als wir Anfang Juli gemeinsam eine entsprechende Absichtserklärung unterschrieben haben, lösten wir damit ein großes Medienecho aus. Das hat mich nicht überrascht. Denn gerade im Südwesten ist in Sachen Breitbandausbau bislang das Betreibermodell üblich. Heißt: Die Kommunen errichten die passive Infrastruktur selbst, sie verlegen zum Beispiel die Leerrohre oder Glasfaserleitungen und verpachten sie anschließend an einen Netzbetreiber. Unser Partnerschaftsmodell, das wir gemeinsam mit der Stadt Stuttgart sowie den Landkreisen Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr entwickelt haben, sieht anders aus: Unser Konzern investiert bis zu 1,1 Milliarden Euro in den Festnetzbereich, die Region Stuttgart stellt für den privatwirtschaftlichen Glasfaserausbau Leistungen im Wert von rund 500 Millionen Euro zur Verfügung. Das Ziel: In und um Stuttgart knapp drei Millionen Menschen und rund 140.000 Unternehmensstandorte sukzessive mit Glasfaser bis in die Gebäude zu versorgen.

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Mehr Angebotsvielfalt bei der Digitalisierung

Was das bedeutet? Die Telekom treibt bei diesem Modell den kooperativen Eigenausbau massiv voran. Der Vorteil für die Städte und Gemeinden: Sie müssen weniger eigenständig ausbauen. Ich finde, dass der privatwirtschaftliche Ausbau vor dem geförderten Ausbau stehen sollte. Keine Angst: Wir stehen zu unserem Wort und stellen den Netzzugang auch Dritten zur Verfügung. Selbstverständlich kommen unsere Wettbewerber zum Beispiel bei den regionalen Leistungen zum Zug. Wir wollen mit allen Trägern, Stadtwerken, Kommunen und Bürgern, die uns in der Region die Hand reichen, eng zusammenarbeiten. Dabei halten wir uns an die Open-Access-Vorgaben und öffnen unsere Infrastruktur auch für Dritte. So entsteht Angebotsvielfalt. Alles andere wäre nach meiner Auffassung auch widersinnig. Schließlich sitzen alle Beteiligten im selben Boot. Wir alle haben dasselbe Ziel: die Region schnell ans Gigabitnetz anzuschließen.

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Gemeinsam zum Gigabit-Netz

Zur Person

 

Johannes Pruchnow ist seit November 2016 Vorstandsbeauftragter für Breitbandkooperation der Telekom. Als Vizepräsident im Breko (Bundesverband Breitbandkommunikation) und Präsidiumsmitglied im VATM (Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten) gestaltete Pruchnow die regulatorischen Rahmenbedingungen des deutschen Telekommunikationsmarkts seit 2008 aktiv mit.

 

Warum dieses Vorgehen sinnvoll ist? Weil die Digitalisierung eine Mammutaufgabe darstellt, die niemand allein stemmen kann. Deshalb sollten wir über neue Wege nachdenken und die unterschiedlichsten Modelle prüfen– ob Miete oder Pacht, ob Kauf oder Ausbaupartnerschaften. Bei einem konsolidierten Angang mit möglichst vielen Spielern gewinnen alle Seiten und die Bürgerinnen und Bürger, die Unternehmen, Schulen und öffentlichen Einrichtungen bekommen schneller das, was sie verdienen: die beste Technik und das beste Netz.

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In Sachen Breitbandausbau sind derzeit rund 400 Anbieter unterwegs. Viele von ihnen werden sich auch an diesem Projekt beteiligen. Wir wissen, dass unser Vorhaben komplex ist und wollen die vorhandene Infrastruktur intelligent nutzen. Es geht zum Beispiel darum, Synergien zu nutzen, denn die Bau- und Planungskapazitäten sind knapp. Viele Bauunternehmen arbeiten längst am Limit.

Kooperationen erhöhen Ausbautempo

Schnelles Internet für die Region Stuttgart

Neben der Landeshauptstadt Stuttgart profitieren vom neuen Partnerschaftsmodell die fünf umliegenden Landkreise Böblingen, Esslingen, Göppingen, Ludwigsburg und Rems-Murr – und damit 179 Städte und Gemeinden mit knapp 1,4 Millionen Haushalten und 140.000 Unternehmen. Bis 2025 sollen jeder zweite Haushalt sowie alle Gewerbegebiete und alle förderfähigen Schulen mit Glasfaser bis ins Gebäude angeschlossen sein. 90 Prozent der insgesamt rund 1,38 Millionen Haushalte erhalten bis 2030 Gigabit-Anschlüsse. Außerdem will die Telekom bis 2025 bei der LTE-Abdeckung 98 Prozent erreichen und parallel dazu ein 5G-Netz für Smart City-Anwendungen aufbauen. Die Vertragsunterzeichnung findet Ende des Jahres statt. Je nach Witterung sollen im Frühjahr 2019 die Ausbauarbeiten beginnen.

Mir ist klar, dass auf unser einzigartiges Partnerschaftsmodell viele Bewährungsproben warten: Denn wir alle dürfen nicht nur unsere eigenen Interessen im Blick haben, sondern müssen die Ansprüche von lokalen und regionalen Behörden, Interessenvertretungen, Verbänden sowie den Menschen in der Region berücksichtigen und unter einen Hut bringen. Diesen vielstimmigen Chor bündeln wir im Verband „Region Stuttgart“. Nicht nur in Baden-Württemberg gilt: Wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht, werden wir unsere Breitbandziele nicht erreichen. Deshalb freut es mich, dass die Kooperationsbereitschaft überall im Land deutlich steigt.

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Deutschlandweite Partnersuche

Auch wenn jede Region ihre eigenen Voraussetzungen hat, lohnt es sich, über Partnerschaftsmodelle nachzudenken. Die können ganz unterschiedlich aussehen. In Niedersachsen wollen wir zum Beispiel im Joint Venture mit dem dortigen Platzhirschen EWE ein Gebiet mit rund 1,5 Millionen Haushalten mit Glasfaser bis ins Gebäude versorgen. Die Vorteile solcher Kooperationen liegen auf der Hand: Das Investitionsvolumen für die einzelnen Beteiligten verringert sich, das beschleunigt das Ausbautempo. Übrigens mischen wir in der Region Stuttgart in nur einem Projekt viele Teile unserer Ausbaustrategie: den Eigenausbau und geförderten Ausbau, Kooperationen mit anderen Marktteilnehmern und einen Technologiemix. Denn die Schwaben profitieren vom Partnerschaftsmodell gleich dreifach: Sie bekommen nicht nur Glasfaser bis ins Gebäude, sondern zusätzlich eine bessere LTE-Versorgung und den neuen Kommunikationsstandard 5G.