Digitaler vs. analoger Handel

Für viele Einzelhändler ist der Verkauf übers Internet Fluch und Segen zugleich. Einfach ist die Situation jedenfalls nicht. Bis zu 30 Prozent der stationären Händler sind nach Angaben der Handelsforschung (IFH) in Köln bis 2020 durch die zunehmende Digitalisierung von der Schließung bedroht, weitere 40 Prozent müssen ihr Geschäftsmodell grundlegend ändern, um zu überleben. Gleichzeitig boomt der Onlinehandel: Der Handelsverband Deutschland (HDE) schätzt den Umsatz im E-Commerce in Deutschland 2017 auf 49 Milliarden Euro. Wer diesen lukrativen Markt nicht kampflos den Großen wie Amazon und Zalando überlassen will, kommt um eine Digitalstrategie nicht herum.

25%: Ein Viertel der Handelsfirmen hat bereits eine übergreifende Digitalisierungsstrategie.

Zur Studie Der „Digitalisierungsindex Mittelstand“ ist eine repräsentative Studie von der Telekom und dem Analystenhaus techconsult. Ende 2016 wurden 1016 kleine und mittelständische Unternehmen verschiedener Branchen über die eigenen Digitalisierungsbestrebungen befragt. Daraus entstand ein Index, der erstmals eine zuverlässige Messgröße für die Digitalisierung im Mittelstand bietet.

Ein Verkaufsplattform für viele

Wie das gehen kann, zeigen findige Händler wie Dominik Benner, seit 2012 in fünfter Generation an der Spitze des Schuhhauses Benner an zehn Standorten in Deutschland. 2014 gründete er den Onlineshop Schuhe24.de, der auf Anhieb so erfolgreich war, dass viele andere Schuhhändler seine Plattform nutzen wollten. Inzwischen sind es mehr als 340 Fachgeschäfte. Benner fährt ganz klar eine Multichannel-Strategie, denn er will mehr Laufkundschaft in die stationären Geschäfte lotsen. Inzwischen erkennt jedes zweite Handelsunternehmen die Notwendigkeit digitaler Prozesse, um vor allem die Kundenbindung zu verbessern. Längst ist klar: Konsumenten erwarten ein nahtloses Einkaufserlebnis – online, mobil und offline. Die Mehrzahl der Einzelhändler und mittelgroßen Filialisten steht dennoch am Anfang.

58 von maximal 100 Punkten erreicht die Branche bei „Digitale Angebote und Geschäftsmodelle“.

In der Analyse erhielten sie 48 von 100 möglichen Punkten und schnitten schlechter ab als der Gesamtdurchschnitt aller Branchen. Bei der Umsetzung von Digitalprojekten zögern sie, weil ihnen das technische Know-how und das notwendige Budget fehlen. Immerhin haben sich zwei Drittel (65 Prozent) mit der Digitalisierung intensiver beschäftigt. Jedes vierte Unternehmen verfolgt eine übergreifende Digitalisierungsstrategie. Die übrigen arbeiten zumindest an der digitalen Umsetzung einzelner Prozesse.

Digitale Prozesse steigen mit der Größe der Unternehmen

Je größer das Unternehmen, so die Ergebnisse der Studie, umso wichtiger sind digitale Prozesse. Denn sie stützen nicht nur die traditionellen Stärken des Einzelhandels – Beratung, Service und Kundenbindung – sondern können bestehende Geschäfte zu vernetzten Erlebniswelten veredeln.  

Etwa wenn Kunden im virtuellen Schaufenster des stationären Händlers auch nach Ladenschluss bestellen können und ihnen die Ware anschließend nach Hause geliefert wird. Hervorzuheben ist die Umsetzung automatisierter Prozessketten – von der Beauftragung bis zur abschließenden Auslieferung. Größere Handelsfirmen ab 250 Mitarbeitern erzielen hierbei 56 Punkte. Sie liegen mit zwölf Punkten deutlich über dem Durchschnitt.

65%: Knapp zwei Drittel der Händler haben sich mit dem Thema Digitalisierung intensiver auseinandergesetzt.

Fazit

Erfolge der Internetriesen und Pleiten traditioneller Handelsunternehmen sollten für stationäre Händler ein Weckruf für die digitale Transformation ihres Unternehmens sein. Es zahlt sich aus: Unternehmen mit digitalen Prozessen sind zufriedener mit ihrem Umsatz und erwarten auch deutliche Steigerungen.

Digitalisierungsindex Handel Durchschnittlicher Digitalisierungsgrad des Handels laut Digitalisierungsindex Mittelstand, max. 100 Punkte erreichbar. (© 2017 Telekom Deutschland, techconsult)

 
 

Zu den weiteren Teilen der Serie "Digi-Index" geht's über diese Links

Digi-Index Teil 1: Industrieunternehmen

Digi-Index Teil 3: Transportbranche

Digi-Index Teil 4: Handwerksbetriebe

Digitalisierungsindex Mittelstand: Wie digital sind wir?