Auf den ersten Blick sieht der Ligier EZ10 aus wie eine Skigondel. Weiß gestrichen, Platz für sechs Personen, mit großzügigen Fensterfronten, die Fährgästen einen Rundumblick nach allen Seiten bieten. Doch das Gefährt schwebt nicht über ein verschneites Alpenpanorama, sondern schleicht mit 15 Stundenkilometern durch die Gassen von Bad Birnach, 40 Kilometer südwestlich von Passau. Seit Herbst 2017 kutschiert der autonom fahrende Elektrobus der Deutschen Bahn testweise bis zu sechs Fahrgäste plus Sicherheitsbeauftragten vom Ortskern zum Thermalbad. Seinen Weg findet der Bordcomputer über Laser-Sensoren und Kameras. Springt ein Mensch in den Weg, bremst der Bus sofort ab. Er – beziehungsweise die Künstliche Intelligenz hinter der Fahrzeugsteuerung – wurde so trainiert.

Daten als Futter

Schlauer wird ein solches System, indem Programmierer die Steuerungssoftware permanent mit Daten füttern – im Fall des Ligier EZ10 mit tausenden Bildern von Menschen und Verkehrssituationen. Und gleichzeitig die passenden Befehle einspeichern – etwa „bei Mensch stoppen“. Die Software projiziert diese Bilder auf beliebige Situationen im Straßenverkehr, erkennt automatisch menschliche Silhouetten und weiß: Jetzt muss ich anhalten. Parkt allerdings ein Auto auf der Strecke, ist die Fahrt vorzeitig beendet. Denn einem Fahrzeug ausweichen kann der Bus nicht – weil die Programmierer das der Steuerungssoftware nicht beigebracht haben. Noch nicht.

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Der autonom fahrende Elektrobus Ligier EZ10 zeigt: KI steht vor dem Durchbruch. Laut einer Studie des ITK-Branchenverbands Bitkom zögen mittlerweile sechs von zehn Menschen in bestimmten Situationen –  etwa bei einem Kreditantrag – die Entscheidung einer Künstlichen Intelligenz der eines Menschen vor. „Künstliche Intelligenz hat ein enormes Potenzial, unser Leben zu verbessern“, sagt Bitkom-Präsident Achim Berg. „Sie bietet große Chancen für Unternehmen und hat bereits heute eine erstaunlich hohe Akzeptanz in der Bevölkerung.“

Mit dem Roboter auf Erkundungskurs

Die digitale Dividende

Die digitale Transformation hat den Mittelstand erreicht. 42 Prozent der befragten kleinen und mittelständischen Unternehmen haben die Digitalisierung bereits fest in ihrer Gesamtstrategie verankert. Das zeigt der aktuelleDigitalisierungsindex Mittelstand, eine von der Telekom und dem Analystenhaus techconsult durchgeführte Studie. Der digitale Mehrwert zahlt sich aus: 35 Prozent der Unternehmen gaben an, dass sie durch digitale Helfer ihren Umsatz steigern konnten. Möchten Sie herausfinden, wie digital Ihr Unternehmen ist? Dann machen Sie jetzt den Self Check.

Viele Menschen haben sich damit arrangiert, dass intelligente Maschinen zunehmend Teil unseres  Alltags werden – laut einer aktuellen Umfrage von PWC unter rund 1000 Bundesbürgern finden 88 Prozent den Einsatz Künstlicher Intelligenz nützlich. KI-Systeme werden zudem immer klüger: Auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas im Januar 2018 stellte Honda den Roboter 3E-C18 vor, der kleine Lasten wie etwa Pakete selbstständig ausliefern kann – bis vor kurzem undenkbar, heute aber nicht nur bei Honda in Planung. Der Lieferroboter von Hermes etwa geht täglich mit einem Mitarbeiter auf Erkundungstour. Dabei scannt er seine Umgebung, speichert Informationen über Gehwege und Straßen ab und baut sich so mit jedem Ausflug eine 3D-Welt auf. Auf diese Daten greift er zurück, wenn er später alleine unterwegs ist.

Diagnose aus der Cloud

Auch Krankenhäuser setzen verstärkt auf Rechnerhirne, die immer zuverlässigere Diagnosen stellen. Etwa die Software des Hamburger Startups Fuse-AI, die Radiologen bei der Interpretation der Daten einer Magnetresonanztomographie (MRT) in der Open Telekom Cloud unterstützt. Möglich wurde das, weil die Künstliche Intelligenz hinter der Anwendung mit Beispielbildern und -diagnosen permanent dazulernt. Die MRT-Bilder enthalten in der Lernphase für das Rechnerhirn markierte Bereiche, in denen sich etwa ein bösartiger Tumor versteckt. Die KI speichert diese Information und erkennt den Tumor beim nächsten Bild „alleine“, also auch ohne Markierung. Mit jedem Bild wird die KI schlauer, definiert selbstständig Auffälligkeiten in den Daten und filtert nach dieser ersten Einschätzung nur jene Aufnahmen heraus, die verdächtig sind. „Der größte Vorteil ist die verbesserte Diagnose-Qualität“, sagt Maximilian Waschka, einer der Gründer des jungen Unternehmens. „Denn unser Algorithmus hilft Radiologen dabei, Auffälligkeiten in tausenden Aufnahmen noch zuverlässiger zu erkennen.“

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Wie der E-Bus in Bad Birnach, der bisher gut ankommt bei den Einwohnern. 2018 wird die Deutsche Bahn dort ein weiteres Fahrzeug einsetzen, um die Leistungsfähigkeit und den Umgang mit KI-Systemen noch besser kennen zu lernen und zu trainieren. Bis auch parkende Autos für ihn kein unüberwindliches Hindernis mehr sind.