Das Gasthof „Hotel zur Post“liegt in Erlau an der Donau, nur wenige Kilometer von der malerischen Drei-Flüsse-Stadt in der Nähe von Österreich entfernt: Passau ist ein Touristen-Magnet. Das Hotel zur Post dagegen liegt an der Landstraße gleich neben der Donau. Vor dem Eingang: Reisebusse, deren Fahrer hier übernachten. Draußen stehen auch Motorräder und Fahrräder. Die Wege entlang der Donau sind ein Biker-Paradies. Sie gehen immer tiefer in die Provinz. Hotelier Jakob Waldinsperger führt den Familienbetrieb genau anders herum: ins digitale Zeitalter. Mit kleinen, zu seinem Geschäft passenden Schritten. Sagt er mit Gespräch mit mittelstand DIE MACHER.

mittelstand DIE MACHER: Sie bezeichnen sich auf Ihrer Homepage als ‚Hotelmeister’. Was heißt das?

Jakob Waldinsperger: „Das heißt: Ich bin einer Meister in meinem Beruf. Der Hotelmeister ist das Equivalent zum Handwerksmeister. Wir, das Hotel- und Gaststättengewerbe, sind ja nicht bei den Handwerkskammern sondern bei der IHK angesiedelt. Haben aber anders wie der Handel keine Fachwirte, sondern eben Meister, also Küchenmeister, Restaurantmeister und Hotelmeister.“

Sie digialisieren Ihr Marketing, Ihr Geschäft immer mehr. Was haben Sie schon alles gemacht?

„Ausgangspunkt ist natürlich eine Homepage auf der Höhe der Zeit. Man findet uns auch in den Sozialen Medien, auf Youtube und Facebook. Das ist die neue Kommunikation. Der klassische Hausprospekt ist faktisch tot: Letztes Jahr wollten vielleicht noch fünf Personen so einen gedruckten Prospekt aus Papier. 2013 sind die letzten beim Hochwasser zerstört worden - und die werde ich auch nicht mehr drucken. Kurios dagegen: Visitenkarten sind hingegen nach wie vor sehr populär.“

Wichtig ist natürlich, dass der Kunde uns nicht nur digital wahrnimmt – er muss sofort buchen können. Sprich: Die Prozesse müssen so einfach wie möglich funktionieren. Zimmer, Appartements oder Essensgutscheine – alles online! Wir haben uns sogar ein besonderes Schmankerl ausgedacht: Bei uns kann man Restaurant-Gutscheine per sms verschenken! Da sitzt ein Besuch bei uns einfach lockerer...“

Digitalisierung: Was haben Sie noch vor?

„Politik der kleinen Schritte! WLan haben wir, in der guten Stube und auf allen Zimmern. Ist heute ein Muss! Die Homepage ist Dreh- und Angelpunkt: Die werde ich noch justieren, aber genauso, dass sie zu uns passt. Funktional und inhaltlich. Wichtig ist, dass der Gast bei der Landing-Page alles Wichtige sofort im Blick hat: Charakter des Hauses, einen Eyecatcher, Name, Telefon, E-Mail und Buchungsmöglichkeit. Bei mir kann er alles sofort ansteuern und muss sich nicht erst lange durchklicken.

Hotelmeister Jakob Waldinsperger hat seine Homepage bewusst so konzipiert und lockt somit viele internationale Gäste in sein Gasthaus. Hotelmeister Jakob Waldinsperger hat seine Homepage bewusst so konzipiert und lockt somit viele internationale Gäste in sein Gasthaus. (© 2015 J. Waldinsperger)

Wichtig für mich ist, dass ich mich im Auftritt nicht verbiege: Ich will nicht mit großen feinen Hotels konkurrieren, sondern meine Stärke ist die Gemütlichkeit, ja in gewisser Weise auch ein bisschen die Provinzialität. Oder Bodenständigkeit, wie man will. Ich seh’ mich eben eher als typisch bayrisches Wirtshaus und Hotel. Familiär und gastfreundlich. Aber wichtig: Lederhose UND Laptop. Das kommt gerade bei asiatischen Gästen gut an. Der Look, der zu mir passt, gehört fein austariert – da bin ich gerade dran, das zu optimieren. Und das Layout muss noch benutzerfreundlicher werden, vor allem im Bezug auf kleinere mobile Endgeräte wie Handy oder Tablet. Weil ja immer mehr über´s Smartphone suchen und buchen.“

Hotelmeister Jakob Waldinsperger belegt an einem Ordner: "Papier in der Hotelbuchung stirbt aus." Hotelmeister Jakob Waldinsperger belegt an einem Ordner: "Papier in der Hotelbuchung stirbt aus." (© 2015 J. Waldinsperger)

Gehen bei Ihnen eigentlich noch Fax-Reservierungen ein?

„Früher was unser Buchungssystem ein Buch aus Papier und Pappe. Briefe machten einen Großteil der Korrespondenz aus, Fax war die Nummer 1 bei Firmen. Vier Ordner waren normal im Jahr, da reicht heute locker einer. Der gute alte Brief, das Fax stirbt langsam, aber sicher aus. Selbst Senioren, die selbst keinen Computer haben, reservieren online. Motto: ‚Wissen Sie das hat mein Enkel für mich erledigt!’ Da die Onlinebuchungen immer mehr wurden, musste ich mir die Arbeit erleichtern. Heute führt ein Buchungsmanager verschiedene Online-Vertriebskanäle zusammen und alles fließt direkt in mein Reservierungssystem.“

Und in Facebook sind Sie auch drin...

„Die Mund-zu-Mund Propaganda ist heute durch die sozialen Medien viel lebendiger als früher, auch wenn sich ein Großteil davon heute auf Bewertungsplattformen abspielt. Social Media ist mehr indirekt. Es werden so viele Kleinigkeiten gepostet, die aber am Ende den Leuten gefallen und sie anziehen. Wir merken das, wenn einer nach dem Essen schreibt: ‚Boa, heute gab´s super Kaiserschmarren!’ ..."

Welche Umsatz-Effekte hat Ihr neues Marketing für Sie?

„Das kann ich nicht näher beziffern, aber Ohne würden mir 2/3 des Umsatzes abgehen.“

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