Welche Anforderungen und Erwartungen haben mittelständische Unternehmen an Cloud-Lösungen? Wie beurteilen sie die Hybrid Cloud, die Kombination von Cloud-Nutzung und IT-Eigenbetrieb? Wie wichtig ist externe Unterstützung? Antworten gibt die Studie „Hybrid Cloud im deutschen Mittelstand“, für die PAC-Analysten im Auftrag der Deutschen Telekom IT-Manager, fachliche Leiter und Entscheider aus 205 mittelständischen Unternehmen der Branchen verarbeitendes Gewerbe, Handel und Dienstleistungen befragt haben. Über die aufschlussreichen Ergebnisse der Studie spricht Digitaler Mittelstand mit Peter Arbitter, Leiter Portfolio- und Produktmanagement Geschäftskunden, Telekom Deutschland, und Wolfgang Schwab, Principal Consultant bei PAC.

Herr Schwab, was sind die größten geschäftlichen Herausforderungen in mittelständischen Unternehmen?

Wolfgang Schwab: An erster Stelle stehen die sich verändernden Kundenanforderungen in Zeiten zunehmender Digitalisierung –  diese Einschätzung äußern rund 63 Prozent aller Unternehmen. Besonders wichtig ist das Thema für den Handel (67 Prozent) und den Dienstleistungsbereich (73 Prozent). An zweiter Stelle folgen knappe personelle IT-Ressourcen und der IT-Fachkräftemangel mit 54 Prozent. Herausforderung Nummer drei ist der steigende Innovationsdruck durch immer kürzere Innovationszyklen und höhere Innovationsgeschwindigkeiten – das sagt rund die Hälfte der Befragten (52 Prozent).

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Inwiefern tragen nach Ansicht der Unternehmen Cloud-Lösungen dazu bei, diese Herausforderungen zu meistern?

Wolfgang Schwab: Fast zwei Drittel der Unternehmen (64 Prozent) glauben, dass Cloud Computing viel dazu beitragen kann, um die wichtigste Herausforderung der sich wandelnden Kundenanforderungen zu meistern. Diese Einschätzung kann PAC nur teilen, da sich Anwendungen und Systeme auf hybriden Cloud-Systemen in der Regel einfacher und schneller an neue Gegebenheiten anpassen lassen. Dasselbe gilt für das Erschließen neuer Wertschöpfungspartnerschaften und den Umgang mit steigendem Innovationsdruck – hierbei erwarten jeweils 57 Prozent der Befragten zählbare Unterstützung durch Cloud Computing.

Wie verbreitet ist aktuell die Nutzung von Cloud-Diensten in den von Ihnen befragten Unternehmen?  

Wolfgang Schwab: Generell sind Cloud-Lösungen in 85 Prozent der befragten Unternehmen zumindest teilweise im Einsatz. 27 Prozent haben einen IT-Dienstleister gefunden, mit dem sie den Weg in die Cloud beschreiten wollen. 42 Prozent sind noch auf der Suche nach einem geeigneten Partner für ihre Cloud-Transformation.

Hier gelangen Sie zum Download der PAC-Studie „Hybrid Cloud im deutschen Mittelstand

Und welche Cloud-Variante ist die beste Lösung für den Mittelstand?

Definition Hybrid Cloud

 

Unter Cloud-Lösungen versteht PAC die Bereitstellung von IT-Anwendungen und/oder -Infrastruktur über das Internet und einen externen Dienstleister, unabhängig davon, ob diese dediziert für ein Unternehmen (Private Cloud) oder für mehrere Kunden (Multi-Tenant/Public Cloud) bereitgestellt werden.

Unter Hybrid Cloud versteht PAC die Nutzung von Cloud-Lösungen in Kombination mit vor Ort betriebenen Technologien (On-Premises).

 

Individuelle IaaS- und PaaS-Lösungen – Telekom Cloud

Wolfgang Schwab: Hybrid Cloud ist das führende Modell – derzeit und auch in Zukunft. Dies wird sehr deutlich, wenn man die Bedeutung der hybriden Cloud-Nutzung im Vergleich zu einer ausschließlichen Cloud- und Vor-Ort-Nutzung betrachtet: Nur noch 13 Prozent der Befragten betreiben ihre IT ausschließlich On Premise, zwei Prozent haben komplett auf Cloud umgestellt, und die große Mehrheit von 85 Prozent kombiniert beide Betriebsarten in einem Hybrid-Modell. Offenbar decken Hybrid-Cloud-Lösungen den Kundenbedarf der untersuchten Branchen also sehr gut ab, da dies der offenkundig bevorzugte IT-Betriebsmodus ist.

Herr Arbitter, worauf lässt sich das zurückführen?

Peter Arbitter: Unternehmen wollen häufig noch Teile ihrer Infrastruktur bei sich vor Ort betreiben, wie etwa die Datensicherung oder andere unternehmenskritische Anwendungen, gleichzeitig und in anderen Bereichen aber auch die Vorteile der Cloud nutzen, beispielsweise im Bereich Webhosting. Das heißt natürlich auch, dass ihr potenzieller IT-Dienstleister in der Lage sein muss, alle drei Varianten (Vor-Ort-Betrieb, Private Cloud und Public Cloud) zu unterstützen und den Betrieb transparent sicherzustellen.

Welche weiteren Kriterien müssen externe Dienstleister erfüllen, um Unternehmen bei der Umsetzung einer Cloud-Lösung behilflich sein zu können?

Peter Arbitter: Die große Mehrheit der befragten Unternehmen misst Leistungen wie Beratung, Systemintegration, aber auch Schulungen große Bedeutung bei. Als sehr wichtig oder wichtig betrachten sie auch Praxisbeispiele von Unternehmen aus der gleichen Branche und der gleichen Größenklasse. Dies deckt sich mit unseren Erfahrungen aus der Praxis.

Gibt es auch K.O.-Kriterien?

Peter Arbitter: Definitiv: Für 74 Prozent der befragten Unternehmen sind Sicherheitszertifizierungen nach deutschen Standards unverzichtbar. Ähnlich sieht es bei der Standortfrage aus: Insgesamt 61 Prozent halten ein Rechenzentrum in Deutschland für elementar.

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Herr Schwab, für welche IT-Anbieter entscheiden sich Unternehmen dann in der Regel?

Wolfgang Schwab: Für 72 Prozent der Befragten ist das lokale Systemhaus der zentrale Ansprechpartner, dicht gefolgt von Standard-Softwareanbietern inklusive Partnern (69 Prozent) und Telekommunikationsanbietern (67 Prozent).

Abgesehen von der Wahl des richtigen Partners: Wo drückt der Schuh beim Thema Hybrid Cloud am meisten, Herr Arbitter?

Peter Arbitter: Offenbar vor allem bei der Breitbandanbindung – ein elementarer Bestandteil jedes Cloud-Projekts. Insofern wird der Telekommunikationsanbieter erster Ansprechpartner für die Umsetzung, da er zusammen mit seinen Partnern in der Lage ist, eine Cloud-Lösung mit dem dafür geeigneten Kommunikationsanschluss im Paket anzubieten.

Wolfgang Schwab: Das zeigt sich auch daran, dass 46 Prozent der befragten Unternehmen die mit der Hybrid Cloud einhergehenden Anforderungen an das Netzwerk als großes Hemmnis betrachten. Für 74 Prozent gehört die Herstellung der Cloudfähigkeit einschließlich Netzwerk und Internetanbindung zu den wichtigsten Kriterien bei der Partnerwahl.

Peter Arbitter: Auch bei diesem Punkt haben wir ähnliche Rückmeldungen von unseren Kunden bekommen.

Welche weiteren Knackpunkte sind bei Hybrid-Cloud-Lösungen zu beachten?

Peter Arbitter: Neben Integrationsfragen und den bereits angesprochenen erhöhten Anforderungen an das Netzwerk (LAN und WAN) sind Fragen zum Thema Sicherheit und Compliance oft ein Knackpunkt. All diese Hürden lassen sich jedoch mit dem richtigen Partner überspringen.

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Herr Schwab, welche Vorgehensweise empfehlen Sie Unternehmen ganz konkret?

Wolfgang Schwab: Auch kleine und mittlere Unternehmen benötigen eine IT-Strategie und sollten diese in Einklang mit ihren Unternehmenszielen und unter Berücksichtigung neuer Technologien wie beispielsweise Hybrid-Cloud-Services formulieren. Vor einer Anpassung des Betriebsmodells gilt es zudem die Anwendungslandschaft zu konsolidieren und zu prüfen, welche Anwendungen sich wirtschaftlich sinnvoll in einem Software-as-a-Service-Modell nutzen lassen. Auch Netzwerke (LAN/WAN) und Internetzugänge sollten Unternehmen auf ausreichende Bandbreiten prüfen. Hier sollte der bevorzugte Telekommunikationsanbieter der erste Ansprechpartner sein.

Betriebsmodell Hybrid Cloud – ein Einsatzbeispiel

Eine Hybrid-Cloud-Lösung ist vor allem dann ratsam, wenn Anforderungen mit einer On-Premises-Lösung schwer abzubilden und mit hohen Kosten verbunden sind. Vorteil der Hybrid-Lösungen mit Public-Cloud-Anteilen: Da sie hoch skalierbar sind, lassen sich auch kurzfristige Ressourcen-Anforderungen erfüllen.

Ein Beispiel: Müssen Daten aus Compliance-Gründen lokal im Unternehmen gespeichert werden, lässt sich dies via Hybrid Cloud umsetzen. Während die Datenbank lokal oder in der Private Cloud betrieben wird, stellt eine Public Cloud die zugehörigen Web-Applikationen für alle Nutzer an allen Standorten weltweit bereit. Zusätzliche Ressourcen lassen sich bei Bedarf über die Public Cloud jederzeit dazu buchen und eventuelle Lastspitzen ohne Probleme abfedern.

Managed IT Services aus der Private und Hybrid Cloud