Der Magen knurrt, der Kühlschrank ist leer – doch ein freier Tisch für zwei im Szene-Bistro um die Ecke ist schnell per App gebucht. Als das Pärchen eine Stunde später das Lokal betritt, vermerkt die Service-Kraft im System dessen Ankunft. Das Essen und die Getränkebestellung nimmt die Bedienung über ein Smartphone entgegen; langes Warten entfällt. Das System behält dabei den Vorrat an Zutaten in der Küche im Blick und warnt die Köche, sobald sich etwas dem Ende zuneigt. Und auch die Bezahlung läuft digital, inklusive Verbuchung des Trinkgelds.

Die Kasse unter Kontrolle, Lagerbestände im Blick, vorbereitende Buchhaltung; alles digital – was für viele noch wie Zukunftsmusik klingen mag, soll in Kneipen, Frisörsalons oder Handwerksbetrieben bald zum Alltag gehören. Denn die Deutsche Telekom und das Unternehmen enfore präsentierten auf der diesjährigen IFA in Berlin eine Lösung, die solchen kleinen Unternehmen das Tor zur Digitalisierung öffnen soll. Ein Markt mit großem Potenzial: Laut Statistischem Bundesamt gibt es allein in Deutschland knapp 3,2 Millionen Unternehmen mit weniger als neun Mitarbeitern – das sind 90 Prozent aller Unternehmen hierzulande.

Gleichzeitig erobern große Unternehmen immer mehr Marktanteile und verdrängen kleine Anbieter – eine Entwicklung, die durch die Digitalisierung eher noch verstärkt wird. Auch, weil Konzerne mehr Mittel haben, um etwa in automatisierte Lagerhaltung, IT-gestützte Ressourcenplanung, digitale und teilautomatisierte Verwaltung oder personalisierte Kundenansprache zu investieren. Kleine Unternehmen dagegen verfügen in der Regel über keine eigene IT-Abteilung oder Budgets, um in solche digitalen Lösungen investieren zu können. Über ERP- oder CRM-Lösungen auch nur nachzudenken, bedeutet für Frisöre, Kneipiers oder Fachhändler oft schon Luxus.

„Über die Idee denke ich schon seit über 20 Jahren nach“, sagt Marco Börries, 49, als er mit Telekom Manager Hagen Rickmann auf der IFA-Bühne über sein jüngstes Unternehmen spricht: enfore. Es ist das vierte Unternehmen des legendären Internet-Entrepreneurs, der schon als 16-Jähriger mit Star Division in seinem Kinderzimmer in Lüneburg eine Bürosoftware entwickelte. Sein Ziel damals: Nichts weniger als die Vormachtstellung von Microsoft anzugreifen. Als er das Programm 15 Jahre später an Sun Microsystems verkauft, ist er Anfang 30, auf einen Schlag Multimillionär und einer der Stars der Internet-Branche. Er gründet und verkauft zwei weitere Startups, bevor er sich 2009 an seine nächste Neugründung macht – mit dem pragmatischen Arbeitstitel Number Four. Die Geschäftsidee: eine Softwareplattform, die kleinere Unternehmen bei Entwicklung, Vertrieb und Marketing unterstützen soll. Acht Jahre des Nachdenkens und Programmierens und 50 Millionen Euro Risikokapital später hat er ein System entwickelt, das Einzelhändlern, Gastronomen und Dienstleistern zu einer digitalen Revolution verhelfen soll.

Acht Jahre Geheim-Entwicklung

Kern der neuen Lösung ist ein sogenanntes Point of Sale (POS)-Terminal inklusive Kassensystem. Über einen digitalen Touchscreen bekommt der Nutzer Zugang zu einem kompletten Ökosystem an Softwaremodulen. Dazu zählen etwa ein Tool für Restaurants, mit dem Gäste online Tische reservieren können, oder ein Warenwirtschaftssystem mit angeschlossenem Online-Shop, das Material automatisch nachbestellt, bevor es zur Neige geht. Oder eine Marketing-Software wie ein Customer Relationship Management (CRM)-System, das Stammkunden erkennt und individuelle Rabatte automatisch direkt an der Kasse offeriert. „Eine Komplettlösung“, sagt Börries, „die für alle sogenannten Verticals funktioniert und dabei sämtliche Geschäftsprozesse abbildet.“

Schulterschluss mit der Telekom

Die Telekom stellt ihr Netz bereit, stellt den Service und Support durch POS-Spezialisten sicher und wird das Ganze als Komplettlösung unter dem Namen MagentaBusiness POS als weltweit erstes Unternehmen im Rahmen der Kooperation vertreiben: Ab dem 22. September 2017 wird MagentaBusiness POS in ausgewählten Telekom Shops, über die Telefon-Hotline, im Telekom Vertrieb und im Online-Shop der Telekom verfügbar sein. „Die Kooperation mit enfore ist für die Telekom ein wichtiger Meilenstein im Rahmen der Partnerstrategie des Konzerns“, sagte Hagen Rickmann auf der IFA. „Wir kombinieren unsere horizontale Stärke – das beste Netz, unseren Service und unsere Vertriebskraft, mit den vertikalen Stärken der Partner, die Lösungen entwickeln, die genau auf die Bedürfnisse spezifischer Kundengruppen zugeschnitten sind. Und davon profitieren unsere Kunden.“

MagentaBusiness POS ist die digitale Komplettlösung für kleine Unternehmen mit Ladengeschäft im Einzelhandel, Gastgewerbe oder Dienstleistung. MagentaBusiness POS ist die digitale Komplettlösung für kleine Unternehmen mit Ladengeschäft im Einzelhandel, Gastgewerbe oder Dienstleistung. (© 2017 Michael H. Ebner)

Kernzielgruppe der Lösung sind Unternehmen aus den Branchen Gastronomie, Einzelhandel oder dem Dienstleistungssektor. Dazu zählen beispielsweise Frisöre oder Kneipenwirte. „Nicht jedes Unternehmen hat ein digitales Geschäftsmodell. Aber jedes Unternehmen profitiert von der Digitalisierung“, sagt Rickmann. „Denn auch Frisöre haben eine Kasse, bestellen regelmäßig Waren, müssen eine vorbereitende Buchhaltung machen oder betreiben eine Website. Und so geht es den meisten kleinen Unternehmen; vom Bäcker über die Kneipe bis zum Metzger.“

IFA-Besucher können die Produkte und Services von MagentaBusiness POS am Messestand der Telekom noch bis zum 5. September in Augenschein nehmen.

Digitalisierung für Frisör, Kneipe & Co.: MagentaBusiness POS

MagentaBusiness POS stellt kleinen Unternehmen aus den Branchen Dienstleistungen, Gastronomie und Einzelhandel digitale Werkzeuge zur Verfügung, die ihren Geschäftsalltag leichter und effizienter machen. Herzstück ist ein sogenanntes integriertes Point of Sale/Service-Terminal mit integriertem, GoBD-konformen Kassensystem, das ab dem 22. September exklusiv im Telekom Online-Shop oder in ausgewählten Telekom Shops erhältlich sein wird. Die Lösung besteht aus einem Touchscreen inklusive Kassensystem, integriertem Kartenterminal und branchenspezifischen Softwaremodulen, die lokale Geschäfte bei allen Arbeitsschritten von der Warenwirtschaft über die Abrechnung bis hin zur Kundenbindung digital unterstützen. Dazu zählt zum Beispiel ein Tool für Restaurants, mit dem sie Tischreservierungen online per OpenTable entgegennehmen können. Oder ein Warenwirtschaftssystem mit angeschlossenem Online-Shop, das Material automatisch nachbestellt, bevor es zur Neige geht. Oder eine Marketingsoftware wie ein Customer Relationship Management (CRM)-System, das Stammkunden erkennt und individuelle Rabatte automatisch direkt an der Kasse offeriert. Auf diese Weise soll MagentaBusiness POS für weniger lästige Büroarbeit, besseren Service für Kunden kleiner Unternehmen, mehr Effizienz und einen besseren Überblick sorgen.