Interview: Benjamin Aunkofer

Die Elabo GmbH aus Crailsheim ist Spezialist für intelligente Lösungen zur Gestaltung individueller Arbeitsplätze sowie Montage- und Prüfanlagen in der industriellen Serienfertigung. Geschäftsführer Thomas Hösle beschäftigt sich seit seinem Wechsel zu Elabo Mitte 2013 intensiv mit dem digitalen Wandel und treibt im Umfeld von Industrie 4.0 vor allem die Vernetzung der Produktion voran. Für die digitale Kommunikation setzt das Unternehmen dabei auf die Services der Deutschen Telekom.

Herr Hösle, Ihr Unternehmen hat sich eine Nischenposition in der Industrie 4.0 erarbeitet, in der Sie weltweit führend sind. Wie haben Sie die Mitarbeiter vom Wandel überzeugt?

Die internen Hürden waren für uns gar nicht so gravierend, da wir uns schon lange vor der „Erfindung“ der Begrifflichkeit „Industrie 4.0“ auf der Hannover Messe 2013 mit digital vernetzten Lösungen für einen Teil unserer Klientel beschäftigten und somit den „Proof of Concept“ schon erbracht haben. Vor echte Herausforderungen stellt uns aber die Überzeugungsarbeit vieler angestammter KMU, gemeinsam mit uns die Reise nach „Digitalien“ – zumindest als sanfte Revolution – anzutreten. Hier haben wir es sehr oft mit mentalen Hürden zu tun.

Elabo-Zentrale in Crailsheim: Der Mittelstand ist nicht rückständig oder innovationsavers, aber konservativ. (© 2017 Elabo)

Mittelständler klagen bisweilen über mangelnde Unterstützung der Politik auf dem Weg zur Industrie 4.0. Steht der produzierende Mittelstand in der digitalen Transformation alleine da, oder gibt es Programme der Bundesregierung, die Sie für sinnvoll erachten?

Ohne alle Programme des Bundes oder der Länder zu kennen, denke ich doch, dass inzwischen eine Vielzahl von konkret nutzbaren Fördermöglichkeiten existiert. Beispielhaft möchte ich nur die sehr lobenswerte Initiative der „Allianz Industrie 4.0“ in Baden-Württemberg nennen, die mit ihrem „Scouting-Programm“ eine professionelle Erstberatung für KMU anbietet. Gerade diese Initialzündung ist aus meiner Sicht so wichtig, um mittelständische Entscheidungsträger zielgerichtet durch den Dschungel der vielfältigen Industrie-4.0-Angebote zu führen, um sich auf diejenigen Themen zu konzentrieren, die dem jeweiligen KMU einen konkreten Nutzen bringen.

Elabo-Geschäftsführer Thomas Hösle: erfolgversprechende Perspektiven auf der Reise nach „Digitalien“ (© 2017 Elabo)

Dem deutschen Mittelstand wird häufig vorgeworfen, neue technologische Entwicklungen nicht hartnäckig genug zu verfolgen. Wie schaffen Sie den Spagat, neue Möglichkeiten auszuprobieren, ohne sich finanziell und organisatorisch zu übernehmen?

Der Mittelstand ist sicher nicht rückständig oder innovationsavers, aber er ist konservativ. Wir von Elabo sind daher Fans des „Sandbox“-Ansatzes. Sinngemäß geht es hierbei um die spielerische Entwicklung neuer Anwendungen durch Versuch und Irrtum. Wir haben auch gute Erfahrungen damit gemacht, einen bestimmten, auch finanziellen Rahmen vorzugeben, innerhalb dessen frei experimentiert werden darf. Wenn sich daraus erfolgversprechende Perspektiven ergeben, wird weiter investiert, andernfalls „frühzeitig“ abgebrochen, um nicht unnötig Geld- und Zeitressourcen zu verschwenden.

Sie machten Elabo von einem traditionellen Unternehmen der industriellen Arbeitsplatzgestaltung zu einem Pionier der Arbeitsplatzvernetzung. Dazu entwickelten Sie auch ein eigenes Informationssystem, und Ihre Mitarbeiter wurden mit Softwarekonzepten und Datenbanktechnologien konfrontiert. Hätten Sie die Software-Entwicklung nicht an einen Drittanbieter auslagern können?

Im Prinzip ja. Wir haben aber sehr früh den Trend erkannt: „Software eats all.“ Deshalb haben wir den systematischen Aufbau einer eigenen Softwaretruppe bereits seit den Achtzigerjahren vorangetrieben. Was uns aber nicht davon abhält, mit kompetenten Softwarepartnern zu kooperieren, um von deren Know-how zu profitieren.

Die Zweifler der Industrie 4.0 sorgen sich um die Datensicherheit. Was ist Ihre Antwort darauf?

Sicherheit von Daten und Netzwerkverbindungen ist sicher eine elementare Voraussetzung für die Umsetzung von smarten Digitallösungen einer „Connected Industry“. Aber eben eine Voraussetzung und kein Hinderungsgrund! So, wie wir uns um die Sicherheit der Stromversorgung oder des Flugverkehrs kümmern, so müssen wir auch das Thema Cybersicherheit als permanente Herausforderung betrachten, die es aktiv zu managen gilt. Ich muss als KMU bereit sein, für das Höchstmaß an Datensicherheit die entsprechenden finanziellen Ressourcen bereitzustellen und mit absoluten Profis – intern und extern – zusammenzuarbeiten. Wir profitieren bei unseren Lösungen von der Einbindung in die euromicron-Gruppe, die ja seit vielen Jahren als Experte für sichere und performante Netzwerke eine führende Rolle in Deutschland einnimmt, sowohl im industriellen Umfeld als auch bei sogenannten „kritischen“ Infrastrukturen, zum Beispiel Verkehrsnetzen oder Stromversorgung. Die positive Botschaft lautet also: Ja, es gibt Lösungen zur Erreichung eines Höchstmaßes an Cybersicherheit!

Der Autor:

Benjamin Aunkofer ist Co-Gründer des Verbandes für Digitalisierung und Vernetzung Connected Industry sowie Lehrbeauftragter für Data Science und Data Strategy an der HTW Berlin. Aunkofer betreibt auch den „Data Science Blog“ (https://data-science-blog.com).

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