Johari-Fenster kann Konflikten am Arbeitsplatz vorbeugen

Selbstbild und Fremdbild von Kollegen klaffen oft weit auseinander. Vor allem Führungskräfte bewerten ihr Führungsverhalten meist positiver, als es von anderen wahrgenommen wird, wie eine repräsentative Studie im Auftrag der Initiative Zukunftsfähige Führung ergeben hat. Das kann zu Konflikten am Arbeitsplatz führen.

Hier setzt das sogenannte Johari-Fenster an, benannt nach den Vornamen der Entwickler Joseph Luft und Harry Ingham. Es handelt sich um ein bereits 1955 entworfenes Modell, mit dem Mitarbeiter mehr übereinander herausfinden können. Selbst- und Fremdwahrnehmung werden im Johari-Fenster abgeglichen, mit dem Ziel, die Zusammenarbeit zu verbessern.

Johari-Fenster: Kenne dich selbst, arbeite besser. Johari-Fenster: Kenne dich selbst, arbeite besser. (© 2017 Shutterstock / Antonio Guillem)

Aufbau des Johari-Fensters

Das Johari-Fenster, auch Johari-Modell oder Johari-Gitter genannt, stellt Fremd- und Selbstwahrnehmung gegenüber. Grafisch wird es in vier Einzelfenstern dargestellt, die die Unterschiede verdeutlichen sollen:

  • Fenster 1: öffentliche Person
  • Fenster 2: blinder Fleck
  • Fenster 3: persönliche Geheimnisse
  • Fenster 4: Unbekanntes

Die Einteilung zeigt, dass es Verhaltensweisen gibt, die Personen selbst gar nicht bewusst sind, von anderen aber wahrgenommen werden. Auf der anderen Seite bleiben Bereiche der eigenen Wahrnehmung anderen verborgen.

Fenster 1: Selbstbild und Fremdbild stimmen überein

Im ersten Fenster stehen all die Dinge, in denen Selbstbild und Fremdbild übereinstimmen. Es beschreibt die öffentliche Person: Charakter- oder Arbeitseigenschaften, die der Person selbst und auch den anderen bewusst sind. Wer beispielsweise sehr gewissenhaft arbeitet, dafür aber relativ viel Zeit benötigt, weiß das in der Regel genauso wie seine Mitarbeiter. Die Erwartungshaltung beider Seiten stimmt überein. Ähnlich verhält es sich mit besonderem Fachwissen auf einem Gebiet: Beide Seiten sind sich der Stärken bewusst.

Fenster 2: Eigenschaften, die der Person nicht bewusst sind

Im zweiten Fenster sammeln sich die Eigenschaften, die von der Person selbst nicht wahrgenommen oder erkannt werden, anderen aber sehr wohl bewusst sind. Es handelt sich also um eine Art blinden Fleck der eigenen Persönlichkeit. Das können Aspekte der Mimik oder Gestik sein, die dem Mitarbeiter selbst nicht auffallen, von anderen aber beispielsweise als Unsicherheit ausgelegt werden. Oder eine Person wirkt auf andere einschüchternd, ist sich dieser Dominanz aber in keiner Weise bewusst.

Fenster 3: Eigenschaften, die nicht preisgegeben werden sollen

Das dritte Fenster steht im Gegensatz zum ersten Fenster: Hier geht es um die nicht öffentlichen, also privaten Eigenschaften oder Geheimnisse, die nicht preisgegeben werden sollen. Diese sind dem Mitarbeiter sehr wohl bewusst, Kollegen sollen sie jedoch nicht erfahren. Das können Schwächen sein, die jemand so lange wie möglich für sich behalten möchte, oder auch persönliche Vorlieben oder Ansichten, die nicht die große Runde machen sollen. Je mehr Vertrauen untereinander herrscht, desto kleiner wird dieser Bereich.

Fenster 4: Eigenschaften, die niemandem zugänglich sind

Im vierten Fenster werden schließlich die Eigenschaften gesammelt, die weder der Person selbst noch anderen bewusst und dadurch unbekannt sind. Das können verborgene Talente sein oder auch unbewusste Erinnerungen, die in ihr schlummern, aber bisher nicht an die Oberfläche getreten sind. Sie sind meist schwer zu erkennen. Hilfreich kann es sein, Feedback von anderen Personen genau zu reflektieren, sich mit neuen Dingen zu beschäftigen und öfter einmal über den eigenen Schatten zu springen.

Wer sich selbst reflektiert und Feedback annimmt, kann den blinden Fleck der eigenen Persönlichkeit reduzieren. Wer sich selbst reflektiert und Feedback annimmt, kann den blinden Fleck der eigenen Persönlichkeit reduzieren. (© 2017 Shutterstock / marvent)

Ziele des Johari-Fensters

Das erste Ziel des Johari-Fensters ist es, sich seiner Eigenschaften in diesen vier Bereichen bewusst zu werden und in der Folge das erste Fenster, also den öffentlichen Bereich, zu vergrößern. Die Eigenschaften im zweiten und dritten Fenster sollen möglichst verringert werden. Denn in Unternehmen funktioniert die Zusammenarbeit zwischen mehreren Personen meist besser, wenn sie mehr übereinander wissen. Nicht nur das Team kann vom Johari-Fenster profitieren, sondern auch der Einzelne. Für die persönliche Weiterentwicklung sind das zweite und das vierte Fenster von besonderer Bedeutung.

Geeignete Maßnahmen, um diese Ziele zu erreichen, sind vor allem:

  • Feedback geben und annehmen
  • Sich selbst öffnen und mitteilen
  • Über den Tellerrand hinausblicken

Wer Feedback erhält, erfährt oft Dinge über sich, die ihm vorher nicht bewusst waren – dadurch verringert sich der blinde Fleck aus Fenster zwei. Wer weniger Geheimnisse vor seinen Kollegen hat, offenbart sich und erntet oft mehr Verständnis für sein Handeln oder erfährt Unterstützung, um gemeinsam an Schwächen arbeiten zu können. Und nur wer offen ist für Neues, sich fortbildet und die eigene Persönlichkeit reflektiert, wird bisher unbekannte Talente in sich entdecken können.

Checkliste: Das Johari-Fenster im Überblick

  • Das Johari-Fenster stellt Fremd- und Selbstwahrnehmung gegenüber.
  • Es teilt Verhaltensweisen und Eigenschaften in vier Fenster auf: öffentlich, unbewusst, geheim und unbekannt.
  • Ziel ist es, den öffentlichen Bereich zu vergrößern, um die Teamarbeit zu verbessern.
  • Wichtigste Maßnahmen sind, Feedback zu geben und anzunehmen sowie sich selbst mehr zu öffnen und mitzuteilen.