Gemeinschaftsunternehmen: So gewinnen Sie den Wettbewerb

Sogenannte Joint Ventures eignen sich nur für Großkonzerne? Weit gefehlt. Gemeinsam mit einem Geschäftspartner ein Produkt herzustellen oder zu vermarkten, klappt auch im Mittelstand.

Der Vorgang ist denkbar einfach: Firmen aus dem Inland und dem Ausland tun sich zusammen, gründen gemeinsam eine neue Gesellschaft oder koordinieren ihre Bemühungen. Zum Beispiel um ein bestimmtes Produkt herzustellen.

Warum es funktionieren kann, zeigt ein genauer Blick auf die Abgrenzung des Begriffes. Es gibt zwei Formen, die Equity Joint Ventures und die Contractual Joint Ventures:

  • Bei ersterer Gestalt übernehmen alle Partner – es sind mindestens zwei – das finanzielle Risiko sowie die Führungsverantwortung. Gemeinsam wird ein neues Unternehmen gegründet.
  • Werden Kosten und Verantwortungen zwar vertraglich aufgeteilt, aber kein eigenes Neuunternehmen aufgebaut, sprechen Experten von der zweiten Variante.

Beide Arten bedeuten für Sie keine kurzfristige strategische Allianz, sondern eine langfristige Geschäftsbeziehung.

Worst-Case-Scenario: Die Nachteile für beteiligte Unternehmen

Wir wollen Ihnen nicht die Nachteile von Joint Ventures verschweigen.

  • Zuerst ein Blick auf die Zusatzkosten. Die Unternehmenskooperation ist eine Investition und hat demnach ihren Preis.
  • Sie haben einen immensen Organisationsaufwand. Von der ersten Kontaktaufnahme mit Ihrem Partner, über die Klärung der rechtlichen Dimension, bis zum Verkauf des Produktes steht Ihnen eine Herkulesaufgabe bevor.
  • Know-how ist das Alleinstellungsmerkmal des Mittelstands. Im Ausland verlieren Sie allerdings unter Umständen die Kontrolle darüber und Ihr Wissen wird anders genutzt, als gedacht.
  • Auch Ihre Betriebsgeheimnisse werden, jedenfalls zum Teil, offengelegt.
  • Entscheidungen werden schwieriger. Sie spielen bei einem Joint Venture im Team, daher treffen Sie die Entscheidungen nicht mehr im Alleingang.

Synergieeffekt: Das haben Sie von einem Joint Venture Agreement

Doch lassen Sie sich nicht unbedacht abschrecken, denn in der Unternehmenskooperation stecken genauso Chancen. Welche das sind?

  • Trotz Ihres Investitionsaufwands sinken die Kosten. Sie produzieren mit Ihrem Partner in größeren Mengen als solo und Sie stellen eine breitere Produktpalette her.
  • Sie nehmen nur einen Teil des Risikos auf Ihre Schultern. Krisen sind leichter abzuwehren, Sie reagieren weniger anfällig auf schlechte Märkte und verlassen sich auf größere Stabilität.
  • Ihr Know-how bekommt einen Schub. Sie profitieren von Fachkräften und Wissen Ihres Partners. Im Normalfall bekommen Sie beide Ressourcen nur mit großer Anstrengung.
  • Sie haben einen besseren Zugang zum Markt. Ihr Partner im Ausland sitzt bereits an der richtigen Stelle, wo Sie sich erst etablieren müssten. Das Ganze funktioniert selbstverständlich auch umgekehrt: Wenn Sie mit einem Kompagnon heimische Absatzgebiete erobern wollen, öffnen Sie die Türen.
  • Die Qualität Ihrer Produkte steigt. Arbeiten beide Parteien effektiv und effizient zusammen, entstehen ungeahnte Optimierungsmöglichkeiten an vielen Stellen der Wertschöpfungskette. Zudem lassen sich Einsparungen gegebenenfalls in das Joint Venture reinvestieren.

Joint Venture: Diese Firmen setzen auf gemeinsame Stärke

Schwellenländer haben sich als lohnende Ziele vieler Unternehmenskooperationen herausgestellt. China wirkt für den deutschen Mittelstand beispielsweise attraktiv, wie wir in unserem Text Studie: Chinas Provinzen locken Mittelstand darstellen.

  • Ein aktuelles Beispiel: Das schwächelnde Telekommunikationsunternehmen Nokia hat in diesem Jahr bekannt gegeben, ein Joint Venture in China zu gründen. Name des Unternehmens sei Nokia Shanghai Bell. Damit versprechen sich die Finnen nicht nur höhere Gewinne, die Unternehmenskooperation ist zudem strategisch und soll den Weg zur Übernahme von Alcatel Lucent ebnen. Mehr dazu weiß die "Computerwoche".
  • Auch die deutsche Börse möchte nach China. Zusammen mit der Shanghai Stock Exchange (SSE) und der China Financial Futures Exchange (CFFEX), soll ein Joint Venture auf den Weg gebracht werden, berichtet das "Handelsblatt". Die Finanzexperten wollen einen neuen Markt erobern.
  • Joint Venture und Unternehmenskooperation spielen auch beim Traditionsunternehmen Siemens eine Rolle. Gemeinsam mit dem japanischen Konzern Mitsubishi Heavy Industries wurde Anfang des Jahres Primetals Technologies gegründet. Die Beteiligten kombinieren damit ihr Know-how, wie es in einer Pressemitteilung von Siemens heißt.

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