E.ON: Der wankende Riese

"Atomkraft, nein danke!", so lautet neuerdings das Credo von E.ON. Der Stromkonzern macht Schluss mit konventioneller Energieerzeugung und spaltet mit den Gas-, Kohle- und Atomkraftwerken sein ureigenes Kerngeschäft ab. Der Riese, der mit einem Jahresumsatz von 122 Milliarden Euro zu den umsatzstärksten Unternehmen in Deutschland gehört, geriet zuletzt ins Wanken. Seit ein Überangebot an subventioniertem Ökostrom die Preise auf dem Großmarkt drückt, fällt der Gewinn des Stromkonzerns mit 2,5 Milliarden mager aus. Dies spiegelt sich auch in den roten Zahlen wider: Ganze 31 Milliarden Euro Schulden lasten mittlerweile auf den Schultern des Unternehmens. Höchste Zeit, Ballast abzuwerfen. So sah es auch Vorstandschef Johannes Teyssen, der Ende 2014 eine Umstrukturierung ankündigte: Kerngeschäft sollen in Zukunft die erneuerbaren Energien sein, hinzu kommen nach Berichten der "Zeit" Investitionen in Energienetze und Kundenlösungen. Auch wenn Umweltschützer Zweifel hegen – den Aktionären gefällt's: Seit Ankündigung der Umstrukturierung haben die Wertpapiere an der Börse deutlich zugelegt.

Bayer pflügt Geschäftsfelder um

Eine starke Ernte konnte der Pharmakonzern Bayer auch 2014 wieder einfahren: 3,2 Milliarden Nettogewinn machte das Unternehmen, das mit einem Börsenwert von 100 Milliarden Euro als der wertvollste deutsche Aktienkonzern überhaupt gilt. Für Chef Marijn Dekkers kein Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Zusammen mit Innovationsvorstand Kemal Malik kündigte der Chemiker eine Umstrukturierung des Kerngeschäfts an, so die "Welt". Die Sparten Gesundheit und Agrar sollen ausgebaut – die Kunststoffherstellung bis 2016 über die Börse verkauft werden. Warum? Die Sparte Material Science macht zwar ein Drittel des Umsatzes aus, bringt jedoch nur zehn Prozent des Gewinns ein. Im Life-Science-Bereich mit den Sparten Gesundheit und Agrar sieht der Konzern mehr Wachstumspotenzial und fördert 50 Forschungsprojekte des zukünftigen Kerngeschäfts mit 3,3 Milliarden Euro.

Umstrukturierung bei BHS: Kampf mit Phantomschmerzen

Wer sich aufs Kerngeschäft konzentrieren will, muss sich trennen – und das kann schmerzhaft sein. Diese Erfahrung hat auch das Speditions- und Logistikunternehmen BHS aus Bremen gemacht. Der mittelständische Betrieb befindet sich seit 2012 in der Umstrukturierung und trennt sich radikal von "schlechten, unauskömmlichen Geschäften", so Mitgeschäftsführer Stefan Seils gegenüber der "DVZ". Diese befinden sich in allen drei Kerngeschäftsfeldern des Unternehmens: internationale Stückgutspedition, regionale See- und Luftfracht und vor allem nationales Stückgut. Die Anzahl an faulen Geschäften, die BHS abgestoßen hat, ist groß – ebenso die finanziellen Einbußen. Der Umsatz schrumpfte von 26 Millionen im Jahr 2012 auf 20 Millionen im Jahr 2014. Trotz Umsatzminus sieht sich BHS auf dem richtigen Weg, denn auch das Unternehmensdefizit ist gesunken und die Konsolidierung in Sicht. Einziger Wermutstropfen: der Personalabbau. Um rentabel zu arbeiten, müsste BHS seine Mitarbeiterzahl von 100 auf 60 bis 70 schrumpfen.

Kerngeschäft: Verlässt Vossloh die schiefe Bahn?

Ähnlich wie BHS hat auch auch der Bahntechnikkonzern Vossloh mit den Kosten der Umstrukturierung zu kämpfen. Das Unternehmen trennt sich bis spätestens 2017 vom Bereich Transportation, der die Herstellung von Lokomotiven, Nahverkehrsfahrzeugen und elektrische Komponenten für Schienenfahrzeuge umfasst. Durch die Konzentration aufs Kerngeschäft will Vossloh die operativen Verluste in Höhe von 171,6 Millionen Euro eindämmen. Licht am Ende des Tunnels ist noch keines zu sehen. Obwohl der Umsatz um 1,8 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro gestiegen ist, summierte sich der Konzernverlust auf ganze 205,7 Millionen Euro, so das Magazin "produktion.de".

Cewe: Wer rastet, der rostet

Für den Fotokonzern Cewe ist Umstrukturierung kein Problem. Obwohl das Unternehmen mehr als 50 Jahre aus dem Buckel hat, zeigt es sich bei der Neuausrichtung des Kerngeschäfts äußerst flexibel. Das war schon immer so: Cewe wechselte in den Schechzigerjahren von der Schwarzweiß- zur Farbfotografie, erschloss Anfang der Neunziger nach dem Fall der Mauer den osteuropäischen Markt und investiert seit der Geburtsstunde des Internets in den Online-Handel. Mit Erfolg: Das Geschäft mit den Online-Druckereien floriert. Fotobücher, Kalender, Visitenkarten, Broschüren und Flyer on demand bescherten den Oldenburgern bereits 2014 mit 70,5 Millionen Euro ein Umsatzplus von 18 Prozent. Dieses Jahr wird ein Plus von 80 Millionen Euro erwartet, berichtet das Portal "4-c.at".

Wer weiß, vielleicht regen Sie diese Beispiele ebenfalls zu einem Frühjahrsputz bei den Geschäftsfeldern an. Der Zeitpunkt wäre nicht schlecht: Aktuell brummt der Wirtschaftsmotor hierzulande.

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