Change Management: Der Schlüssel zu erfolgreichem Wandel

Das Thema Change Management steht bei Personalern 2015 ganz weit oben auf der Prioritätenliste. Zu diesem Ergebnis kam eine Umfrage der Beratungsgesellschaft Kienbaum, für die 500 Personalchefs aus mehr als 15 Ländern befragt worden sind.

Grund für das Interesse: In vielen Unternehmen geht es heute schon lange nicht mehr nur ums Wirtschaften und Expandieren. In Zeiten von Digitalisierung und Globalisierung müssen Unternehmen sich stetig weiterentwickeln, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Damit Veränderungen erfolgreich vonstatten gehen, ist es wichtig, den Wandel in Form von Change Management professionell und effektiv zu managen.

Dies verdeutlicht eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers  aus dem Jahr 2013. Demnach erreichten 83 Prozent der untersuchten deutschen Konzerne mit systematischem Change Management die meisten Veränderungsziele. Ohne Change Management gelang das nur 39 Prozent der Konzerne.

Veränderungsprozesse verstehen

"Veränderungen müssen von der Unternehmensspitze nicht nur angestoßen werden, sie müssen dort auch beginnen“,

wusste schon der ehemalige Motorola-Manager William Wiggenhorn. Jedoch sind Veränderungen in Form von Change Management in Unternehmen von den Mitarbeitern nicht immer gern gesehen. Oft werden sie gefürchtet, manchmal sogar boykottiert.

Solch ein Dilemma können Sie unter anderem dadurch lösen, dass Sie Mitarbeiter an den Veränderungsprozessen teilhaben lassen. Und indem Sie das  „Prinzip der Minimierung von Widerständen“ verstehen, welches durch das 3-Phasen-Modell von Kurt Lewin (1890-1947) entwickelt wurde.

In vielerlei Hinsicht gilt das Modell des berühmten Psychologen und Sozialwissenschaftlers aus dem Jahr 1947 heute zwar als überholt. Jedoch bietet dieses vergleichsweise simple Modell eine erste Orientierung in Change Management Prozessen und hilft durch seine strukturierte Handlungsweise beim grundsätzlichen Verständnis der komplexen Thematik Change Management.

Das 3-Phasen-Modell von Kurt Lewin

Das 3-Phasen Modell von Kurt Lewin basiert auf seiner so genannten „Feldtheorie“. Demzufolge wirken in Unternehmen stets zwei grundlegende Kraftfelder:

  • Die einen maßgeblichen Kräfte streben nach Sicherheit und wollen den Status Quo der Organisation erhalten. In Unternehmen handelt es sich dabei meist um die Mitarbeiter, die ungern den Pfad der Routine verlassen wollen.
  • Die anderen Kraftfelder erzeugen Veränderungen, beispielsweise indem sie neue Technologien einführen. Dies ist meist das Management, das das Potenzial des Wandels erkennt und neue Visionen umsetzen will.

Kurt Lewin beschäftigte sich im Rahmen der sogenannten Organisationstheorie über Jahre eingehend mit den Phasen von Veränderungen. Soll ein Wandel erfolgen, muss das Gleichgewicht vorübergehend zugunsten der verändernden Kräfte verschoben werden, so die These des Wissenschaftlers.

In seinem berühmten 3-Phasen-Modell identifizierte Lewin die generellen Phasen, in welchen sich Veränderung in gesellschaftlichen Gruppen vollzieht:

  1. Unfreezing: In dieser Phase gewinnen die drängenden Kräfte überhand und bringen starre Strukturen und Prozesse ins Wanken. Wenn Sie als Unternehmer Veränderungen herbeiführen möchten, müssen Sie in dieser Phase das Bewusstsein der Belegschaft für den Nutzen des Wandels schärfen. Zum Beispiel, indem Sie Analysen durchführen und Information bereitstellen, die Ihr Vorhaben stützen. Auch sollten Sie sich Zeit nehmen, mit den Mitarbeitern die Vor- und Nachteile zu diskutieren. Im Zuge der intensiven Auseinandersetzung findet eine generelle Vorbereitung auf die Veränderung statt.
  2. Changing. Diese Phase beschreibt den Veränderungsprozess selbst. Wundern Sie sich nicht, wenn Sie in dieser Phase bei Ihren Mitarbeitern zum Teil auf Orientierungslosigkeit und Widerstand stoßen. Manch einem fällt die Umstellung auf Neues einfach schwer. Treiben Sie die Veränderung voran, indem Sie Ihre Mitarbeiter mit ins Boot holen, Verantwortlichkeiten verteilen und Trainings anbieten.
  3. Refreezing. Die Veränderung hat stattgefunden. Nun geht es darum, die Mitarbeiter an die neue Situation zu gewöhnen. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Personal durch Wiederholung und Übung neue Routinen ausbildet. Einen Rückfall in alte Strukturen sollten Sie dringlichst verhindern – wenn nötig, auch durch Verbote.

Weiterentwicklung der Pioniertheorie

Mit seinem 3-Phasen-Modell gelang es Kurt Lewin damals nicht nur, die charakteristischen Phasen eines erfolgreichen Change Managements zu identifizieren, sondern auch die typischen Veränderungen und emotionalen Reaktionen darauf herauszuarbeiten. Wenn Sie Change Management in Ihrem Unternehmen erfolgreich umsetzen wollen, sollten Sie diese Phasen kennen und auf die entsprechenden Reaktionen der Belegschaft vorbereitet sein.

Das 3-Phasen-Modell von Kurt Lewin gilt als Pioniertheorie im Change Management und wurde von diversen Autoren aufgenommen und weiter entwickelt. Als bedeutsam gelten weiterhin …

  • das 8-Phasen-Modell nach Kotter,
  • das 5-Stufen-Modell nach Krüger,
  • das Konzept der lernenden Organisation
  • oder auch das Modell der Komplexität dynamischer Systeme.

Allerdings hat Kurt Lewins 3-Phasen-Modell aus heutiger Sicht auch seine Grenzen. Da Unternehmen heute ständigem Veränderungs- und Optimierungsdruck ausgesetzt sind, gibt es aktuell kaum mehr eine Phase des Refreezings beziehungsweise des Eingewöhnens an eine neue Situation. Wandel kann heute kaum mehr als statische Episode betrachtet werden, sondern gilt nun vielmehr als dynamischer Prozess.

Kein Unternehmen kann es sich heute noch leisten, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen. Geschäftsmodelle und –prozesse müssen vielmehr ständig hinterfragt und angepasst werden. Für die Bewältigung dieser Aufgabe schafft das Change Management nach Kurt Lewin wichtige Grundlagen.

Weiterführende Links:

  • Sie möchten mehr über das 3-Phasen-Modell von Kurt Lewin erfahren?  Informieren Sie sich bei "Midtools".
  • Das "Managermagazin" klärt über Erfolgsfaktoren und Risiken beim Change Management auf.