Managerhaftung: Zur Kasse bitte

Wer soll das bezahlen? Die Abgasaffäre wird VW jede Menge Geld kosten. Allein die US-amerikanische Umweltbehörde fordert Strafzahlungen in Höhe von 18 Milliarden Euro. Können für die verheerenden Fehler auch Vorstände und Manager haftbar gemacht werden? Die Frage ist nicht neu. Auch in der Finanzkrise wurde der Ruf immer lauter, Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen und für die verursachten Missstände finanziell bluten zu lassen. In einigen Fällen ist dies auch passiert. Thomas Middelhoff, ehemaliger Arcandor-Chef, wurde wegen Untreue und Steuerhinterziehung verurteilt. Später meldete der Manager Privatinsolvenz an.

Rechtsgrundlagen: Das sagt das Gesetz

Ganz so drastisch wie im Fall Middelhoff kommt es für Mittelständler in der Regel nicht. Das Aktiengesetz § 93  und das GmbH-Gesetz § 43 verlangen von Managern zwar eine "ordnungsgemäße unternehmerische Führung". Gleichzeitig räumt der Bundesgerichtshof (BGH) Entscheidern einen breiten Handlungsspielraum ein. Denn jede unternehmerische Tätigkeit birgt automatisch gewisse Risiken. Nicht für jeden Fehler kann daher eine Schadensersatzforderung erhoben werden.

Manager müssen nur dann haften, wenn sie ihren Handlungsspielraum fahrlässig überschritten haben. Dies ist der Fall, wenn der Entscheider ...

  • ... ein persönliches Interesse an den getroffenen, risikoreichen Entscheidungen im Unternehmen hat (Interessenskonflikt).
  • ... sich nicht hinreichend informiert hat.
  • ... nicht im Interesse des Unternehmens handelt.

Anders formuliert: Der Geschäftsführer ist in unverantwortlicher Weise unternehmerische Risiken eingegangen. In solchen Fällen tritt die sogenannte Innenhaftung in Kraft. Das heißt, der Manager kann vom eigenen Unternehmen haftbar gemacht werden, nicht aber von außenstehenden Dritten. Vermag der Beschuldigte die Vorwürfe nicht zu widerlegen, so haftet er im Extremfall auch mit seinem Privatvermögen.

Teuer zu stehen kommen Chefs Straftaten und grobe Pflichtverletzungen. Dazu zählen beispielsweise die Täuschung von Vorstandsmitgliedern oder das Verschweigen von Vorstrafen in Bezug auf Vermögensdelikte, wie die Wirtschaftswoche berichtet.

Managerhaftung: Wie sich Chefs absichern

Der beste Weg, um eine Managerhaftung zu vermeiden: Missstände und fahrlässige Risiken erst gar nicht entstehen lassen. Dies setzt klare Compliance-Regeln innerhalb des Unternehmens voraus. Ethische Standards und transparente Verhaltenslinien sollten Sie nicht nur auf Papier festhalten, sondern auch im Arbeitsalltag leben. Mitarbeiter weisen Sie auf Fehler im Management oder heikle Interessenskonflikte hin? Nehmen Sie die Bedenken ernst und sichern Sie den Informanten Vertraulichkeit und Anonymität zu. Nur so melden Angestellte Missstände frühzeitig. Anschließend muss die Chefetage Verstöße konsequent sanktionieren. Kündigungen und Strafanzeigen sind bei groben Vergehen wie Betrug, Bestechlichkeit und Untreue angemessene Reaktionen.

Ob ein Unternehmen tatsächlich den Compliance-Anforderungen genügt, ist für Führungskräfte nicht immer einfach festzustellen. Der TÜV Rheinland bietet daher Compliance-Zertifizierungen an. Dadurch erfahren Sie, ob Ihre Firma transparent aufgestellt ist und sich das Risiko für Schadensersatzklagen in Grenzen hält.

Managerhaftung: D&O Versicherungen als Rettungsanker

Fakt ist: Vor allem in größeren Unternehmen ist es schwierig, die Einhaltung aller Compliance-Regeln zu kontrollieren. Ein wichtiger Aspekt der Managerhaftung sind daher D&O Versicherungen. Die Abkürzung steht für "Directors" & "Officers". Die Versicherungen richten sich auch an Führungskräfte hiesiger mittelständischer Unternehmen.  D&O Versicherungen decken in der Regel die Innenhaftung ab und kommen für die Vermögensschäden nach einer Pflichtverletzung auf.

Die Höhe der Versicherungsprämien hängen von Faktoren wie Umsatz, Größe des Unternehmens und Eintrittswahrscheinlichkeit von Risiken ab. Wie die FAZ berichtet, zahlt ein Mittelständler für eine Versicherungssumme von einer Million Euro eine Jahresprämie von 1200 Euro. Bei Konzernen wie VW liegt die Prämie wohl weit über eine Million Euro.

Damit eine D&O Versicherung tatsächlich zur finanziellen Schutzweste wird, müssen Chefs einige Dinge beachten:

  • Auch unbegründete Schadensersatzklagen ziehen stattliche Anwaltskosten nach sich. Eine umfassende Rechtsberatung sollte daher in der Versicherung inkludiert sein.
  • Selbst wenn Sie eine Firma verlassen, sollten Sie trotzdem voll versichert bleiben. Viele Schadensfälle fliegen erst nach ein paar Jahren auf – gut, wer da nicht schutzlos da steht.
  • Einige Versicherungsverträge sehen vor, dass Manager einen Teil des Schadens selbst tragen müssen (Selbstbehalt). Achten Sie hier auf vertretbare Obergrenzen.

Weiterführende Links: 

  • Managerhaftung: Über den tiefen Fall von Managern in deutschen Unternehmen berichtete auch die FAZ.
  • Verjährungsfristen für Schuldner: So können Sie bis zum Jahreswechsel Ansprüche prüfen.