Minimum Viable Product

Der Begriff Minimum Viable Product wurde im Silicon Valley geprägt. Er steht für ein minimal funktionsfähiges Produkt, mit dem möglichst einfach eine maximale Menge an Informationen zu den Kundenbedürfnissen gesammelt werden kann.

Schnell und einfach zum Erfolg

Jedes Unternehmen muss mit seinen Ressourcen haushalten, denn Geld und Fachpersonal stehen nicht grenzenlos zur Verfügung. Gleichzeitig müssen Innovationen immer schneller erfolgen und Kundenbedürfnisse sind nicht immer offensichtlich. Vielmehr verstecken sie sich oft in Nischen und müssen daher aufwendig gesucht werden. Die Produktentwicklung ist in dieser Hinsicht für ein Unternehmen besonders bedeutsam: Sie kostet in der Regel nicht nur viel Zeit und Geld, sie birgt auch immer das Risiko, dass das aufwendig entwickelte neue Produkt bei der Markteinführung floppt.

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Genau an dieser Stelle setzt das Minimum Viable Product (kurz MVP) an – übersetzen könnte man es mit „minimal funktionsfähiges Produkt“. Die Grundidee dahinter ist einfach:

  • Ein Unternehmen entwickelt zügig ein neues Produkt, ausgestattet nur mit den absolut notwendigen Funktionen.
  • Das Produkt wird sofort in kleinem Umfang auf den Markt gebracht.
  • In schnellen Zyklen und im direkten Austausch mit den Kunden wird das MVP erweitert und verbessert.

Wie groß der erste Umfang ausfällt, wie lang die Zyklen im konkreten Fall werden und welche Funktionen tatsächlich unbedingt nötig sind, wird auf Basis aussagekräftiger Annahmen über Kundenbedürfnisse und vorstellbare Lösungen (Hypothesen) festgelegt. Durch die frühe Einbeziehung möglicher Kunden kann das Produkt präzise auf die Bedürfnisse der Abnehmer ausgerichtet werden. Strategische Fehlinvestitionen werden auf diese Weise minimiert. Eine Markteinführung kann schneller erfolgen und so lässt sich auch schneller Gewinn erzielen.

Minimum Viable Product: Entwicklung mit Tempo Das Kundenfeedback spielt beim Minimum Viable Product eine wichtige Rolle. (© 2018 Shutterstock/VH-studio)

Rückmeldungen von Kunden werden regelmäßig eingearbeitet

Die Produktentwicklung mittels Minimum Viable Product erfordert allerdings in den meisten Unternehmen ein radikales Umdenken. Klassischerweise fließen viel Zeit und Sorgfalt in die Umsetzung neuer Ideen. Beim Minimum Viable Product versucht ein Unternehmen dagegen, eben nicht ein perfektes Produkt auf den Markt zu bringen. Stattdessen geht es vielmehr um die Bewertung einer anfangs eher ungenauen Produktidee durch potenzielle Kunden. Ihre Rückmeldungen werden in vorher festgelegten Zyklen ausgewertet, eingearbeitet und das Produkt so ständig verbessert und erweitert, und zwar genau so – und das ist der entscheidende Punkt – wie der Markt es verlangt. Mit diesem schlanken, schnellen Prozess wird das finanzielle Risiko auf ein Minimum reduziert. Darüber hinaus kann ein Unternehmen sogar mehrere Ideen ausprobieren, schon früh ein vielversprechendes Produkt herausfiltern und Ideen ohne Erfolgsaussichten zügig verwerfen.

Die einzelnen Schritte der Produktentwicklung stellen sich so dar:

  • Entwicklung eines Minimum Viable Products
  • Test mit realen Nutzern
  • Testergebnisse fallen anders aus als erwartet
  • Minimum Viable Product wird angepasst
  • Wiederholung Schritt 2-5

Dieser Verbesserungszyklus macht den Erfolg eines Minimum Viable Products aus und wird auch Agilität genannt. Die Wahrscheinlichkeit, einen erfolgreichen Weg eingeschlagen zu haben, erhöht sich beträchtlich – und wenn nicht, kann der Kurs kurzfristig geändert werden.

Der Einsatz von MVP benötigt Unterstützung

Minimum Viable Products eignen sich hervorragend, um neue Produkte in einem Unternehmen voranzutreiben und Ideen schnell und mit vergleichsweise wenig Aufwand zu testen. Der Einsatz von MVP stellt allerdings an Mitarbeiter und Führungskräfte eines Unternehmens besondere Anforderungen. So muss die Unternehmensführung in hohem Maße Vertrauen in ihr Produktentwicklungsteam haben, denn im Laufe des Prozesses müssen immer wieder weitreichende Entscheidungen getroffen werden.

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Das Produktteam seinerseits benötigt ein gewisses Maß an unternehmerischem Denken, um diese notwendigen Entscheidungen auch treffen zu können. Unter Umständen ist es daher empfehlenswert, einen Partner zu suchen, der beim Aufbau einer MVP-Kultur unterstützt.