Die digitale Transformation der Unternehmen ist komplizierter, als viele glauben. Denn eine neue Technologie macht aus einem Mittelständler noch kein Digital-Unternehmen, sagt Hagen Rickmann. Im Interview erklärt der Geschäftsführer Geschäftskunden Telekom Deutschland, warum Mittelständler die Digitalisierung nicht als Sprint verstehen dürfen. Und ihre Mitarbeiter für die digitale Transformation nicht nur fachliches, sondern auch kulturelles Know-how brauchen.

Herr Rickmann, warum tun sich viele Mittelständler mit der digitalen Transformation nach wie vor schwer?

Weil die meisten Unternehmen mit ihrem traditionellen Geschäft sehr erfolgreich sind. Versuchen Sie mal, auf die Schnelle einen Handwerker zu bekommen – wird Ihnen nicht gelingen, weil viele Betriebe volle Auftragsbücher haben. Und bei all dem täglichen Stress sollen sie sich parallel auch noch um die digitale Transformation kümmern, für die sie in den wenigsten Fällen ausgewiesene Experten an Bord haben? Da fehlt dann schon mal das Verständnis für die absolute Notwendigkeit, sich Richtung Digitalisierung zu bewegen.

Auch interessant: Rendezvous mit der digitalen Zukunft

Es wird ihnen aber nichts anderes übrig bleiben, als dieses Verständnis zu entwickeln…

Im nächsten Jahr zur DIGITAL2019

„Wir wollen Digitalisierung greifbar und erlebbar machen“, sagte Hagen Rickmann auf der DIGITAL2018. Dass das dem Wunsch deutscher Unternehmen entspricht, zeigte der Transformationsgipfel in Köln mit seinen mehr als 7.000 Besuchern. Sie möchten der Digitalisierung ebenfalls nicht hinterherlaufen, sondern lieber zu den digitalen Vorreitern gehören? Sie brauchen Information, Inspiration und ein gutes digitales Business-Netzwerk für die Transformation Ihres Unternehmens? Dann kommen Sie zur DIGITALX, die ab 9. April wieder in sechs Regionen Halt macht. Höhepunkt der digitalen Deutschlandreise ist erneut der abschließende Digitalisierungsgipfel am 29./30. Oktober 2019 in der Koelnmesse. Tickets für die Veranstaltungen sind jetzt schon erhältlich. Mehr Infos unter www.digital19.de.

Auch interessant: DIGITAL2018: Das Alphabet der Digitalisierung

Stimmt. Und die Mittelständler tun ja durchaus was. Die kommen Schritt für Schritt voran, das hat die Neuauflage unseres Digitalisierungsindex Mittelstand 2018 deutlich gezeigt. Die Unternehmen, das hat die Befragung von 2.500 Betrieben ergeben, wollen sich transformieren, weil sie mit digitalen Technologien produktiver arbeiten und mehr Kunden erreichen. Nahezu jedes zweite Unternehmen (45 Prozent) hat die Digitalisierung in seiner Geschäftsstrategie verankert (Vorjahr: 42 Prozent) und sieht darin eine Grundvoraussetzung für den künftigen Erfolg. Etliche Betriebe haben durchaus schon neue digitale Geschäftsmodelle entwickelt. Im Digitalisierungsindex haben die befragten Unternehmen in diesem Bereich einen Punkt gut gemacht. Wie das dann konkret aussieht? Ich denke hier an Beispiele wie den Mittelständler Dr. Gansow Gmatic AG, der seine Scheuersaugmaschinen nicht mehr nur verkauft, sondern aus der Not des Konkurrenzdrucks eine Tugend machte und heute seinen Kunden einen Pay-per-Wash-Service anbietet und mit M2M-Lösungen arbeitet.

„Wir wollen Digitalisierung greifbar und erlebbar machen“, sagte Hagen Rickmann im Rahmen der DIGITAL2018. „Wir wollen Digitalisierung greifbar und erlebbar machen“, sagte Hagen Rickmann im Rahmen der DIGITAL2018. (© 2019 )

Fehlt es vielen Mittelständlern einfach an Kreativität, solche digitalen Geschäftsmodelle zu entwickeln?

Bestimmt nicht – woran es vielen aber mangelt, das ist die digitale Kompetenz. Nur etwas mehr als ein Drittel der Unternehmen hält die eigene Belegschaft für ausreichend qualifiziert, wenn es um die digitale Transformation geht. Gleichzeitig glaubt fast die Hälfte der Betriebe, dass sich das digitale Know-how künftig zum entscheidenden Erfolgsfaktor entwickeln wird. Auch das hat unser Index herausgefunden. Ich sehe, dass viele Unternehmen schon in die digitale Weiterbildung ihrer Mitarbeiter investieren. Finde ich sehr gut. Aber Sie können nicht von heute auf morgen digitale Kompetenz im Unternehmen aufbauen – das ist kein Sprint, das ist ein Langstreckenlauf. Zumal sich die digitale Kompetenz aus fachlichen und kulturellen Faktoren speist.

Auch interessant: 3 Tipps – so werden Mittelständler digital

Das müssen Sie uns erklären.

Digitalisierungs-index Mittelstand 2018:

  • Mittelständler sind auf dem Transformationsweg vorangekommen, haben einen Punkt gut gemacht und erreichen nun 55 von 100 Indexpunkten.
  • In 66 Prozent der Unternehmen ist die digitale Transformation Chefsache.
  • In Sachen digitaler Kompetenz sind den Unternehmen Kenntnisse in Datenschutz und Datensicherheit wichtig (70 Prozent).
  • Ebenfalls 70 Prozent wünschen sich den sicheren Umgang mit digitalen Geräten und Anwendungen.

Beginnen wir mit den fachlichen Faktoren: Natürlich müssen wir jetzt nicht alle Programmierer werden. Aber wir sollten verstehen, was Software leisten kann. Wir müssen wissen, wie wir den Kunden zur Nummer eins machen. Dazu gehört, dass wir mit den sozialen Medien umgehen können – denn dort treffen wir unsere Kunden. Agile Methoden wie Scrum machen unsere Teams schneller – also sollten wir sie unbedingt nutzen, weil wir unsere Produkte und Services schneller auf den Markt bringen müssen. Das sind alles Punkte, die Mittelständler gerade angehen. Aber bei all ihrem Tun sollten sie immer bedenken, dass die schönsten digitalen Pläne zum Scheitern verurteilt sind, wenn sie von ihren Mitarbeitern nicht akzeptiert werden.

Der „Digitalisierungsindex Mittelstand 2018“ analysiert die Transformationsfortschritte auf den Handlungsfeldern Kundenbeziehungen, Produktivität im Unternehmen, Digitale Geschäftsmodelle und IT-Sicherheit & Datenschutz. Der „Digitalisierungsindex Mittelstand 2018“ analysiert die Transformationsfortschritte auf den Handlungsfeldern Kundenbeziehungen, Produktivität im Unternehmen, Digitale Geschäftsmodelle und IT-Sicherheit & Datenschutz. (© 2019 )

Wie kriegt man die Mitarbeiter denn ins Boot?

Bevor Sie sich der fachlichen Seite widmen, müssen Sie ein gemeinsames Verständnis für die Notwendigkeit des Wandels aufbauen. Ist doch klar, dass Veränderungen immer erst mal Ängste schüren. Die müssen Sie abbauen und ihren Mitarbeitern eine Brücke bauen. Ihnen zeigen, wie das Unternehmen und sie selbst von der digitalen Unterstützung profitieren. Vertrauen schaffen – das ist in Zeiten der digitalen Transformation eine wichtige Aufgabe von Führungskräften. Vielleicht sogar die entscheidende.

Auch interessant: Digitalisierungsindex Mittelstand: Wo stehen Sie mit Ihrer Firma?

Nach einem Spaziergang klingt das nicht gerade …

Ist die digitale Transformation auch nicht. Und schon gar kein Alleingang. Die Herausforderungen sind zu groß, als dass sie ein Mittelständler aus dem Stand erledigen könnte. Ich empfehle konsequentes Partnering. Machen wir übrigens auch selbst so. Und das zahlt sich aus: Unser Umsatz mit Partnern ist von 2016 auf 2018 um 34 Prozent gewachsen. Wir haben dafür ein digitales Ökosystem geschaffen und arbeiten mit Startups und Partnern aus dem Cloud- oder dem IoT-Bereich eng zusammen. Ergebnis: Wir lernen voneinander und können beim Kunden ganz anders auftreten. Lassen Sie sich also helfen. Mit guten Partnern beschleunigen Sie Ihr Transformationstempo und vergrößern Ihre digitale Kompetenz.

Auch interessant: So kann jeder seine Digitale Dividende einfahren