Mobbing ist kein Kavaliersdelikt

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Die neue Sekretärin wird von den alteingesessenen Kollegen mit hämischen Kommentaren bedacht, übermäßig kritisiert und mit Überstunden überladen. Wie reagieren Sie als Chef?  Stufen Sie diese Vorfälle als normalen Abhärtungsprozess für einen Neuling oder als Mobbing am Arbeitsplatz ein?

Auf jeden Fall sollten Sie sich schützend vor die Sekretärin stellen. Weisen Sie die hämischen Kommentare zurück und fordern Sie Ihre Kollegen auf, ihr Mundwerk zu zügeln. Überzogene persönliche Kritik sollten Sie als unsachlich brandmarken und die Überstunden auf ein erträgliches Maß reduzieren.

Damit signalisieren Sie zwei Dinge: Erstens fühlt sich das Mobbing-Opfer in Schutz genommen und wird dies mit guter Leistung zurückzahlen. Zweitens wird den Übeltätern klar gemacht: In diesem Unternehmen sind Mobbing-Attacken tabu!

Schon klar, ein schroffer Tonfall oder eine hohe Arbeitsbelastung sind noch kein Mobbing. Dies hat auch ein Frankfurter Gericht in seinem Urteil so entschieden. Von Mobbing spricht man, wenn die Schikane gezielt, systematisch und über einen längeren Zeitraum stattfindet. Mobbing-Opfer fühlen sich verletzt, in den Schmutz gezogen und gedemütigt. Daher sollten Sie Psychoterror und Mobbing am Arbeitsplatz ernst nehmen.

Mobbing am Arbeitsplatz: Das sind die Konsequenzen

Laut einer Studie des Bündnisses gegen Cybermobbing finden 72 Prozent aller Mobbing-Vorfälle am Arbeitsplatz statt. Abgesehen vom seelischen Schmerz für die Person, hat dies auch klare Auswirkungen auf das Unternehmen. Gemobbte Mitarbeiter sind verunsichert und sehen sich nicht in der Lage, schwierige Aufgaben zu bewältigen.

Aufgrund des psychischen Drucks erkranken sie auch öfter: Mobbing-Opfer sind laut der Studie jährlich fünf bis sechs Tage mehr krank als nicht betroffene Mitarbeiter. Über zwei Drittel der Mobbing-Opfer fassen daher auch einen Wechsel des Arbeitgebers ins Auge.

Mobbing am Arbeitsplatz ...

  • führt zu Schlammschlachten zwischen den Mitarbeitern,
  • verstrickt Ihr Unternehmen oder Ihre Arbeitskollegen u. U. in langwierige Streitereien vor Gericht und
  • vergiftet das Betriebsklima dauerhaft.

Das will keiner!

Das können Sie gegen Mobbing tun

Wenn Sie also Anzeichen von Mobbing am Arbeitsplatz in Ihrem Betrieb feststellen, sollten Sie sofort eingreifen. Stellen Sie den vermeintlichen Übeltäter zur Rede, bevor die Situation eine unkontrollierbare Eigendynamik entwickelt.

Klären Sie, ob es sich um ein Missverständnis handelt oder der Mitarbeiter das Mobbing-Opfer vorsätzlich triezt. Falls tatsächlich Psychoterror in der Firma stattfindet, sollten Sie den Mobber in einem Einzelgespräch dazu auffordern, seine Angriffe augenblicklich einzustellen.

Häufig geben sich Mobber ahnungslos und versuchen ihre Hände in Unschuld zu waschen. In diesem Fall kann es auch hilfreich sein, einen neutralen Vermittler oder einen externen Psychologen hinzuziehen. Diese helfen dabei, das unangemessene Verhalten wahrzunehmen, einzuordnen und zukünftig zu verhindern.

Schikane: Das ist der letzte Ausweg

Was, wenn auch die externe Hilfe nicht greift und die Situation zu eskalieren droht? In solchen Härtefällen haben Sie drei Möglichkeiten. Sie können ...

  • eine Abmahnung,
  • eine Versetzung und als ultimo Ratio
  • die Kündigung des Mobbers veranlassen.

Absolutes No-Go: Augen und Ohren verschließen und vorgefallene Mobbing-Attacken ignorieren. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sieht vor, dass Sie als Chef eine Fürsorgepflicht gegenüber Ihren Angestellten haben und Mobbing-Opfer vor Belästigungen schützen müssen.

Eine Belästigung liegt laut Gesetz dann vor, wenn "ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird." Falls Sie seine Benachteiligung unbeachtet lassen, kann das Mobbing-Opfer auch von Ihnen als Chef Schadensersatz fordern.

 

 

Weitere praktische Tipps um Mobbing zu verhindern, haben wir in diesem Video kompakt zusammengefasst:

 Weiterführende Links:

    • Lesenswerte Artikel zum Thema Mobbing am Arbeitsplatz gibt es auf "Spiegel Online."
    • Stress gibt es manchmal auch mit dem Aufsichtsrat: mittelstand DIE MACHER erklärt, welche Rechte Manager in Streitfällen haben.