Moderne Führungsstile: Offenes Arbeitsumfeld, privat zurückhaltend

Die Führungskräfte von Morgen setzen auf ein offenes Arbeitsumfeld: Für sie sollen Informationen in Unternehmen möglichst frei verfügbar sein, Vertraulichkeit ist nur in Ausnahmefällen angebracht. Dabei wägen die Digital Natives allerdings genau ab, welche Informationen nutzbringend geteilt werden können – vor allem auch auf ihren eigenen Online-Auftritten. Das sind wichtigsten Ergebnisse der Studie „Global Perspectives Barometer 2017“ des GfK Vereins und des St. Gallen Symposiums unter mehr als 1.000 Top-Talenten aus über 80 Ländern.

Digital Natives wollen kontrollierte Transparenz

Unternehmen, deren Kultur auf einer kontrollierten Transparenz aufgebaut ist, profitieren langfristig von Offenheit und freier Kommunikation, sind sich die Nachwuchskräfte sicher. So gehören Protokolle von Besprechungen sowie Ergebnisse aus Forschung und Entwicklung für die große Mehrheit der Befragten zu der Art von Information, die innerhalb des Unternehmens durchaus geteilt werden sollte. Auch eine offene Fehlerkultur ist für zwei Drittel der Nachwuchskräfte wichtig für moderne Führungsstile.

Die "Leaders of Tomorrow" nutzen allerdings eigene, persönliche Daten mit Bedacht: Sie veröffentlichen zwar Informationen von sich im Internet, wählen diese aber bewusst aus und beschränken sich auf Fotos sowie berufliche Daten. Details wie politische oder religiöse Ansichten werden entweder gar nicht geteilt oder durch Privatsphären-Einstellungen versteckt. Somit verstehen die Top-Talente Online-Auftritte eher als Tool zur Selbstvermarktung.

Arbeitnehmer werden mächtiger

Die in der Studie befragten Nachwuchskräfte informieren sich über potenzielle Arbeitgeber verstärkt über ehemalige oder aktuelle Angestellte der Firmen und nutzen dafür Bewertungsportale wie „Kununu“ oder „Glassdoor“. Die Folge: Um als Unternehmen attraktiv zu bleiben, hat die Zufriedenheit der eigenen Mitarbeiter Vorrang.  Nicht die offizielle Außendarstellung, sondern die gelebte Innenkultur gewinnt an Bedeutung. PR-Abteilungen der Firmen verlieren damit an Bedeutung, wie Studienleiter Fabian Buder herausstellt:

„Unternehmen haben damit teilweise die Kontrolle über ihr Image als Arbeitgeber verloren“.
Sind die Mitarbeiter zufrieden, kommunizieren sie dies über Online-Plattformen auch nach Außen. (© 2017 Shutterstock / Bogoljubb)

Bedenken anonym äußern können

Die Top-Nachwuchskräfte regen zudem an, dass Unternehmen, die moderne Führungsstile pflegen, interne Kanäle schaffen, auf denen Mitarbeiter ihren Unmut über  Arbeitsbedingungen – auch anonym – äußern können.

Passiert das nicht, können Mitarbeiter schnell zu Whistleblowern werden, die kritische Themen schnell an die Öffentlichkeit tragen und sie dort diskutieren. Immerhin geben fast zwei Drittel der Studienteilnehmer an, unethisches Verhalten im Unternehmen erst intern zur Sprache zu bringen, wenn die Möglichkeit dazu besteht.

Checkliste moderne Führungsstile: Das gehört dazu

  • Informationen in Unternehmen frei zugänglich machen
  • Eine offene Fehlerkultur implementieren
  • Private Informationen als Eigenmarketing nutzen
  • Mitarbeiterzufriedenheit höher als bisher priorisieren
  • Kanäle etablieren, in denen Bedenken und Beschwerden ohne negative Folgen geäußert werden können