Der Mittelstand hat viele Gesichter. Mal furchtlos, kämpferisch, ungestüm. Dann wieder diskret, leise, unauffällig. Doch so wenig einheitlich sich Handwerker, Kaufleute, Architekten, Maschinenbauer oder Gastwirte auch präsentieren mögen, eines haben sie alle gemeinsam: nicht aufgeben. Der Mittelstand brennt für seine Sache, das ist sein Erkennungsmerkmal, hier liegt sein Charakterzug, das ist, was ihn prägt. Es sind echte Vollblutunternehmer, die mit Leidenschaft dabei sind.

Der Mittelstand hat eine starke Bindung zur Region

"Wir sind wild und haben Spaß an der Arbeit", bekennt zum Beispiel Dietrich F. Brennenstuhl, Inhaber der Nimbus Group in Stuttgart. "Meine Mitarbeiter geben alles", weiß auch Berit Müller von ihren Maschinenbauern. Unternehmer Ralph Winterhalter hingegen trennt nicht "zwischen privat und Beruf". Und die Inhaber Peter Kempe und ­Thomas Kuball "leben ihre Arbeit". Vorstandschef Felix Ahlers von Frosta zeigt, wie "man auch in schwierigen Zeiten durchhält". Sie alle wissen: Das ist mein Geschäft, hier will ich sein.

Die Zahlen sprechen für sich: Rund 3,6 Millionen kleine und mittlere Unternehmen tragen mehr als die Hälfte zur gesamten Wirtschaftsleistung des Landes bei. Mehr als 15,5 Millionen Arbeitnehmer sind im Mittelstand beschäftigt, acht von zehn Lehrlingen haben dort ihre Ausbildung. Kurzum, ohne den Mittelstand geht nichts.

Motor Mittelstand – Brennenstuhl Was macht den Mittelstand so stark? Sechs Porträts von Unternehmern, die für ihre Sache brennen und erfolgreich sind. Thomas Kubll, Peter Kempe, Ralph Winterhalter, Berit Müller, Felix Ahlers und Dietrich F. Brennenstuhl. (© 2015 Werner Amann)

95 Prozent des Mittelstandes sind Familienunternehmen

Bereits heute erwirtschaftet der Mittelstand ein Drittel seines Umsatzes im Ausland. Über 98 Prozent der rund 350 000 deutschen Exporteure sind mittelständische Betriebe. Was wohl für den Erfolg noch wichtiger ist: Knapp 95 Prozent aller deutschen Unternehmen sind Familienunternehmen, davon etwa 85 Prozent eignergeführt. Sie zeichnen sich durch stabile Kundenbeziehungen aus, eine verlässliche Personalpolitik und eine starke Bindung zur Region.

Für sie ist es wichtig, das Know-how ihrer Mit­arbeiter zu halten. Denn Innovationen sind überlebenswichtig: Der deutsche Mittelstand hält mit 500 000 Patenten mit Abstand die meisten in ganz Europa. "80 Prozent der Patente werden tatsächlich auch in Produkte umgesetzt", weiß Unternehmensberater Hermann Simon. Mittelstand steht für klassische deutsche Tugenden: Innovationsfähigkeit, Schnelligkeit, Verlässlichkeit und auf Kundenbedürfnisse zugeschnittene Lösungen.

Schon viele Unternehmen setzen Videokonferenzen ein

Technik und digitale Kompetenz tragen wesentlich zum Erfolg bei: Längst setzen Mittelständler wie Winterhalter, Frosta oder Nimbus Videokonferenzen ein, um mit den Niederlassungen, Vertretungen und Partnern rund um den Globus zu konferieren und Entwicklungen voran­zutreiben. Sie statten ihre Vertriebsmitarbeiter mit iPads samt speziell programmierten Apps aus, damit sie effizienter arbeiten können. Wie etwa Dietrich F. Brennenstuhl, der ständig neue technische Entwicklungen in seinem Unternehmen vorantreibt.

Motor Mittelstand – Brennenstuhl Sich zu spezialisieren ist ein Erfolgsrezept des Mittelstands. Die Nimbus Group etwa hat sich sehr früh auf LED-Leuchten eingeschworen. Firmenchef Dietrich Brennenstuhl gilt als Pionier der neuen Lichttechnik. Hier eine Leuchte der Nimbus-Gruppe, die die Biege macht. (© 2015 Werner Amann)

Mit seiner schwarzen Harley-Davidson-Jacke sieht der Mann verwegen aus, und stilecht kommt ein wenig Easy-Rider-Feeling im Chefbüro auf. Dietrich F. Brennenstuhl (55), Gründer und Inhaber der Nimbus Group in Stuttgart, tut nicht nur so, er ist wirklich cool. "Wir sind eine fröhliche Truppe, wilde, kantige Typen, die Spaß an ihrer Arbeit haben", sagt er.

Das kann man jeden Morgen beobachten, wenn der Chef und seine 170 Mitarbeiter um 10 Uhr in der Kantine frühstücken. Der Lagerarbeiter sitzt dann neben dem Controller, der Praktikant neben dem Marketingexperten, Designer neben Entwicklungsingenieuren. "Das Miteinander spielt bei uns eine große Rolle", erklärt Brennenstuhl. "Wir können nur erfolgreich sein, wenn alle mit großer Begeisterung bei der Sache sind."

Das im Jahr 1988 gegründete Unternehmen ist Design- und Innovationsführer im LED-Bereich und entwickelt auch schalldämpfende Stellwände und Raumteilungssysteme. Brennenstuhl studierte Architektur und baute nebenbei seine ersten Leuchten, damals noch mit Halogenleuchtmitteln. Früh erkannte er das revolutionäre Potenzial der LED: Diese kleine, sehr effiziente und nur wenig Wärme produzierende Lichtquelle könnte einen echten Paradigmenwechsel im Leuchtenbau einläuten. Aber statt schnell ein Produkt auf den Markt zu werfen, wartete er ab, bis die Leistungsfähigkeit der neuen Technik gut genug war.

Die Herausforderung ist, Innovationsführer zu bleiben

Eine kluge Entscheidung, denn Brennenstuhl war immer noch der Schnellste und konnte gleich mit einer ganzen Produktfamilie aufwarten. In den ersten Jahren bediente Nimbus den Markt konkurrenzlos, stattete etwa das Gründerzentrum der Handelskammer in Hamburg und die Welthandelsorganisation WTO in Genf aus. "Der Wettbewerb wacht jetzt langsam auf", weiß Brennenstuhl. "Unsere tägliche Herausforderung liegt darin, Innovationsführer zu bleiben."

Wir sind wilde, kantige Typen, die Spaß an der Arbeit haben.

Dietrich Brennenstuhl

Motor Mittelstand – Brennenstuhl Dietrich F. Brennenstuhl legt großen Wert auf Professionalität in seinem Unternehmen. Dennoch bleibt der Chef der Nimbus Group gelassen, wenn es hektisch wird. Sein Credo: Abwarten, auch wenn es eng wird. (© 2015 Werner Amann)

Von Anfang an richtet er das Unternehmen zum Premiumhersteller aus. Im Mittelpunkt der Produktgestaltung steht eine Symbiose zwischen puristischem Design und Hightech. Die große Stärke von Nimbus ist jedoch die Flexibilität. „Wir konnten uns schon immer bei der Entwicklung und Produktion schnell anpassen. Da hat sich so manches große Unternehmen schwergetan“, sagt der Chef.
Dass ihm sein Vorhaben gelingt, daran zweifelt Brennenstuhl nicht. Getreu dem Leitspruch, der groß in der Kantine prangt: "Ich suche nicht, ich finde."