"Ich bin Kaufmann“, sagt Ralph Winterhalter. Er sei damit ein wenig das „schwarze Schaf“ der Familie, meint der geschäftsführende -Gesellschafter der Winterhalter Gastronom GmbH scherzhaft. Anders als sein Großvater und sein Vater hat der 35-Jährige kein Ingenieurstudium absolviert. Stattdessen entschied er sich für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt internationales Marketing. Dass Ralph Winterhalter in die Fußstapfen seiner Vorfahren treten wird, stand außer Frage.

Er ist im Familienbetrieb quasi aufgewachsen. Nach dem Studium in Göttingen arbeitete er ein paar Jahre in England, ehe er in die Firmenzentrale nach Meckenbeuren zurückkehrte. „Oft beginnt ein Entwicklungsingenieur seinen Job nicht etwa in der Entwicklungsabteilung, sondern in der Spülküche“, sagt Ralph Winterhalter. Klar, dass auch der designierte Firmenchef getreu dem Unternehmensmotto „Die Welt mit den Augen des Kunden sehen“ das obligatorische Spülpraktikum absolvieren musste, in einem Restaurant einer schwedischen Möbelkette in Bristol.

Seit 2008 leitet der smarte Mittelständler gemeinsam mit seinem Vater Jürgen die Unternehmensgruppe sowie das Schweizer Werk. Winterhalter produziert an drei Standorten: in Meckenbeuren am Bodensee, in Endingen am Kaiserstuhl und in Rüthi in der Schweiz.

Motor Mittelstand - Winterhalter Deutschland GmbH Ralph Winterhalter (© 2015 Werner Amann)

„Man muss schon opferbereit sein“

Statt einer von vielen Herstellern von Spülmaschinen mit einem geringen Marktanteil zu sein, beschloss der mittelständische Familienbetrieb schon Anfang der 1960er-Jahre, sich ganz auf gewerbliche Spültechnik zu konzentrieren. Hotels, Restaurants, Krankenhäuser: Überall dort, wo viel Essen zubereitet und demzufolge viel gespült wird, ist Winterhalter heute Standard. Mit 1.100 Mitarbeitern (460 in Deutschland) sowie 37 Vertriebsniederlassungen und Vertriebspartnern in 70 Ländern sind die Schwaben führend in ihrer Branche.

Da fällt eine Menge Arbeit für das Führungsduo an: „Man muss schon opferbereit sein“, räumt Winterhalter ein. „Feierabend um 17 Uhr, freie Abende oder gar Wochenenden gibt es kaum.“ Bei Familienunternehmen gibt es zudem keine Trennung zwischen Arbeit und privat. „Deshalb“, betont er, „ist es auch so wichtig, dass man für seine Sache brennt.“ Und die Technik muss stimmen: „Die IT ist bei uns entscheidend für das reibungslose Zusammenspiel aller Prozesse“, erklärt Winterhalter. „Wichtig ist die hohe Verfügbarkeit.“

Innovationen sind unser Lebenselixier.

Ralph Winterhalter

Geschäftsführender Gesellschafter

Motivator und Treuhänder

Der Erfolg kommt nicht von allein. Als Unternehmer muss er drei Rollen erfüllen: als Treuhänder des Familienunternehmens, als Vernetzer mit anderen Märkten und als Motivator seiner Mitarbeiter: „Als Treuhänder sorge ich dafür, dass das Unternehmen, das meine Vorfahren mir anvertraut haben, auf Erfolgskurs bleibt.“ Ein mächtiges Erbe: Der Großvater hat nach dem Krieg als erstes Produkt einen Gasmaskenfilter zu einer Petroleumlampe umgebaut und damit 1947 den Grundstein für die Firma gelegt. Nach und nach wurden weitere Haushaltsgegenstände entwickelt und verkauft, die größtenteils aus Kriegsschrott gefertigt wurden. Der Vater Jürgen Winterhalter trieb in den 70er-Jahren die Internationalisierung voran. Heute beträgt der Exportanteil mehr als 70 Prozent. Bis 2050, wenn Ralph Winterhalter den Staffelstab weitergibt, will er die führende Position der Firma nachhaltig ausgebaut haben.


Winterhalter

Das Unternehmen bedient eine lukrative Nische: den Markt für gewerbliche Spülmaschinen in Hotels, Restaurants und Kantinen. Die führende Position sichert sich die Firma indem sie auf Markttrends schnell reagiert und bei Innovationen ihre Schlüsselkunden eng einbindet. In Krisenzeiten vermeidet es Winterhalter, Gelder für Forschung und Entwicklung zu kürzen. Zudem achtet die Firma darauf, finanziell unabhängig zu bleiben.

Laufend kommen neue Märkte und Niederlassungen hinzu, etwa in Thailand und Singapur. Auch in der Ferne vermittelt er seinen Mitarbeitern den „Winterhalter Spirit“: familiärer Umgang miteinander, Leidenschaft für das, was man tut, und Zusammenhalt auch in schwierigen Zeiten. „Für einen international aufgestellten Mittelständler ist es enorm wichtig“, sagt Winterhalter, „dass alle Mitarbeiter wissen, wohin die Reise geht.“

 

Motor Mittelstand - Winterhalter Deutschland GmbH Mit 1.100 Mitarbeitern (460 in Deutschland) sowie 37 Vertriebsniederlassungen und Vertriebspartnern in 70 Ländern sind die Schwaben führend in ihrer Branche. (© 2015 Werner Amann)

Der Zusammenhalt hilft vor allem in der Flaute – wie 2009. Damals erwischte die Bankenkrise das Unternehmen mitten in einem seiner größten Entwicklungsprojekte, die heute so erfolgreichen Untertischspülmaschinen für Restaurants und Bars. „Wir mussten die Kostenstruktur schnell anpassen, haben aber nicht den Rotstift angesetzt“, erinnert er sich. „Innovationen sind unser Lebenselixier, und seit dem ersten Tag gehört es zu unserer Unabhängigkeit, dass wir kein Fremdkapital aufnehmen“, betont Winterhalter.
Investiert wird nur, was auch verdient wurde. Die Stärke von Familienbetrieben sei vor 
allem die gelungene Einheit von Risiko und Haftung sowie die für diese Unternehmensform typische Weitsicht. „Man agiert besonnener, wenn man einen langen Zeithorizont anstelle eines Vierjahresvertrags hat“, weiß Ralph Winterhalter.