Die Netzplantechnik: Eine kurze Definition

Was die Netzplantechnik so übersichtlich macht, ist die grafische Aufwertung von Abläufen und Fristen. Wie das aussehen kann, zeigt dieses Beispiel der Hochschule für angewandte Wissenschaften Augsburg.

Das darin bildlich beschriebene Projekt: Sie wollen grillen. Und damit Ihre Gäste fristgerecht die Wurst auf den Teller bekommen, nutzen Sie die Netzplantechnik. Für jede Teilaufgabe schaffen Sie einen Knoten in Ihrem Plan, zum Beispiel fürs Grillaufstellen, Fleischmarinieren und Essenservieren. Zudem vermerken Sie Dauer und endgültige Deadlines für die Schritte – wir gehen weiter unten noch ins Detail.

Was haben Sie nun davon? Mit der Netzplantechnik ermitteln Sie übersichtlich:

  • welche Handlungen besonders wichtig sind und nicht verzögert werden dürfen,
  • in welcher Reihenfolge Sie die Aufgaben angehen – Sie zünden die Kohle erst an, nachdem der Grill steht – und
  • wie Sie Ihre Terminplanung gestalten.

Diese Grundform übertragen Sie nahtlos auf Geschäftsprozesse und Projekte im Mittelstand. Vom Bauen einer Webseite bis zur Produktionsplanung macht die Netzplantechnik kritische Momente sichtbar. Eine Stärke: Sie müssen nicht raten, an welcher Stelle Sie den Workflow optimieren können. Sie wissen es ganz genau.

So geht die Netzplantechnik: Erklärung der Schritte und Abläufe

Ist das alles also nur ein einfacher Ablaufplan? Nein, die Methode ist nicht so banal wie sie auf den ersten Blick wirken mag. Sie verrät viel mehr über Ihr Projekt als eine zeitliche Abfolge. Wir zeigen warum ...

Wenn Sie einen Netzplan erstellen, folgen Sie immer den gleichen Schritten. Zuerst ordnen Sie alle Vorgänge Ihres Projekts tatsächlich chronologisch in einer Tabelle. Jeder Punkt bekommt zudem eine Vorgangsnummer. Bleiben wir beim Beispiel:

  • Ganz oben notieren Sie in je einer Zeile "Fleisch marinieren" (1), "Grill aufstellen" (2) und "Zeltgarnitur aus der Garage holen" (3).
  • Anschließend ergänzen Sie jeweils "Kohle anzünden" (4), "Fleisch auf den Grill legen" (5) sowie "Fleisch grillen" (6) und "Garnitur aufbauen" (7).
  • Der letzte Punkt heißt "servieren" (8).

Weiter in der Netzplantechnik-Erklärung. Diesen Strukturplan erweitern Sie durch die jeweiligen Abhängigkeiten der Vorgänge. Fragen, an die Sie sich halten, sind: Was folgt technisch und wirtschaftlich aufeinander? Welche Vorgänge laufen parallel? Dazu nutzen Sie die Vorgangsnummern:

  • Vorgänger für "Garnitur aufbauen" (7) ist "Zeltgarnitur aus der Garage holen" (3).
  • Bevor Sie "Fleisch auf den Grill legen" (5), müssen Sie "Fleisch marinieren" (1), "Grill aufstellen" (2) und "Kohle anzünden" (4).
  • Mit ausreichend Arbeitskraft können "Fleisch marinieren" (1), "Grill aufstellen" (2) und "Zeltgarnitur aus der Garage holen" (3) parallel ablaufen.

Wie Sie oben bereits gesehen haben, wird jeder Prozessschritt in einem Knoten vermerkt – inklusive der Vorgangsnummer, dem Vorgänger und Nachfolger. Abhängigkeiten stellen Sie mit Pfeilen dar.

Nach Adam Riese: Zeitplan berechnen

Bisher sehen Sie nur ein paar Rechtecke mit Vorgangsnummern und Verbindungsstrichen. Daher dokumentieren Sie als nächstes noch die Dauer der Vorgänge in der Grafik. Zum Beispiel dauert "Fleisch marinieren" (1) 20 Minuten.

Jetzt müssen Sie rechnen:

  • Der früheste Anfangszeitpunkt (FAZ) der Vorgangsnummer 1 ist die Null. Der früheste Endzeitpunkt (FEZ) ergibt sich aus FAZ plus Dauer. "Fleisch marinieren" (1) braucht 20 Minuten, daher ist der FEZ natürlich 20 Minuten nach dem Start des Projekts.
  • Lenken Sie Ihr Augenmerk nun auf den nächsten Knoten. Hier ist der FAZ gleich dem FEZ des vorhergehenden Ablaufs. Logisch: "Kohle anzünden" (4) nehmen Sie erst in Angriff, wenn "Fleisch marinieren" (1) abgeschlossen ist – das heißt, 4 beginnt frühestens 20 Minuten nach Projektstart.
  • Laufen mehrere Knoten parallel ab, dann ist ihr FAZ gleich. In unserem Fall haben "Fleisch marinieren" (1), "Grill aufstellen" (2) und "Zeltgarnitur aus der Garage holen" (3) den Wert Null. Warum? Weil Ihre Nachbarn mit anpacken.
  • Gehen einem Knoten mehrere gleichzeitig ablaufende voraus, so wird immer der größte FEZ als FAZ übertragen. "Servieren" (8) kann frühestens beginnen, wenn die Schritte vorher optimal abgeschlossen worden sind.

So weit, so gut. Nun rechnen Sie noch einmal rückwärts. Dazu werden die Variablen spätester Anfangszeitpunk (SAZ) und spätester Endzeitpunkt (SEZ) wichtig:

  • Starten Sie mit "servieren" (8). Der FEZ des letzten Knotens wird zum SEZ – denn das Projekt soll ohne Zeitverzögerung beendet werden.
  • Den SAZ des letzten Knotens errechnen Sie mit SEZ minus die Dauer.
  • Gehen Sie einen Knoten in der Reihe zurück. Übertragen Sie den eben errechneten SAZ als SEZ.

So schreiten Sie das Projekt von hinten nach vorne ab – für die ersten Knoten muss sich so wieder Null ergeben.

Umdisponieren: Puffer für Notfälle

In der Netzplantechnik-Erklärung fehlen noch die Puffer: Es gibt Gesamtpuffer (GF) und freie Puffer (FP), beides kann in Minuten angeben werden.

Der GF gibt an, um wie viele Minuten ein Knoten verschoben werden kann, ohne dass der Nachfolger zeitlich verändert wird. So sehen Sie beispielsweise, ob sich die gesamte Deadline verändert, wenn Sie bei einem bestimmten Vorgang mehr Zeit brauchen.

Am FP sehen Sie, um wie viele Minuten Sie einen Knoten verschieben können, ohne den frühesten Start des Nachfolgers zu gefährden.

Stärke der Netzplantechnik: Erklärung des Kritischen Pfads

Im Endeffekt errechnen Sie einen kritischen Pfad durch Ihr gesamtes Projekt. Sie sehen, an welcher Stelle Verzögerungen den Endtermin beeinflussen und welche Vorgänge daher mehr Aufmerksamkeit benötigen. Auf der anderen Seite wird Ihnen klar, welche Knotenpunkte weniger heikel sind. Von diesen könnten Sie Arbeitskräfte für wichtigere Aufgaben abziehen.

Die Netzplantechnik ist ein stark visuell orientiertes Instrument, daher ist eine schriftliche Erklärung eventuell nur bedingt hilfreich. In einem Video erklärt die Universität Bremen allerdings anschaulich, was Sie zum Thema Netzplantechnik noch alles wissen sollten.

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