Die Logistikbranche boomt – dank E-Commerce

Kaum ist das Weihnachtsgeschäft 2017 geschafft, schwärmt die Logistikbranche über neue Paket- und Zustellrekorde. Erstmals wurde die Schallmauer von drei Milliarden Sendungen in einem Jahr durchbrochen, rechnet der Bundesverband Paket und Expresslogistik e.V. (BIEK) vor. Das Sendungsvolumen stieg 2016 um 7,2 Prozent und entspricht damit mehr als zehn Millionen Sendungen pro Tag in Deutschland, wie der Verband in seiner jährlichen KEP-Studie zeigt (Kurier-, Express- und Paketdienste).

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KEP-Studie 2017 Die KEP-Studie 2017 zeigt, dass der Boommarkt Logistikbranche einen Rekord nach dem anderen bricht. (© 2018 Bundesverband Paket und Expresslogistik e.V. (BIEK))

Online-Handel sorgt für dramatischen Wandel

Hinter den beeindruckenden Rekordzahlen der Logistiker verbirgt sich ein dramatischer Wandel. Kaufen im Internet ist längst zum Alltag für deutsche Konsumenten geworden. E-Commerce ist kein zartes Pflänzchen mehr, sondern ein rasant wachsender Dschungel, der den stationären Handel, also Fachhändler, Geschäfte und Einzelhandelsbetriebe, zu verschlingen droht.

E-Commerce-Markt Deutschland Der Online-Handel in Deutschland hat sich als selbstverständliche Einkaufsmöglichkeit für nahezu alle gesellschaftlichen Schichten fest etabliert. (© 2018 HDE)

Wie schnell E-Commerce in Deutschland wächst, belegen aktuelle Zahlen: Mehr als 44 Milliarden Euro betrugen die Umsätze 2016 (Quelle: HDE). Prognose für 2017: Die Umsätze sollen auf rund 49 Milliarden Euro rasant ansteigen. Ein Boom im zweistelligen Bereich, und zwar in fast allen Kategorien. Jung und Alt, Männer und Frauen kaufen immer mehr und immer häufiger im Netz.

Über die KEP-Studie

Das KEP-Sendungsvolumen stieg 2016 um 7,2 Prozent auf 3,16 Milliarden Sendungen. Das entspricht mehr als zehn Millionen Sendungen pro Zustelltag. Der Gesamtumsatz der KEP-Branche kletterte auf 18,5 Milliarden Euro (+6,2 %). 2016 arbeiteten in der KEP-Branche rund 219.400 Menschen – 10.000 Beschäftigte mehr als im Vorjahr.

Seit dem Jahr 2004 veröffentlicht der Bundesverband Paket und Expresslogistik (BIEK) jährlich die sogenannte KEP-Studie. Sie liefert ein aktuelles und umfassendes Bild der Marktentwicklung, von Trends und der wirtschaftlichen Bedeutung der deutschen Kurier-, Express und Paketbranche (KEP-Branche). Die KEP-Studie ist bei Politik, Unternehmen, Medien und in wissenschaftlichen Einrichtungen anerkannt. Sie ist die erste Publikationsreihe, die den deutschen Markt für KEP-Dienste umfassend darstellt.

Direkt zur Studien-Seite des BIEK

Männer geben mehr aus als Frauen – im Schnitt 185 Euro pro Einkauf.

Das Netz schläft nie

Die Hoffnung der Einzelhändler, Produkte wie Lebensmittel, Waschmaschinen, Fernreisen, Design-Accessoires oder Möbel ließen sich nicht über das Internet verkaufen, sondern nur mit der entsprechenden Fachberatung vor Ort, ist höchst trügerisch. Die brutale Wahrheit ist: Es gibt fast nichts mehr, was es nicht per Klick im Netz zu kaufen gibt – in allen Formen, Größen und Varianten. Alltagsgegenstände sind heute ebenso wie Exotisches online verfügbar.

Das Netz kennt keine Ladenschlusszeiten, der digitale Einkaufskorb kann Tag und Nacht befüllt und sogar zwischengespeichert werden. Bummeln in der City und ausgedehnte Shoppingtouren am verkaufsoffenen Sonntag werden mehr und mehr zur Randerscheinung.

So wird eine fatale Spirale in Gang gesetzt: Fehlen den Boutiquen und Fachgeschäften in den Innenstädten die Umsätze, weil die Kunden lieber online shoppen, reduzieren Kaufhäuser Auswahl und Personal. Suchen die verwöhnten Online-Shopper doch einmal die persönliche Beratung vor Ort, sind sie häufig vom kleinen Sortiment und eingeschränkten Service enttäuscht.

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Das große Innenstadtsterben

Die Folge: In Rekordzeit scheinen die Fußgängerzonen zu veröden. Heute ist bereits gut zu erkennen, wie sich in der City nur noch internationale Markenketten behaupten können und das Stadtbild von Hamburg bis München prägen. Das Institut für Handelsforschung prognostiziert die Schließung von 30 Prozent aller stationären Filialen bis 2020. Die Zukunft weiterer 40 Prozent schätzen die Experten als ungewiss ein, sofern diese Läden es nicht schaffen sollten, ihre Modelle zukunftsfähig, sprich digital auf den E-Commerce hin auszurichten.

Dabei betrifft der digitale Wandel durch den E-Commerce alle Branchen: Seit der Jahrtausendwende hat sich die Zahl der selbstständigen Fachhändler auf dem Modemarkt von mehr als 35.000 fast halbiert. Seit 2002 geht es mit der Zahl der Reisebüros bergab. Rund 150 inhabergeführte Buchläden geben jedes Jahr auf. Die Banken richten sich auf eine massive Schließungen von Filialen ein.

Frühzeitig digitalisieren

Klug ist, wer sein Geschäft und sein Businessmodell frühzeitig digital ausgerichtet hat.

Viele Anbieter haben eine Webseite mit angeschlossenem Web-Shop installiert oder arbeiten mit den großen Plattformen im Internet zusammen.

Amazon und Co. werden zunehmend zum attraktiven Partner. Immer mehr Ladengeschäfte verbinden ihre Verkaufskanäle. Services wie eine Online-Reservierung und eine Vor-Ort-Abholung setzen bereits 27 Prozent der Händler ein – elf Prozent planen diesen Dienst. Ähnliche Werte ergab die Analyse beim Online-Kauf und der Abholung im Ladengeschäft (Click&Collect). Hier liegen die Werte bei 24 Prozent (zehn Prozent Planung). Das sind die Ergebnisse einer deutschlandweiten Händlerbefragung, veröffentlicht in der aktuellen IHK-ibi-Handelsstudie 2017.

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Neue Regeln

Händler und Verkäufer müssen die neue Regeln des Internets verstehen: Das schlichte Weiterreichen von Produkten oder Dienstleistungen zwischen Hersteller und Kunde gegen eine Marge oder Provision ist kein tragfähiges Geschäftsmodell mehr. In der digitalen Welt hat sich die schlichte Mittlerfunktion von einst überlebt.

Wer wissen will, wie der Handel der Zukunft aussehen könnte, schaut nach China. Denn die Volksrepublik überspringt auf ihrem Weg zur führenden Konsumnation mehrere Stufen: den klassischen Einzelhandel im Fachgeschäft, die Einkaufsmeile nach europäischem sowie den Department-Store nach amerikanischem Vorbild. Auch die Kreditkarte ist weitgehend vom Bezahlen übers Handy abgelöst. Alles wandert ins Netz, es entsteht ein Parallel-Universum, das immer größer und vielfältiger wird.

Doch noch wichtiger ist: Zwischen Käufer und Verkäufer hat sich das Verhältnis durch den E-Commerce grundlegend geändert. Längst kann der Händler nicht mehr bestimmen, was dem Kunden zu gefallen hat. Heute sucht sich der Kunde den Händler aus, der das bietet, was er will. So einfach sind manchmal die Regeln einer Revolution.

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