Perfektionismus: Kontraproduktive Genauigkeit

Für viele Führungskräfte und Macher ist es gewiss eine Horrorvorstellung: Einfach den Perfektionismus ablegen. Immerhin haben sich Durchhaltevermögen und Präzision in der Geschäftswelt als wichtige Werkzeuge zur Gestaltung des Erfolges erwiesen.

Doch ab und zu macht das Streben nach Perfektion unproduktiv – und schlimmstenfalls sogar krank. In diesem Zusammenhang gilt es, zwischen ...

  • normalem und
  • dysfunktionalem Perfektionismus zu unterscheiden.

"Der Umgang mit Misserfolg entscheidet, ob Perfektionismus krank macht oder nicht",

erklärt Christine Altstötter-Gleich, Wissenschaftlerin an der Universität Landau, in der "Welt". Sobald Fehlschläge nicht mehr weggesteckt werden können, ist das ein schlechtes Zeichen.

"Für dysfunktionale Perfektionisten ist 'Schwarz-Weiß-Denken' ganz typisch […] Sie denken: 'Wenn ich einen Fehler mache, dann mache ich überall Fehler' oder: 'Wenn ich in einer Situation versage, dann versage ich in allen'."

Doch wie können Betroffene ihre Pedanterie ablegen und Folgen wie Burn-out-Syndrom oder Depressionen vermeiden?

Planung ist alles: Das Delegieren und Planen

Wie so oft, kommt es auf die richtige Strategie an. Wer seiner Pedanterie entsagen möchte, konzentriert sich zuerst auf die Einteilung und Verteilung seiner Arbeitsbelastung.

Das heißt: Betroffene brauchen ein ausgefeilteres Zeitmanagement, um ihre Neigung abzulegen.

Oder mit den Worten des Psychotherapeuten Raphael M. Bonellis in der "Berliner Zeitung":

"Perfektionisten tendieren dazu, eine Arbeit, für die eine Stunde vorgesehen ist, in drei Stunden übergenau zu erledigen. Sie leisten aber interessanterweise pro Zeiteinheit weniger als der innerlich Geordnete"

Das bedeutet: Wird der Zeitplan entzerrt, gehen die wirklich wichtigen Aufgaben viel leichter von der Hand.

Besser Scheitern: Kleine Fehler und der große Misserfolg

Im Grunde gilt das Streben nach Perfektion als gern gesehenes Laster in unserer Leistungsgesellschaft. Denn mit Talent und guten Ideen kann unternehmerisch nur der halbe Weg zurückgelegt werden – ohne harte Arbeit geht es nicht. Ein gesunder Hang zum Korrektsein ist also eine Tugend. Dabei ist es aber zwingend notwendig, mit den eigenen Fehlern umgehen zu können.

Den Perfektionismus ablegen heißt also: Das Scheitern lernen. Von einem kleinen Fehler wird die Welt – oder das Unternehmen – wahrscheinlich nicht untergehen. Diese Erkenntnis muss allerdings erst verinnerlicht werden.

Wird die Neigung zum Problem, können zunächst kleine Fehler das Verhalten in gesündere Bahnen lenken. Dazu gibt es leichte Taktiken:

  • Den Schreibtisch nicht immer picobello aufräumen.
  • Auch mal eine nicht ganz so perfekte Frisur zur Arbeit riskieren.
  • Bei der Ernährung ab und zu auf die strenge Diät verzichten.

Langsam, aber sicher werden sich die kleinen Missgriffe nicht mehr wie ein großes Scheitern anfühlen.

Selbstkritik üben: Handlungsweisen und Verhalten infrage stellen

Perfektionismus ablegen heißt darüber hinaus: Es müssen Kompromisse eingegangen werden. Vor allem mit sich selbst. In den meisten Fällen gibt es für Probleme nicht die eine, eben optimale Lösung. Viele Strategien und Taktiken können zu einem wünschenswerten Ergebnis führen.

Es kann zudem hilfreich sein, sich den Rat beziehungsweise die Einschätzung von Freunden oder Kollegen anzuhören. Denn dadurch wird die eigene Einstellung und Position deutlicher – und kann schließlich geändert werden.

Wie könnte solch ein Kommentar von jemand anders aussehen? Einem Perfektionisten kann schwerlich etwas recht gemacht werden und das können Kollegen oder Freunde sicherlich bestätigen.

Zwänge ablegen und entspannen: Kampf über Metaphern

Trotz vieler Tipps ist es nicht einfach, einen tief verankerten – und ungesunden – Perfektionismus abzulegen. Erfolg stellt sich nur ein, wenn rigoros mit dem eigenen Unterbewusstsein gerungen wird.

Dazu gibt es eine hilfreiche Methode beziehungsweise ein Training, wie das "Manager Magazin" schreibt. Wie das geht? Über Bilder lässt sich auf das menschliche Gehirn durchaus Einfluss ausüben. Daher wird im ersten Schritt nach einer Metapher für die eigene mentale Stärke gesucht.

Mit dem Bild wird ein gewünschtes Ziel verknüpft, zum Beispiel die innere Ruhe finden und den Perfektionismus ablegen. Damit wird ein mentaler Reflex trainiert: Immer wenn die entsprechende Bildmetapher wahrgenommen wird, sollte sich das zugehörige emotionale Ziel vor Augen geführt werden. Am besten so oft es geht.

Schließlich müssen die eingeübten Verhaltensmuster in alltägliche Situationen überführt werden. Langsam aber stetig lässt sich so dem ungesunden Streben nach Genauigkeit abschwören.

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