Ver.di macht Ernst und schickt Tausende Post- und DHL-Mitarbeiter in den unbefristeten Ausstand. Damit will die Gewerkschaft im Tarifkampf gegen vergleichsweise niedrige Löhne in 49 neuen Regionalgesellschaften des Branchenführers Druck machen. In der Folge verspäten sich Millionen Sendungen oder hängen bis auf weiteres in den Verteilzentren fest.

Deshalb schlägt nun die Stunde der Konkurrenz. "Der Poststreik führt zu vermehrten Anfragen durch Geschäftskunden", frohlockte schon der Vorsitzende vom Bundesverband Briefdienste, Walther Otremba, laut der Nachrichtenagentur Reuters. Mittelfristig hoffe die Branche auf mehr Aufträge gerade von mittelständischen Firmen.

Ob es wirklich so kommt, bleibt abzuwarten. Aber immerhin ist der Poststreik die Gelegenheit, alternative Brief- und Paketdienste auszuprobieren. Zu den größeren Wettbewerbern von Post und DHL  gehören unter anderem:

Hermes

hat sich auf den Pakettransport spezialisiert. Die OTTO-Tochter befördert nach eigenen Angaben jährlich 500 Millionen Sendungen in Europa und hat Tag für Tag 1,5 Millionen Haustürkontakte.  Die Hamburger

  • haben 14.000 Paketshops als Retourenannahmestelle oder alternative Zustelladresse,
  • versprechen eine Zustellquote von 99,6 Prozent,
  • internationalen Versand in 20 Länder Europas,
  • Lieferung am nächsten Werktag sowie
  • Zustellungsort- und zeit nach Wunsch der Adressaten.

Hermes bietet Geschäftskunden verschiedene Dienstleistungen und Vergünstigungen an – gestaffelt nach Volumen von bis zu 300, mehr als 300 und 20.000 Sendungen pro Jahr. Preise gibt es auf Anfrage.

DPD

dürfte sich auch über den Poststreik freuen. Der Logistiker sitzt in Aschaffenburg und bringt Pakete sowie Briefe zu Ihren Kunden oder Geschäftspartnern in 230 Ländern.  Dafür sind 7.500 Mitarbeiter sowie 9.000 Zusteller im Einsatz. Die Nummer zwei im deutschen Paketmarkt reicht im Jahr 320 Millionen Pakete durch – klimaneutral und ohne Aufpreis. Weitere Merkmale sind zum Beispiel:

  • 76 Depots und 6.000 Paketshops
  • normale Lieferzeit in ein bis zwei Tagen
  • Express-Service in 18 deutschen Großstädten binnen 90 Minuten, in Europa am nächsten Werktag
  • branchenspezifische Lösungen
  • Palettenversand in Deutschland und 17 europäischen Ländern

Preise: ein Standard-Geschäftsbrief kostet im Inlandsverkehr ab 55 Cent, die Reise ins Ausland kostet wenigstens 72 Cent. Eine Tarifübersicht hat DPD ins Netz gestellt.

GLS

transportiert pro Jahr (2013/14) mehr als 400 Millionen Pakete von 20.000 Kunden in 37 Staaten. Das 1989 gegründete Unternehmen in Neuenstein (Hessen) beschäftigt derzeit rund 14.000 Menschen und verfügt über 18.000 Fahrzeuge, in denen allerdings keine Briefe befördert werden. GLS bietet darüber hinaus ...

  • europaweit 662 Depots
  • 5.000 Annahmestellen in Deutschland
  • eine nationale Versanddauer von 24 Stunden, in Europa von 24 bis 96 Stunden
  • einen Expressversand mit garantierter Lieferung bis zum Geschäftsschluss des nächsten Werktags, auch innerhalb Europas
  • auf Wunsch Lieferung unter anderem an die Kundenadresse oder einen Paketshop

Die Preisliste für gelegentliche Sendungen beginnt im Paketshop bei 3,99 Euro für Inlandsaufträge. Wer regelmäßig und größere Mengen verschickt, erfährt die Kosten auf Anfrage.

UPS

gehört zu den dienstältesten Anbietern. Seit 1907 ist aus dem ursprünglichen US-Botendienst ein international agierender Gigant geworden. Von Atlanta aus dirigiert er 435.000 Beschäftigte, die im vergangenen Jahr 4,6 Milliarden Pakete und Dokumente mit 95.000 Transportern auf den Weg gebracht haben. Täglich vertrauen 9,8 Millionen Kunden in mehr als 220 Ländern ihre Post UPS an. Zum Service gehören:

  • mehr als 2.000 Paketshops in Deutschland
  • Standard-Versand dauert ein bis zwei Werktage im Inland, ins Ausland ein bis fünf Tage
  • weltweiter Frachtservice binnen ein bis fünf Tagen
  • mehrere Express-Varianten mit schnellster Lieferung bis 9 Uhr am nächsten Werktag
  • Spezieller Service für kleinere Unternehmen

Der günstigste Preis für den Paketversand liegt bei 7,75 Euro. Einen Kosten- und Versanddauerkalkulator finden Sie auf der UPS-Homepage.

Fedex

ist ebenfalls ein internationaler Player aus den USA. Der –nach eigener Aussage – Marktführer im Epressversand fliegt mit 50 Maschinen 45 internationale Zielflughäfen an und beliefert von dort Kunden in 220 Ländern. Zum Fuhrpark gehören 3.700 Fahrzeuge. Knotenpunkt des Paketversenders mit 290.000 Mitarbeitern ist die Hauptgeschäftsstelle in Brüssel.  Und das bietet Fedex:

  • 19 Shops in großen deutschen Städten
  • Versand im Inland bis zum Mittag des nächsten Werktages in den wichtigsten Geschäftszentren
  • Sendungen innerhalb Europas sind zwei bis drei Tage unterwegs
  • Expressversand in Europa bis spätestens zum Geschäftsschluss des nächsten Werktages
  • Geld-zurück-Garantie
  • Spezieller Service für kleinere Unternehmen

Die Preise und Versandoptionen muss der Kunde auf der Fedex-Internetseite selbst herausfinden.

TNT

mischt ebenfalls im Club der größeren Postkonkurrenten mit und zählt sich zu den weltweiten Marktführern. Täglich verschickt das australische Unternehmen eine Million Sendungen von und nach Europa, dem Mittleren Osten, Afrika, Asien und den USA. Die Deutschland-Zentrale steht im nordrheinwestfälischen Troisdorf. Der Dokument- und Paketversender beschäftigt hierzulande 3.700 Menschen an 40 Standorten und hat 1.800 Fahrzeuge am Laufen.  Neben klimaneutralem Transport gehören zum Dienst am Kunden:

  • rund 40 Standorte in Deutschland
  • Standardversand bis 12 Uhr am nächsten Werktag
  • mehrere Express-Angebote, bei der schnellsten Variante ist die Sendung am nächsten Werktag um 8 Uhr beim Adressaten
  • branchenspezifische Lösungen für die Bereiche Automotive, Healthcare, Hightech, Lifestyle und Industrial
  • spezieller Service für Kunden, die eine Lieferung von Apple erwarten

Die Tarife beginnen bei rund 21 Euro für Sendungen bis zu fünf Kilogramm. Eine Übersicht zu seinen Preisen hat TNT ins Internet gestellt.

Zu den genannten Leistungen haben die sechs großen Postkonkurrenten zum Beispiel auch Sendungsverfolgung, Abholdienste oder Online-Auftragsannahme im Servicepaket.

Leider sind nicht in jedem Fall die Tarife auf den ersten Blick ersichtlich, sondern in verschachtelten Menüs auf den Homepages versteckt. Auf Portokosten spezialisierte Internetseiten wie billigerverschicken und versandtarif sind in solchen Fällen hilfreich, zumal sie auch einen Vergleich zwischen verschiedenen Anbietern erlauben und so teure Kandidaten entlarven. Ein Service, der sich nicht nur bei einem Poststreik lohnen kann.

Von dem profitieren neben den Big Six noch hunderte weitere Brief- und Paketdienstleister. Viele operieren nur in bestimmten Regionen, einige arbeiten im Verbund und decken so größeren Gebiete in Deutschland oder Europa ab.  Zum Beispiel Postmodern oder P2, um nur zwei zu nennen. Die Bundesnetzagentur hat Listen für alle lizenzierten Anbieter zusammengestellt – sortiert nach bundesweit, länder- und regionaltätigen Betrieben.

Eine weitere Alternative sind Kurierdienste vor Ort. Mit Auto oder auch Fahrrad transportieren sie Ihre Geschäftspost fix innerhalb einer Stadt oder einem überschaubaren Gebiet. Trotz Poststreik gibt es also zahlreiche alternative Möglichkeiten, Unterlagen oder Waren von A nach B zu befördern.

 

 

DE-Mail statt Brief: Zuweilen ist der Versand von Geschäftspost auf elektronischem Weg eine Alternative. Wann das – unabhängig vom Poststreik –sinnvoll ist, zeigt dieses mDM-Video:

Weiterführende Links:

  • Wissenswertes rund um das Thema Brief- und Paketversand bietet die Internetseite Posttip, inklusive Portovergleich.
  • Den aktuellen Stand zum Poststreik finden Sie bei Ver.di oder der Post selbst.