Urheberrecht im Internet: Es geht um Ihr Geld

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Das wissen auch Sie als Unternehmer längst und werten Ihre Internetseite mit ansprechenden und aussagekräftigen Produkfotos auf.  Dann ist Ihnen auch klar: Bilder von Profifotografen sind nicht billig. Der AGD-Vergütungstarifvertrag Design beispielsweise empfiehlt für individuell gestaltete Produktfotos im Bereich Kosmetik und Mode ein Entwurfshonorar von immerhin bis zu 936 Euro. Selbst bei Massen-Shootings mit mehr als 100 Bildern fallen pro Exemplar 20 Euro an. Da könnte die Versuchung anderer schon mal groß sein, mit ein paar Klicks Ihre teuren Bilder schnell und gratis auf die eigene Webseite zu bannen. Doch wer das macht, bricht genauso fix das Urheberrecht im Internet  und riskiert von Ihnen eine Abmahnung. Aber welche Fotos sind eigentlich geschützt? Die Antwort ist einfach: Grundsätzlich alle!

  • Kunstfotos
  • Urlaubsbilder
  • Familienfotos
  • Schnappschüsse
  • Standbilder aus Filmen und Videos
  • Agenturbilder und eben auch
  • Produkfotos

Aber nicht alle Bilder sind vor dem Gesetz gleich. Besonders kreative Fotos werden als Lichtbildewerke geadelt, alle anderen gehen lediglich als Lichtbilder durch. Ein Unterschied zwischen beiden Kategorien ist die Schutzdauer. So erlischt das Schutzrecht für Lichtbilder bereits 50 Jahre nach ihrer ersten Veröffentlichung. Lichtbildewerke hingegen sind erst 70 Jahre nach dem Tod ihres Urhebers frei.

Produktfotos: Auf die Einwilligung kommt es an

Stichwort Urheber: Wer Produktfotos auf seiner Internetseite veröffentlichen will, braucht dafür die (kostenpflichtige) Einwilligung des Rechteinhabers.  Das können der Urheber, in der Regel der Fotograf, eine Agentur oder aber Sie selbst sein. Und Achtung, Unwissenheit schützt nicht vor Strafe. Nur weil der Rechteinhaber ungenannt ist – zum Beispiel im Copyright des Bilds –, braucht er nicht auf Ansprüche zu verzichten. Denn grundsätzlich jedes Foto eines Urhebers ist geschützt, egal ob dieser sein Recht jemals angemeldet hat oder nicht.

Sollten Sie erfahren, dass Ihr Urheberrecht im Internet verletzt worden ist, haben Sie mehrere Möglichkeiten. Sie können ...

  • die Sache auf sich beruhen lassen,
  • die Veröffentlichung nachträglich erlauben und/oder
  • ein Nutzungshonorar erheben oder
  • mit einer Abmahnung reagieren.

So finden Sie den Fotodieb

Entscheiden Sie sich für den letztgenannten Punkt, können Sie das Delikt zivilrechtlich verfolgen. Dafür müssen Sie allerdings zuerst wissen, wer hinter der Tat steckt. In der Regel kommen Sie dem Übeltäter über den Namen (Domain) seiner Internetseite auf die Schliche. Und zwar über das jeweilige NIC, eine Art Mini-Impressum. Für Seiten aus Deutschland (.de) ist das DeNIC-Verzeichnis zuständig, die Hintermänner von Web-Adressen mit den Endungen  .com, .net oder .org finden Sie im InterNIC. In anderen Fällen müssen Sie für den Erfolg eventuell länger googeln.

Jedes NIC enthält bis zu drei Angaben:

  • den Inhaber,
  • den technischen Kontakt und
  • den Finanzier der Seite.

Entscheidend für das Urheberrecht im Internet ist allerdings der Herausgeber der Seite, und der muss nicht mit einer der anderen Personen identisch sein.  Doch sollte zumindest der Inhaber wissen, um wen es sich dabei handelt. Um den Herausgeber letztlich erfolgreich zu belangen, müssen Sie aber noch Beweise sichern. Dazu

  • notieren Sie, wann Sie das Foto
  • auf welcher Seite gesehen haben,
  • machen einen Screenshot,
  • protokollieren diese Informationen und
  • lassen dieses Dokument bestenfalls von einem Zeugen unterzeichnen.

Dann gehen Sie damit zum Zivilgericht und setzen Ihre Forderungen durch. Und dazu gehört in erster Linie eine Unterlassungserklärung. Darin verspricht der mutmaßliche Täter, Ihr  Produktfoto von seiner Seite zu entfernen und nie wieder eines Ihrer Bilder unrechtmäßig zu veröffentlichen. Nächster Punkt: Sie verlangen ein (Nach-) Honorar, im branchenüblichen Rahmen. Dieses kann sich sogar verdoppeln, falls Sie der Plagiateur nicht als Rechteinhaber des kopierten Fotos genannt hat. Auch Schadensersatz ist für Sie drin, sofern Sie einen beweisbaren Nachteil erlitten haben.

Schadensersatz: Wie viel gibt's?

Das kommt drauf an. Und zwar auf die Menge der betreffenden Produktfotos und deren Verweildauer auf der Seite. Auch wichtig: Wie wollen Sie die Schadensberechnung angehen? Laut Gesetz haben Sie drei Wege, um Ihr Urheberrecht im Internet durchzusetzen und an Ihr Geld zu kommen:

  • Herausgabe des tatsächlich entstandenen Schadens, inklusive des entgangenen Gewinns,
  • Herausgabe des Verletzergewinns und
  • Schadensberechnung nach der Lizenanalogie.

Die beiden ersten Varianten spielen allerdings kaum eine Rolle, weil sie im Vorfeld praktisch nicht berechenbar sind. Denn hat der Rechteverletzer mit Ihren  Produktfotos  nachweislich keinen müden Euro gemacht, gibt es auch keinen Schadensersatz. Punkt. Da ist die häufiger eingesetzte Lizenanalogie für Sie schon wesentlich lukrativer. Denn nach ihr muss der Rechteverletzer zahlen, was unter normalen Umständen für die Rechte an den Bildern fällig geworden wäre. Und das völlig unabhängig von seinem etwaigen Gewinn.

In solchen Fällen berechnet sich der Schadensersatz für selbstständige Fotografen zum Beispiel nach der Honorartabelle der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing (MFM). Diese sieht für verschiedene Nutzungsarten und -zeiträume bestimmte Beträge als marktübliche Vergütung vor. Marktüblich, wohlgemerkt. Das heißt, Sie sollten den Bogen nicht überspannen mit Summen, die wohl kaum zu einem frei verhandelten Vertrag geführt hätten.

Dennoch: Die Verletzung vom Urheberrecht im Internet kann für den Verursacher recht teuer werden. So ist 2007 das Landgericht Köln im Fall eines unrechtmäßig auf der Auktionsplattform Ebay veröffentlichten, geschützten Produktfotos von einem Streitwert in Höhe von 6.000 Euro ausgegangen. Natürlich können Sie das gesetzliche Prozedere um Ihre Produktfotos auch einem gewieften (Fach-) Anwalt überlassen. Das dürfte Ihren Puls senken und die Erfolgschancen deutlich erhöhen. Denn im für Sie besten Fall muss der Kopist sogar sämtliche Gerichtskosten tragen – und damit auch Ihren Rechtsvertreter.

 

Weiterführende Links: