Azubis suchen: Eine Herausforderung für deutsche Unternehmen

Laut dem Berufsbildungsbericht 2014 des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) haben deutsche Unternehmen 2013 einen neuen Negativrekord geknackt. Dieser macht deutlich, wie schwierig sich das Recruiting deutscher Lehrlinge dieser Tage gestaltet:

  • Denn während 2011 bereits 29.700 Ausbildungsplätze frei blieben,
  • stieg die Zahl 2012 weiter auf 33.300 und
  • erreichte 2013 mit 33.500 unbesetzt gebliebenen Ausbildungsplätzen ihren vorläufigen Höchststand.

Eine entscheidende Rolle spielt dabei ein alter Bekannter: der demografische Wandel. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sorgte dieser dafür, dass ...

  • die Zahl der SchülerInnen an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in den vergangenen zehn Jahren um insgesamt 11,9 Prozent abnahm,
  • während in der gleichen Zeit der Anteil der Fünf- bis Zwanzigjährigen in Deutschland allgemein um 14 Prozent schrumpfte.

Darüber hinaus erweisen sich die Universitäten als beinharte Konkurrenz, wenn es um das Recruiting von jungen deutschen Ausbildungstalenten geht: So ist nach Angaben des Statistik-Portals "statista" die Studienanfängerquote im Zeitraum von 2000 bis 2014 von 33,3 Prozent auf 57,3 Prozent gestiegen.

Kein Wunder also, dass Sie vor einer zuweilen kaum zu bewältigenden Aufgabe stehen, wenn Sie Azubis suchen.

Ausbildung für Ausländer: Azubis suchen in EU-Nachbarstaaten

Wenn auch Sie aktuell noch Azubis suchen, sollten Sie trotzdem nicht den Kopf in den Sand stecken. Stattdessen gilt es, die Ihnen vertraute Umgebung zu vergrößern und auch in bisher fremden Gewässern auf Fischfang zu gehen: Eine Ausbildung für Ausländer könnte die Lösung beim Recruiting sein.

Denn dank der Regelung zur Arbeitnehmerfreizügigkeit haben Sie die Möglichkeit, Ihr Recruiting beispielsweise auf die Nachbarstaaten innerhalb der EU auszuweiten. Dank der Vereinbarung zur Arbeitnehmerfreizügigkeit kann nämlich jeder EU-Bürger einen Job oder eine Ausbildung in jedem EU-Land antreten. Und das unter den gleichen rechtlichen Bedingungen wie ein Bürger des jeweiligen Landes.

Dadurch haben Sie als Arbeitgeber die Chance, nicht nur junge Menschen aus Deutschland, sondern zum Beispiel auch solche aus Spanien, Portugal, Tschechien oder Polen mit einer Ausbildung für Ausländer für Ihr Unternehmen zu begeistern.

Mit gutem Beispiel voran ging dabei zuletzt der Global Player Bosch, der zahlreiche junge Spanier für eine Ausbildung für Ausländer gewinnen konnte. Wie "Spiegel Online" berichtet, schrieb das Unternehmen dafür in zahlreichen spanischen Zeitungen Lehrstellen mit dem Aufruf aus, dass Erfolg nicht von alleine kommt, sondern gesucht werden muss.

Der Aufruf fand Gehör: 150 Spanier begaben sich daraufhin auf die Reise und buhlten in Vorstellungsgesprächen um einen Ausbildungsplatz. 50 von ihnen wurden für ihren Mut mit einer Lehrstelle belohnt. Azubis suchen im Ausland kann sich also auszahlen.

Recruiting im EU-Ausland: Geduld, Zeit und Geld müssen investiert werden

Doch nicht nur für große Unternehmen kann die Ausbildung für Ausländer zur Erfolgsgeschichte werden. Auch Sie sollten Ihren Radius erweitern, wenn Sie für Ihr kleines und mittleres Unternehmen händeringend Azubis suchen.

Dabei sollten Sie allerdings nicht außer Acht lassen, dass das Recruiting von ausländischen Auszubildenden mit Besonderheiten verbunden ist. Denn über die beruflichen Inhalte hinaus müssen Sie, ...

  • Ihren Azubis bei Bedarf Sprachkurse finanzieren,
  • eine Unterkunft zur Verfügung stellen und
  • vor allem viel Geduld aufbringen.

Denn immerhin haben Sie es in aller Regel mit jungen Menschen zu tun, die vielleicht das erste Mal weit von zu Hause weg sind. Dementsprechend mahnt auch Arbeitsministerin Andrea Nahles laut der "Welt":

"Freunde und Familie sind weit weg, das ist schon ein großer Sprung. Es ist wichtig, vor Ort Kümmerer zu haben, die sich um die Integration kümmern, die Wärme vermitteln in einem Land, das ohnehin kälter ist als ihre Heimatländer."

Azubis suchen und halten: Beispielhaftes Recruiting in der Praxis

Wie diese Rolle als Kümmerer vorbildhaft interpretiert werden kann, zeigt zum Beispiel einer der beiden Geschäftsführer der WEA Wärme und Energieanlagenbau GmbH in Sebnitz in der Sächsischen Schweiz, Henner Jordan.

Nach Angaben der "Zeit" war er von Anfang an sehr um seine beiden tschechischen Azubis bemüht. So finanzierte er Ihnen Sprachkurse und täglichen Nachhilfeunterricht, damit sie in der Berufsschule schritthalten konnten. Darüber hinaus nahm Jordan Zeit und weiteres Geld in die Hand:

  • Zimmer in einer Pension wurden anfangs von seinem Unternehmen bezahlt,
  • Kosten für die Mitgliedschaft in einem Radfahrverein für ein Jahr übernommen und
  • die Azubis bei bürokratischen Hindernissen und der Suche nach einer Unterkunft nicht allein gelassen.

So kann vorbildhafte Integration aussehen, durch die Sie die Wahrscheinlichkeit erhöhen, auch nach dem Abschluss der Ausbildung für Ausländer noch lange Freude an Ihren Fachkräften zu haben.

Fördergelder nutzen: Ausbildung für Ausländer mit Unterstützung von Vater Staat

Haben wir Ihr Interesse geweckt, eine Ausbildung für Ausländer zu ermöglichen? Dann verraten wir Ihnen zum Abschluss außerdem: Auch Vater Staat ist sehr daran interessiert, dass Sie Ihr Recruiting auf das EU Ausland ausweiten und dort nach Azubis suchen.

Dabei helfen soll das Förderprogramm MobiPro-EU, mit dem alleine 2015 rund 3.000 junge Europäer nach Deutschland gelockt werden sollen. Nach Angaben von Arbeitsministerin Nahles wird der Topf mit Fördergeldern bis 2018 auf 550 Millionen Euro aufgestockt. Geld, das auch Sie sich zunutze machen sollten, um ausländische Azubis für Ihr Unternehmen zu gewinnen ...

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