Intelligente Zähler: Potenzial für Mittelständler

Ganz schön schlau: Smart Meter sind digitale Zähler, die Ihnen in Echtzeit die Verbrauchswerte Ihres Betriebs für Strom, Wasser oder die Heizung anzeigen. Dadurch sind Sie in der Lage, den Energiekonsum genau zu analysieren. Der Clou dabei: Wer sieht, wann er wie viel verbraucht, ändert sein Verhalten, vermeidet Lastspitzen und bezieht den Strom, wenn die Kilowattstunde am günstigsten ist. Dies spart Kosten ein.

Und Smart Metering kann noch mehr: Durch die intelligente Verbrauchsmessung und zentrale Datenverarbeitung lässt sich beispielsweise die Energiebilanz des Büros optimieren. Idealerweise messen darin Sensoren die Temperatur und Sonneneinstrahlung und gleichen diese mit der Quadratmetergröße des Raums ab. Halten sich in einem Meeting-Room über einen längeren Zeitraum viele Menschen auf, dann heizen diese den Raum auf. Folglich dreht Smart Metering die Temperatur der Heizung um ein oder zwei Grad runter – und spart so ganz einfach Energie.

Mit intelligenten Zählern lassen sich auch lästige Stromfresser leichter aufspüren. Ist der Stromverbrauch im Büro nachts überdurchschnittlich hoch, dann sind häufig Stand-by-Sünder wie PC oder Drucker dafür verantwortlich. Smart Metering lokalisiert diese Stromschleudern schnell und zuverlässig.

Wie viel lässt sich einsparen?

Das klingt gut. Dennoch gibt es auch Kritik am Smart Metering. So titelte Zeit Online: "Stromkunden sollen sich überwachen lassen – und dafür zahlen". Damit verwies das Portal auf ein Gutachten der Unternehmensberatung Ernst & Young. Aus der Untersuchung geht nämlich hervor, dass die meisten Endnutzer von vernetzten Messsystemen am Ende draufzahlen. Denn die Kosten der Technik könnten durch die Einsparungen im Verbrauch nicht aufgewogen werden. Will heißen: Die Anschaffung eines intelligenten Zählers rechnet sich zumindest für kleine private Haushalte nicht.

Richtig ist aber auch: Je größer das Unternehmen, desto höher das Einsparungspotenzial. Bei einem Jahresverbrauch von 6.000 Kilowattstunden ergibt sich eine durchschnittliche Einsparung von 39 Euro, so die Ernst&Young-Studie. Das BMWi geht sogar von einem Bonus zwischen 80 und 157 Euro im Jahr aus. Letztlich schafft hier nur eine individuelle Kosten-Nutzenrechnung Klarheit. Wer die Steuerungsmöglichkeiten vom Smart Metering jedoch nachhaltig nutzt, kann seinen Stromverbrauch im deutlich zweistelligen Bereich eindämmen. 

Smart Metering: Das verlangt das Gesetz

Unabhängig von der Verbrauchsreduktion: Für die Politik ist Smart Metering ein wichtiger Baustein für eine erfolgreiche Energiewende. Denn die intelligenten Zähler ermitteln Spitzenzeiten im Stromnetz – dadurch lassen sich die Einspeisungsraten von Windkraft und Sonnenenergie besser auf den tatsächlichen Bedarf abstimmen. Im Zuge dessen sind intelligente Zähler gesetzlich verpflichtend für ...

  • Neubauten, die nach 2010 erstellt wurden,
  • totalsanierte Immobilien sowie
  • Kunden, die jährlich mehr als 6.000 Kilowattstunden verbrauchen.

Der Einbau der intelligenten Zähler erfolgt schrittweise. Wer mehr als 20.000 Kilowattstunden pro Jahr verbraucht, hat bis 2017 Zeit, auf Smart Metering umzustellen. Liegt der Energiehunger indes zwischen 10.000 und 20.000 Kilowattstunden pro Jahr, werden die intelligenten Zähler spätestens 2019 fällig.

Datenschützer betrachten diese Ausbaupflicht allerdings mit Sorge. Sie befürchten, dass Unternehmen und Privathaushalte durch die Datenübertragung zum offenen Buch für Spione werden. Das Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik (BSI) ist sich dieser Gefahr bewusst und hat daher bei der Datensicherheit hohe technische Standards festgelegt.  Wer Smart Metering plant, sollte darauf achten.

Smart Metering: Anbieter im Vergleich

  • Der Software-Riese IBM bietet gemeinsam mit der Qundis GmbH Lösungen für den Mittelstand an. Das gesamte Energiemanagement läuft dabei über die Cloud. Praktisch: Unternehmer können die Überwachung und Abrechnung für Wärme- und Wasserverbrauch unterwegs steuern – per App fürs Smartphone.
  • Auch die Telekom bietet Smart Meter-Lösungen für Unternehmen an. Das Telekommunikationsunternehmen übernimmt nicht nur die Installation und Konfiguration der intelligenten Zähler, sondern begleitet die Betriebe auch beim Auslesen der Daten. Die Smart Meter werden in die laufenden Betriebsprozesse integriert und können mit weiteren Services wie Fernsteuerung von Geräten, Heizung und Beleuchtung kombiniert werden. Verbrauchs- Informationen gehen verschlüsselt über VPN nach außen. So sind nur berechtigte Personen in der Lage, auf die Daten zuzugreifen.
  • Der Energieversorger RWE hat die Stadt Mühlheim bereits flächendeckend mit 100.000 Smart Metern ausgestattet. Von diesem Know-how profitieren auch Mittelständler – denn RWE bietet die intelligenten Mess- und Zählverfahren für Strom, Wasser und Gas auch für Unternehmen und Industrielle an. Praktisch: Der Smart Meter alarmiert die Firmen via E-Mail, wenn Grenzwerte (zum Beispiel bei der Heizung) über- oder unterschritten werden. Darüber hinaus stellt RWE auch umfassende Reportings und Energiesparpläne bereit.
    Weiterführende Links:
  • Das Portal "Die Stromsparinitiative" hat verschiedene Smart Meter auf Herz und Nieren getestet.
  • Spitzenausgleich: Wie Unternehmen mit der Steuer Energie sparen, erfahren Sie auf mittelstand DIE MACHER.