Digitalisierung wirkt sich positiv aus – davon ist Hagen Rickmann überzeugt. Der Leiter der Geschäftskundensparte der Telekom Deutschland im Gespräch über den Zusammenhang zwischen Digitalisierungsgrad und Geschäftserfolg. Und wie auch kleine Unternehmen mit digitalen Mitteln eine Digitale Dividende einfahren können.

Herr Rickmann, alle reden von den enormen Vorteilen der Digitalisierung. Ist die Digitalisierung wirklich alternativlos?

Das ist sie – wenn man den Begriff richtig interpretiert.

Wie denn?

Indem man die industrielle Entwicklung ganzheitlich betrachtet: Erst haben Wasser- und Dampfkraft die Produktion in den Fabriken und die Warenwirtschaft revolutioniert, später elektrische Energie und danach IT und Elektronik. Und jetzt die Digitalisierung – sie ist für mich die vierte industrielle Revolution, die jedoch weit mehr bedeutet als verbesserte Prozesse oder einen höheren Automatisierungsgrad. Das sind wichtige Zutaten der digitalen Transformation. Aber sie erschöpft sich nicht darin. Der Kern liegt meines Erachtens vielmehr in einem Paradigmenwechsel. Einem Umdenken in der Wirtschaft, weg von simpler Effizienzsteigerung, hin zu mehr Kundenzentrierung mithilfe von Software.

Was bedeutet das konkret? 

Wirtschaftlich erfolgreich ist heute und in Zukunft derjenige, der die Wünsche der Kunden am besten versteht und in Kundenmehrwerte umsetzen kann. Die Digitalisierung ist nur das Mittel zum Zweck, um darin immer besser zu werden. Die erfolgreichen Online-Portale wie Zalando und Amazon haben dieses Prinzip perfektioniert.

Dass große Unternehmen mit viel Geld und digitalen Mitteln noch erfolgreicher werden, ist ja kein Wunder. Doch wie sollen kleine und mittlere Betriebe da mithalten können?

Indem sie mit kleineren Maßnahmen beginnen, denn selbst kleine digitale Schritte wirken sich positiv auf den Geschäftserfolg aus. Sie müssen also gar nicht digitalen Riesen wie Amazon nacheifern. Warum? Weil die Digitalisierung allen Unternehmen die Chance bietet, erfolgreicher zu werden – egal, wie groß sie sind, welches Geschäftsmodell sie verfolgen oder welcher Branche sie angehören.

Zahlen und Fakten aus dem Digitalisierungs-index Mittelstand 2017
  • Insgesamt ist der Digitalisierungsindex im Mittelstand im Vergleich zu 2016 um zwei Punkte auf 54 von 100 gestiegen.
  • Die Unternehmen, die 2016 eine Umsatzsteigerung verbuchen konnten, wiesen im Schnitt einen höheren Digitalisierungsindex von 57 Punkten auf.
  • Unternehmen mit stagnierenden oder rückläufigen Umsätzen kommen dagegen nur auf einen Indexwert von durchschnittlich 47 Punkten.
  • 42 Prozent der Unternehmen haben das Thema Digitalisierung inzwischen fest in der Geschäftsstrategie verankert. Ein deutlicher Anstieg, denn ein Jahr zuvor war das erst bei 27 Prozent der Fall.
  • 63 Prozent der Unternehmen machen die Digitalisierung zur Chefsache.

Was macht Sie da so sicher?

Wir haben das mit unserem Digitalisierungsindex Mittelstand erst kürzlich gezeigt. Darin wurden mehr als 2.000 Unternehmen aller Branchen und Größen gefragt, wie sie ihre Digitalisierungsaktivitäten in unterschiedlichen Bereichen bewerten. Das Ergebnis: Unternehmen mit einem höheren Digitalisierungsgrad konnten ihren Geschäftserfolg im vergangenen Jahr tendenziell steigern, während Unternehmen mit einem geringeren Index eher Umsatzeinbußen hinnehmen mussten. Damit haben wir einen direkten Zusammenhang zwischen Digitalisierungsgrad und Geschäftserfolg ermittelt.

Heißt das auch, dass Unternehmen umgekehrt nur dann erfolgreich sind, wenn sie ihr gesamtes Geschäftsmodell digital transformieren?

Ein klares Nein. Auch das belegt der Index: Bereits kleine digitale Schritte können zu mehr Geschäftserfolg beitragen. Zum Beispiel Cloud-Lösungen. Drei Viertel der Unternehmen, die Cloud-Lösungen einsetzen, haben im vergangenen Jahr intern besser zusammengearbeitet, ihre Kosten optimiert und so ihre Umsätze gesteigert. Den gleichen Effekt erzielten 80 Prozent der befragten Unternehmen mit professionellen Kundendatenbanken. Ich empfehle schon lange: Wer digitaler werden will, sollte schrittweise vorgehen.

Insgesamt ist der Digitalisierungsindex im Mittelstand im Vergleich zu 2016 um zwei Punkte auf 54 von 100 gestiegen. Insgesamt ist der Digitalisierungsindex im Mittelstand im Vergleich zu 2016 um zwei Punkte auf 54 von 100 gestiegen. (© 2017 Digitalisierungsindex Mittelstand)

Cloud-Lösungen einsetzen, professionelle Kundendatenbanken nutzen – das klingt nach größerem Bedarf an Digital- und IT-Know-how. Wo können denn Mittelständler mit weniger Ressourcen Ihrer Ansicht nach konkret ansetzen?

Vom Einzelhändler über den Friseursalon bis hin zum Restaurantbetreiber: Unternehmer müssen sich vergegenwärtigen, dass digitale Services zum Alltag ihrer Kunden gehören. So ist es etwa mittlerweile völlig normal geworden, ein Taxi via App zu bestellen, beim Warten auf dem Smartphone genau zu sehen, wie weit es noch entfernt ist, wie der Fahrer heißt und wie viele positive Bewertungen er von anderen Fahrgästen hat. Wer einmal in den Genuss solch angenehmer Services gekommen ist, möchte darauf nicht mehr verzichten. Und Kunden erwarten solche digitalen Dienste mittlerweile in jedem Lebensbereich.

So digitalisiert die Telekom den Mittelstand
  • Open Telekom Cloud – Ob Server, Speicher oder Netzwerk: Die Open Telekom Cloud bietet IT-Infrastruktur aus den hochsicheren zertifizierten deutschen Rechenzentren der Telekom.
  • MagentaBusiness POS – Das digitale Kassensystem mit kostenfreien Softwaremodulen, die speziell auf kleine Unternehmen zugeschnitten sind; wie gemacht für die Bedürfnisse von Gastronomen, Dienstleistern und Einzelhändlern.
  • Office 365 – Jederzeit flexibel von überall aus arbeiten und dabei stets die aktuellste Softwareversion der beliebten Microsoft-Office-Programme nutzen, das ist Office 365.
  • Salesforce – Professionelles Kundenmanagement aus der Cloud: Mit Salesforce pflegen Unternehmen den Kontakt zu ihren bestehenden Kunden, finden schneller und zielgerichteter neue und steigern so ihren Umsatz.

Aber wie können Mittelständler und Kleinunternehmen diesen hohen Erwartungen gerecht werden?

Digitalisierung wird von vielen oft als disruptiver Prozess verstanden, der in kürzester Zeit alles auf den Kopf stellt. Das ist jedoch ein Irrtum. Auch Großkonzerne wandeln sich nicht von heute auf morgen. Der digitale Wandel ist ein Prozess. Das gilt auch für Mittelständler und Kleinunternehmen.

Diese Erkenntnis nützt aber wenig, wenn man bedenkt, dass viele digitale Lösungen für kleine Unternehmen schlichtweg ungeeignet sind, weil sie in erster Linie für große Firmen gedacht sind. 

Das stimmt. Der Markt braucht digitale Lösungen speziell für die Bedürfnisse kleiner Unternehmen. Für sie gibt es beispielsweise MagentaBusiness POS – eine Lösung, die wir kürzlich gemeinsam mit unserem Partner enfore auf den Markt gebracht haben. Sie hilft speziell kleinen Unternehmen dabei, ganz unkompliziert, ohne professionelles IT-Know-how und zu geringen Kosten digitaler zu werden. Vor allem aber bieten wir ihnen die Mittel, ihr Business noch stärker an den Bedürfnissen ihrer Kunden auszurichten. Und damit die Kernanforderung der Digitalisierung umzusetzen.

Wie funktioniert das genau?

Zum Beispiel, indem Restaurantbetreiber die Tischreservierungen mithilfe eines Online-Portals anbieten. Oder Einzelhändler ihre Warenbestellung automatisiert an den gefragtesten Produkten ihrer Kunden ausrichten. Oder Friseure professionelle Haarpflegeprodukte über den eigenen Webshop einer breiteren Kundenbasis zur Verfügung stellen. So kann jeder seine Digitale Dividende einfahren.

Weiterführende Links